Archiv der Kategorie: ► Unterwegs in Bildern:

In “Unterwegs in Bildern” und ihren Unterverzeichnissen beschnuppern wir unsere Welt bei Kurzurlauben, gemeinsamen Wanderungen oder Fahrradtouren. Mehr zu unseren „größeren“ und „großen“ Unternehmungen in die Ferne (Städte- und Länderreisen) habe ich auf den Seiten REISEN UND BERICHTE eingestellt.

In Pirna, dem Tor zur Sächsischen Schweiz

10.-11.01.2026

Blick von der Festung Pirna-Sonnenstein über die verschneite Altstadt

Canaletto-Blick 2026 am Marktplatz

„Ein quirliger Marktplatz, mit Sandstein verzierte Bürgerhäuser, ein imposantes Schloss und all das umgeben vom Elbsandsteingebirge: Die Große Kreisstadt Pirna ist wahrlich eine Perle unter Sachsens Elbstädten. Erstmals im Jahr 1233 urkundlich erwähnt, erzählen euch die Sehenswürdigkeiten, Giebel, Portale und Kirchen im „Tor zur Sächsischen Schweiz“ heute noch spannende Geschichten der Vergangenheit. Doch so romantisch das Ambiente auch ist: Fröhliche Straßenfeste, urige Kneipen und die sächsische Herzlichkeit sorgen für mitreißenden Schwung in dem liebenswerten Ort mit Geheimtippcharakter.“ (1)

Aufstieg zur Festung Sonnenstein über die Bastionen und Blick über die Altstadt (oben und Mitte), die Elbe führt bereits größere Massen an Eis mit sich (unten)

Auf dem Territorium der 1811 gegründeten sächsischen Landesanstalt Pirna-Sonnenstein richteten die Nationalsozialisten im Frühjahr 1940 eine „Euthanasie“-Anstalt ein. Von Juni 1940 bis August 1941 wurden hier 13.700 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen aller Altersstufen ermordet. Im Keller der Gedenkstätte können die baulichen Überreste der Tötungsanstalt besichtigt werden

Barocker Schmuck, das Rathaus und die Sichtachse zur (eingerüsteten) Stadtkirche St. Marien (oben und rechts). Ganz in der Nähe: Der Teufelserker und das Geburtshaus des Ablaßpredigers Johann Tetzel (unten links und Mitte)

Am ehemaligen Dominikanerkloster (heute Stadtmuseum (oben). Bei Minus 6°C wie geschaffen zum Teetrinken und Aufwärmen: Ungezählte urige Kneipen im Zentrum, wie hier der „Bettelmönch“

Literatur:
(1): https://www.sonnenklar.tv/blog/pirna-sehenswuerdigkeiten/

(v.k.)

Auf Tour(en) im Erzgebirge

Im Begleitheft für den „Sächsischen Wanderkalender 2020“ sind zwölf Rundwanderungen durch das östliche Erzgebirge in Streckenverlauf und Bild vorgestellt. Allesamt – so die Verfasser- sollen sie zu den schönsten Zielen des östlichen Erzgebirges führen (!)

Mittlerweile sind diese Tourenvorschläge durch uns weitgehend „abgearbeitet“ und  erfolgreich absolviert. „Wegweisende“ Kritik an die Herausgeber: Bei einzelnen Streckenbeschreibungen hat man sich leider nicht die Mühe gemacht, topaktuell zu sein. Das sollte man in diesem Metier und in unserer schnellebigen Zeit jedoch unbedingt, um Rätselraten oder große Umwege zu vermeiden. Inclusive Frust. Auch GPS-Daten helfen nicht weiter, wenn die in der Karte eingezeichnete Brücke wegen Überschwemmung vor drei Jahren zwei Kilometer flußabwärts neu errichtet worden ist, oder?

