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BlogimageHier nun die bisher veröffentlichten Beiträge meines Blogs. Sie sind chronologisch geordnet. Ob interessante Ziele und Ausstellungen, Bücher, ein gutes Konzert, gemeinsame Erlebnisse oder kluge Ideen: Die Beiträge zielen allesamt auf Dinge, die mich umtreiben und beschäftigen. Im Blog sind acht KATEGORIEN eingerichtet. In der KATEGORIE  “Unterwegs in Bildern” z.B. beschnuppern wir unsere Welt bei gemeinsamen Unternehmungen, Wanderungen oder Fahrradtouren. Größere Touren in die weite Welt hinaus sind im Menue unter REISEN UND -BERICHTE beschrieben.

 

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…there is no such thing as a bad blog…

images: flickr.com und jisc.oc.uk

Königsorte an der Straße der Romanik (3)

03.07.2020

R o m a n,  R o m a n i k,  R o m a n t i k. . .

Kann eine Straße der Romanik romantisch sein? Und ob! Als Reiseweg an sich, der den Ort A mit Ort B verbindet, sicher weniger. Dafür jedoch die Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Bauten und Städte, die seinen Verlauf säumen! Die gute Nachricht: Es gibt genau so eine Straße in Sachsen-Anhalt, die einen unschätzbaren Reichtum an mittelalterlichen Baudenkmälern verbindet. Die allesamt aus der Zeit-Epoche zwischen 950 und 1250 u.Z. stammen und in vielen Teilen erstaunlich gut erhalten sind. Klöster, Burgen, Dome und Kirchen sind die Zeitzeugen auf dieser Route. Und die Magnete für die in Stein gewordene Geschichte des Mittelalters…

Die Romanische Straße in Form einer “8” mit der Landeshauptstadt Magdeburg als Schnittpunkt. Auf einer Länge von mehr als 1000km verbindet sie 88 romanische Bauwerke in 73 Orten. Diese sind eng verknüpft mit der Geschichte der Ottonen und der Königserhebung Heinrichs I. Seit 2007 ist diese Straße ein Teil der Europäischen Kulturroute TRANS-ROMANICA, die europäische Regionen in acht Ländern verbindet.”

Nach den Königspfalzen in Allstedt und Memleben in Teil(2) sollen heut zwei weitere Ziele auf der Straße der Romanik vorgestellt werden. Unsere Zielorte liegen in der nördlichen Vorharz-Region von Sachsen-Anhalt.


Unterwegs zum Kloster Michaelstein und zur Stiftskirche St. Cyriakus im Nordharz