Das Osterzgebirge


Daß uns- neben den Vorschlägen im „Sächsischen Wanderkalender“- die Wanderziele im Erzgebirge zwischenzeitlich nicht ausgegangen sind, wollen die nachfolgenden Tourenberichte eindrucksvoll belegen. Sie beschränken sich mittlerweile nicht mehr nur auf den Osten, sondern auf das gesamte Erzgebirge incl. des böhmischen Teils. Ruft man auf der START-Seite dieser Homepage die KATEGORIE „Auf Tour(en) im Erzgebirge“ auf, erscheinen diese als Lose-Blatt-Sammlung und fein säuberlich nach Datum geordnet… 

PS: Die o.g. Kritik an der Nichtaktualität einzelner Wandervorschläge erhalte ich jedoch aufrecht. Dies betrifft auch die navigationsgeführte Wander-App von KOMOOT. Die Ursachen sind vielfältig, einen Verbesserungsvorschlag habe ich leider nicht parat.

(v.k.)

Unterwegs im Erzgebirge (28)

05.10.2025

Entlang der Weißeritztalhänge

Laut Komoot beträgt die ca. 3-stündige Rundwanderung ab Tharandt über den Brüderweg und den Klippenpfad über Freital-Hainsberg und zurück ca. 10km. Das Profil: ca. 250m bergauf und 260m bergab. Also nicht allzuschwer, auch wenn am Beginn der Wanderung auf geübte Wanderer mit geeignetem Schuhweg verwiesen wird. Also: Trittfestigkeit ist gefragt, Sandalen oder Flip-Flops sind somit absolut Fehl am Platze.

Start und Ziel ist die Kleinstadt Tharandt mit seinem berühmten Forstbotanischen Garten und der Forsthochschule, die seit 1929 zur TH Dresden gehört. Die hier angebotene Fachrichtung Forstwissenschaften besteht aktuell aus 9 Instituten mit 20 Hochschullehrern und ist heute Teil der Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden.

Blick auf das Campusgelände der Forsthochschule Tharandt

Der gut markierte Einstieg des Brüderwegs befindet sich ganz in der Nähe des Bahnhofs Tharandt. Ab hier -und teilweise mit Handläufen versehen- geht es auf der Nordseite des Weißeritztals stetig nach oben

Am Backsteinfelsen eröffnet sich eine gute Fernsicht auf den Freitaler Ortsteil Hainsberg und den Einstieg in den Rabenauer Grund. Er markiert auch den Umkehrpunkt der Wanderung, der mit einem Abstieg zur S194 in das Tal der Wilden Weißeritz beginnt: 

Freital Hainsberg-West

Angekommen im Talgrund: Der Heilsberger Park mit dem Gebäude des Seniorenzentrums, dem „Gasthof zum Rabenauer Grunde“ und dem Tor zum Rabenauer Grund

Der Rückweg am südlichen Weißeritz-Talhang ist weniger blumig und erweist sich als  unübersichtlich, da Bergbau-Sanierungsarbeiten den markierten Wanderweg (Leitenweg) blockieren. So wird die Tour direkt am Flußlauf der Wilden Weißeritz bis Tharandt fortgesetzt und beendet:

   

Am Ende der Wanderung nochmals ein lohnender Blick über den Tharandter Campus mit der Ruine der mittelalterlichen Burgruine (hinten links ) und der dominanten evangelischen Bergkirche

Quellen:
Karten-image: © OpenStreetMap-Mitwirkende
(1): https://de.wikipedia.org/wiki/Forstliche_Hochschule_Tharandt
(2): https://tu-dresden.de/bu/umwelt/forst
(3): https://www.elbelabe.eu/poi/b/burgruine-tharandt/
(4): https://de.wikipedia.org/wiki/Bergkirche_Tharandt

(v.k.)

Sommerausklang auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

14.-25.09.2025

Wenn wir zwei in diesem Jahr im Ostseebad Zingst „Urlaub auf dem Darß“ machen, haben wir sicher keine schlechte Wahl getroffen. Allerdings mit dieser Beschreibung auch gleich den ersten geographischen Fauxpas begangen. Denn: Die Gemeinde Zingst mit ihren rund 2800 Einwohnern liegt auf einem Landschaftsteil, der bis 1874, durch den Prerowstrom im Westen vom Darß getrennt, selbständige Insel war: die damalige Insel ZINGST. Das gleiche gilt für den angrenzenden Landschaftsteil Darß, der bis 1394 vom südlichen Fischland durch den Darßer Kanal („de Loop“) ebenfalls Insel war- die damalige Insel DARSS. Und last not least auch für das Fischland, das bis zum Ende des 14.Jhd. durch den Fluß Recknitz vom Festland getrennt war und ebenfalls Inselstatus hatte- die Insel FISCHLAND. Beide Flüsse und der Kanal wurden aus geopolitischen und wirtschaftlichen Gründen von Menschenhand zerstört und zugeschüttet, so daß es heut nur noch eine zusammenhängende Halbinsel auf diesem Längengrad zwischen Ostsee und Boddengewässer gibt. Wir sind also mit unseren Wanderungen und den Radl`n zwischen den Ostseebädern Zingst, Prerow und Ahrenshoop richtigerweise auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst unterwegs. Wieder etwas dazugelernt…

Bücher, Bildbände und Reisebeschreibungen über dieses wunderschöne Gebiet in Mecklenburg-Vorpommern mit seinem Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ gibt es zuhauf, hier nur einige Bilder und Collagen mit unseren persönlichen Erlebnissen: 

♦ Auf dem Zingst

Kranichzeit: Wenn in den Herbstmonaten die Kraniche alljährlich ihre Reise aus dem Norden unterbrechen, um in den Gefilden der Halbinsel Zwischenrast einzulegen, haben die Beobachtungsstellen am Pramort Hochbetrieb. 2024 sind hier vor ihrem Weiterflug gen Süden ca. 60.000 Tiere gezählt worden. So jedenfalls die Auskunft des sachkundigen Rangers.

Freßpause, Putzzeit, Geschnatter ohne Ende und Balztänze der Vögel am Tagesausklang

Neben Schiffen, Kunst und interessanten Inselgebräuchen nimmt der alljährliche Kranichzug auch im Zingster Heimatmuseum einen großen Raum ein, wie die Bilder unten beweisen:

Die Kraniche sind hier überall, statt ihrer grauweißen Gefieder hier allerdings künstlerisch verarbeitet und in den schönsten Farben

Abseits der Buhnen und der Zingster Seebrücke: Leuchtendes Wollgras und Weißes Pampasgras (Mitte)

Wenn das kein Timing ist: Ein Konzert der Sächsischen Bläserserenade unter der Leitung von Siegfried Mehlhorn in der evangelischen Peter-Pauls-Kirche des Ortes. In dieser Kirche trat übrigens im Juni 1935- und dies im Rahmen eines theologischen Seminars- der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer auf

Zingster Strandansichten (1)

Zingster Strandansichten (2)

Auf dem Darß: Rund um Prerow und Ahrenshoop

Was die Kranichbeobachtung vor der Großen Kirr und Pramort ist, das ist die Beobachtung des Rotwildes am Darßer Ort. Auf der nördlichsten Spitze des Darß durch feste Wege an den Strandabschnitten des Nationalparks geschützt, bieten mehrere Bebachtungsstellen die Möglichkeit, Rot- und Schwarzwild ganzjährlich zu beobachten. Auch uns sind in sicherer Entfernung mehrere Tiere vor die „Linse“ gelaufen:

Auf erfolgreicher Rotwild-Fotopirsch: Der Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ ist übrigens mit einer Größe von 78.600 ha der größte deutsche Ostsee-Nationalpark

Der hölzerne Turm der Prerower Seemannskirche stammt aus der „Schwedenzeit“ (1648-1815) und diente früher den Seeleuten als Peilpunkt auf ihrem Weg von der Ostsee in die Mündung des Prerow-Stroms. Die Kirche selbst wurde zwischen 1726-1728 erbaut und ist das älteste Gebäude auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die alten kunstvoll verzierten Grabsteine auf dem Friedhof erinnern an die Zeit, in der die Halbinsel einst Land der Kapitäne und Seeleute war und die Schiffahrt ihren Wohlstand ausmachte  

Die 720m lange Prerower Seebrücke (oben) und der Leuchtturm am Darßer Ort. Die Seebrücke aus Beton und mit Knick ist übrigens die längste im Ostseeraum und wurde 2024 fertiggestellt, der 35 m hohe Leuchtturm wurde 1848 erbaut und ist noch immer in Betrieb- heute allerdings ferngesteuert

Werbung und Blickfang auf Rädern: Das am meistem fotografierte Haus am Strand von Ahrenshoop…

…die Schifferkirche (links oben) und typische Ahrenshooper Ortseindrücke

In den Galerien der Ahrenshooper Kunstkaten (links) und Urlaubsabschied am abendlichen Strand 

Quellen:

(1): Das kleine Fischland-Darß-Zingst-Buch, Rhino-Verlag, Ilmenau, 2023
(2): https://www.fischland-darss-zingst.de/region.html  
(3): https://www.zingst.de/

(v.k.)

Unterwegs im Erzgebirge (27)

06.09.2025

Vom Triebischtal zum Tanneberger Loch 

Die Triebisch verläßt ihre besinnliche Route durch den Tharandter Wald und strebt nach Mohorn über Rothschönberg, Munzig und die angrenzenden Triebischtäler nun in Richtung Norden. Unterwegs nimmt sie bei Heynitz den Heynitzbach oder in Neurobschütz die Kleine Triebisch auf, ehe sie nach ca. 37km bei Meißen in die Elbe mündet. Unterwegs bei Rothschönberg gewinnt sie an Kraft, da hier die Grubenwässer des Rotschönberger Stollns einströmen. Unsere Wanderung um Grillenburg, im Quellgebiet der Triebisch und auf einem mittleren Abschnitt der Triebisch habe ich in vorangegangenen Blogbeiträgen bereits vorgestellt.

Unser (gelb markierter) Tourenverlauf diesmal: 

Laut Komoot beträgt die ca. 3-stündige Rundwanderung von Rothschönberg aus über das Tanneberger Loch, Burkhardswalde und Munzig ca. 11km. Das Profil: ca. 150m bergauf und 150m bergab. Also nicht allzuschwer.

Start und Ziel ist das Hauptstollnmundloch des Rothschönberger Stollns, welches einige hundert Meter vom etwas entfernteren Röschenmundloch direkt an der Triebisch entfernt ist. Der Stolln selbst ist ein technisches Meisterwerk des 19. Jhd., auch wenn es ähnliche wasserableitende Stolln bereits im späten Mittelalter gegeben hat (z.B. Markus Semmler-Stolln in Aue/Bad Schlema, 16. Jhd.). 2027 jährt sich die Fertigstellung dieses größten und tiefsten Entwässerungsstollns aus dem Freiberger Revier (Bauzeit 1844-1877) übrigens zum 150. Mal.

Am Hauptstollnmundloch des Rothschönberger Stollns

Direkt an der Triebisch befindet sich das gemauerte Röschenmundloch. Nach dem Passieren der ca. 850m vom Hauptstollnmundloch (obere Collage) entfernten und 2x3m großen unterirdischen Abzugsrösche ergießen sich die Grubenwässer in die bis dahin kleine und unscheinbare Triebisch  

Wir unterqueren die heutige Autobahntrasse der A4 und passieren das Tanneberger Loch, in dem sich bis in die späten 1990-iger Jahre die damalige Autobahn (Abschnitt Nossen-Wilsdruff) befand. Heute erinnert rein gar nichts mehr an diese alte Strecke, die wegen seiner Enge und der klimatischen Verhältnisse zu den Unfallschwerpunkten gehörte. 

Von der Natur zurückerobert und heut ein von hohen Laubbäumen umsäumtes Tal: Der ehemalige und insbesondere im Winter gefürchtete A4-Autobahnabschnitt im Tanneberger Loch(oben). Heute von einer modernen Stahlbetonbrücke überspannt

Die spätgotische Hallenkirche und der historische Gasthof von Burkhardswalde

Quellen:
(1): https://de.wikipedia.org/wiki/Triebisch
(2): https://de.wikipedia.org/wiki/Tanneberger_Loch

(v.k.)

Unterwegs im Erzgebirge (26)

30.08.2025

Im Tharandter Wald: Wanderung im Quellgebiet der Triebisch

Die Triebisch verläuft einen kleinen Teil ihrer besinnlichen Route im Tharandter Wald, ehe sie nach ca. 37km bei Meißen in die Elbe mündet. Unterwegs bei Rothschönberg nimmt sie die Grubenwässer des Rotschönberger Stollns auf, der noch heute die ehemaligen Bergbaugebiete um Freiberg entwässert. Unsere Wanderung um Grillenburg und auf einem mittleren Abschnitt der Triebisch habe ich in vorangegangenen Blogbeiträgen bereits vorgestellt.

Unsere Tourenverlauf diesmal: 

Laut Komoot beträgt unsere ca. 3-stündige (mittelschwere) Wanderung zwischen Grillenburg und Mohorn-Grund ca. 12km auf leicht hügeligem Profil. Sie bewegt sich weitgehend im Quellgebiet der Triebisch bei Grillenburg: Eine entspannte Rundtour zum Ausgleich, ca. 130m bergauf und 120m bergab, die zudem großen Spaß macht!

Der Abfluß der Grillenburger Teiche liegt im unmittelbaren Quellgebiet der Triebisch….

…in dem die mittelalterliche Jagdhausanlage von Grillenburg wieder besseren Zeiten entgegensieht

Trotz Waldgeist und seinen Feen am Wege: Keine Angst, der Weg ist das Ziel

Gut ausgeschildert, ist der Triebisch-Weg nur auf einem kurzen Abschnitt ein Holzweg

Eine Fee am Triebisch-See?

Teichrosen und Rohrkolben warten auf die müden Wanderer

Vor Mohorn ist aus dem Quell-Rinnsal bereits ein ansehnliches, kleines Triebisch-Bächlein geworden

Unser Wanderabschluß am Flügel Jägerhorn des Tharandter Waldes: Der Steinbruch, aus dem das Material für die Freiberger, Naumburger und Nossener Dombauhütten im späten Mittelalter gebrochen wurde 

Quellen:
(1): https://de.wikipedia.org/wiki/Triebisch

(v.k.)

Theodor Körner und Großzschocher, Juni 1813

07.07.2025

Theodor Körner und Großzschocher,  Juni 1813

Im Juni des Jahres 1813 sind es noch mehr als vier Monate bis zur großen Völkerschlacht vor den Toren Leipzigs zwischen den alliierten Truppen Preußens, Rußlands, Österreichs und der napoleonischen Armee.

In den Frühjahrs- und Sommerfeldzügen des Jahres 1813 und nach den für beide Seiten verlustreichen Schlachten von Großgörschen (2.Mai) und Bautzen (20./21.Mai) ist in beiden Lagern Zeitgewinn, insbesondere zur weiteren Mobilmachung und Kräftigung der Heere, angesagt. Dies betrifft auch das Freikorps der Lützower, welches sich- unter preußischem Oberkommando stehend- in Sachsen aufhält. Inmitten dieser Freischar aus deutschen Patrioten mit ihren einheitlich schwarzgefärbten Uniformröcken befindet sich auch der ehemalige Student und junge Theaterdichter Theodor Körner (zwischen 1808-1812 Studienansätze an der Bergakademie Freiberg sowie an den Universitäten Leipzig & Berlin; ab 1812 dann Anstellung als Theaterdichter im Burgtheater Wien, wo er erste Gedichte, Dramen und Theaterstücke verfaßt). Unmittelbar nach dem Aufruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gibt Körner seine Stellung auf und schließt sich im März 1813 in Breslau dem Freiwilligenkorps des preußischen Majors Adolph von Lützow an. 

Die Waffenstillstandsvereinbarung von Pläswitz, Königreich Preußen, 4. Juni 1813

Am 4. Juni 1813 wird im schlesischen Pläswitz ein auf zwei Monate befristeter Waffenstillstand zwischen Preußen, Rußland und Napoleon vereinbart, der am 5. Juni in Kraft tritt. Laut dessen Bestimmung haben sich alle preußischen Truppen bis zum 12. Juni hinter die vereinbarte Demarkationslinie nördlich der Elbe zurückzuziehen. Als Unterhändler fungieren der preußische General von Kleist, der russische Graf Schuwalow und der französische Diplomat Coulaincourt.

Die Mitteilung über den Beginn dieses Waffenstillstandes erreicht das ca. 400 Mann starke Lützowsche Freiwilligenkorps allerdings erst am 9. Juni bei Eichigt im sächsischen Vogtland. Sehr spät und hinter den feindlichen Linien, d.h. mitten im französisch besetzten Gebiet. Am Tag zuvor ist der Versuch des Freikorps gescheitert, die Stadt Hof zu besetzen. Dieser mißglückte Handstreich, bei dem es Tote und Verwundete gibt, hätte während des Waffenstillstands nicht stattfinden dürfen. Sind die bei Lützow verspätet eingetroffenen Ordres der schwierigen Nachrichtenübermittlung in diesen Tagen geschuldet? Oder sind es Nachlässigkeit oder gar Absicht durch das preußische Hauptquartier? Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet.

Lützow bleiben für einen Ausweich noch drei Tage, doch er zögert und führt seine Truppen nicht in das neutrale Böhmen, sondern im Eilmarsch über Gera, Zeitz und Großgörschen weiter nach Norden durch das mit Napoleon verbündete Sachsen. Wagemut oder Nachlässigkeit? Nach Abmarsch aus seinem Biwak bei Kitzen, südwestlich von Leipzig, wird das Korps auf der Strasse zwischen Kitzen und Kleinschkorlopp am 17.06.1813 von einer zehnfachen Übermacht an württembergischer und französischer Kavallerie unter deren Generälen Norman und Fournier gestellt. Lützows Bitte um freies Geleit, da in friedlicher Absicht, wird nicht entsprochen, sein Korps wird unmittelbar darauf angegriffen. Der Durchbruch aus der feindlichen Umzingelung gelingt nur unter großen Verlusten, 30 seiner Männer fallen, 150 geraten in Gefangenschaft. Der Rest, darunter auch von Lützow und Körner, kann entkommen.

Auch dies ist ein Bruch des vereinbarten Waffenstillstandes. In einer Depesche an Napoleons Generalstabschef A. Berthier beschwert sich Feldmarschall Barclay de Tolly, Oberbefehlshaber der preußisch-russischen Truppen, über dieses „absolut unerklärliche Vorgehen bei Kitzen gegen das Korps von Major von Lützow“ und schlägt den Franzosen im Juli eine dringende Untersuchung der Angelegenheit vor. Dabei schließt er allerdings auch ein Fehlverhalten des Lützowschen Freikorps nicht aus…

Der Weg der Lützower in Sachsen bis zum Gefecht bei Kitzen und des schwerverwundeten Körner nach Großzschocher, Karte: ©OpenStreetMap-Mitwirkende

Körner selbst wird bei dieser Aktion durch einen Säbelhieb schwer verwundet. Er kann von Kameraden noch verbunden werden und sich zu Pferd mit Mühe in ein kleines Waldstück in der Elsteraue nahe der Gemeinde Großzschocher retten…

Sicht auf das bewaldete Gelände bei Großzschocher zwischen Elsteraue und Knauthainer Elstermühlgraben…

…in dem sich nach dem Scharmützel der schwerverwundete Körner verstecken kann

Das ehemalige Großzschochersche Gärtnerhaus in der Huttenstraße 2a, in dem Körner kurzzeitig versteckt, gepflegt und später außer Landes gebracht wird

Körner wird schon am nächsten Tag nach Hinweisen von Kameraden gefunden und in eine Kammer der Gärtnerwohnung in Großzschocher gebracht, wo er notärztlich versorgt wird. Bereits am nächsten Tag, also am 19. Juni, bringt ihn ein kleiner Kahn über das Dorf Schleußig bis zu „Rudolfs Garten“ (einem damals beliebten Ziel der Leipziger Gondelpartien) und zum Haus von Dr. Wendler. Neben der Androhung der Todesstrafe durch Napoleon gegen Jedermann, der einen Lützower („Bandit noirs“) aufnimmt, hilft oder begünstigt, ist zudem auf Körner ein hohes Kopfgeld ausgesetzt. So bringt ihn der Arzt am 25. Juni nach Kalmdorf, ein Gut in der Nähe von Borna. Am 29. Juni gelangt Körner schließlich bei Gottesgab über die Böhmische Grenze nach Karlsbad, wo er seine Kopfverletzung auskurieren kann. Doch schon zwei Monate später ist er bereits wieder bei „seinen“ Lützowern in Mecklenburg, wo er am 26. August beim Angriff auf einen französischen Troß im Forst von Rosenow bei Gadebusch fällt…

Gemälde von Ferdinand Hodler: „Der Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“. Neben Studenten treten im Frühjahr 1813 junge Männer aus allen Ständen, sowie ehemalige Offiziere und Beamte in die Freiwilligenbataillone gegen die französische Fremdherrschaft ein. Zu diesen gehörten neben Theodor Körner z.B. auch F.L.Jahn, F.Friesen, J.von Eichendorff oder F. de la Motte-Fouque  

♦ images:
pixabay und  Public Domain: „Der Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“
©OpenStreetMap-Mitwirkende
♦ Quellen:
(1): https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCtzowsches_Freikorps
(2): https://www.leipzig-days.de/koernerhaus-grosszschocher/
(3): https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstand_von_Pl%C3%A4switz
(4): Joachim Streisand: Lehrbuch der Deutschen Geschichte- Deutschland 1789-1815; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1959
(5): Dokumente der Sonderausstellung „Napoleon muß untergehen“ zu Barclay de Tolly im Militärhistorischen Museum Dresden, Juli, 2025
(6): Private Aufzeichnungen zu: „Schills Rebellenzug von 1809 und weitere patriotische Erhebungen“ aus dem Kulturhistorischen Museum Stralsund/11.01.1976  

(v.k.)

Unterwegs im Erzgebirge (25)

24.05.2025

Im Tharandter Wald: Rund um Grillenburg

Der Tharandter Wald ist ein ca. 60qkm großes, zusammenhängendes Waldgebiet südwestlich von Tharandt. Dessen geographischer Mittelpunkt ist seit seiner Erwähnung im Jahre 1289 das kurfürstliche Amt incl.  Jagdpfalz und Jagdschloß  „Grillenburg“. Insbesondere im späten Mittelalter lieferten die Wälder nicht nur Holz für die sächsischen Bergwerke, ab Mitte des 16.Jhd. dienten sie auch den zunehmenden  Jagdinteressen des Dresdener Herrscherhauses. Unter der Leitung des Thüringer Forstmannes Heinrich Cotta wurde das Waldgebiet ab 1811 zum sächsischen Lehr- und Versuchsforst.


(v.k.)

Unterwegs im Erzgebirge (24)

Zu Gast im Kloster Buch (2)

18.05.2025

An dieser Stelle bzw. über diesen Link hatte ich das Kloster Buch vor längerer Zeit schon einmal vorgestellt. Sind wir nun zum zweiten oder bereits zum dritten Mal zu Gast auf seinem Gelände und in seinen historischen Gemäuern? Egal, der vom 16.-18.Mai 2025 stattfindende Kloster- und Gartenmarkt ist allemal ein Grund, dieses an der Freiberger Mulde bzw. am Muldental-Radwanderweg (zwischen Döbeln und Leisnig) gelegene Gelände nochmals zu besuchen:

Das erstmals 1192 urkundlich erwähnte Zisterzienserkloster Buch prägte nicht nur durch seinen zivilisatorischen Einfluß das Gesicht unserer Landschaft, sondern über Jahrhunderte auch die Geschichte unseres Landes. Wertvolle bauliche Zeugnisse vermitteln uns heute noch einen Eindruck seiner einstigen Bedeutung…

Karten-image: © OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)

Unterwegs im Erzgebirge (23)

Vorfrühling am Mittelpunkt Sachsens

09.03.2025

Unsere Rundwanderung startet am Naturerlebnishof Weidegut in Colmnitz mit seinem historischen Dreiseitenhof, dem grossen Kräutergarten und dem ganz in der Nähe liebevoll ausgebauten Kinderspielplatz. Er führt über die historische Schmalspur-Bahnstrecke (1921 – 1971) zum Mittelpunkt Sachsens. Zur Diebeskammer des ehemaligen Räuberhauptmannes Lips Tullian und am Colmnitzbach weiter bis zum südöstlichen Ortsrand der Gemeinde Naundorf. Anschließend zurück über die Alte Salzstrasse und den romantischen Tännichtgrund. Mit ca. 11km Wegstrecke und einem bequemen Höhenprofil mit 150m Auf- und Abstieg eine einfache Tour im romantischen Tal der Colmnitz…

♦ Image:
Geografischer Mittelpunkt Sachsens, Alexander Jäkel, CC BY-ND, Andre Kaiser
♦ Zum Nachlesen:
https://www.sachsen-erkunden.de/mittelpunkt-sachsen/
https://www.geopark-sachsen.de/de/geologie/geotope-im-geopark/lips-tullian-felsen/
https://www.sagenhaftes-mittelsachsen.de/sagensammlung/sagen-aus-der-region-freiberg/lips-tullian.html

(v.k.)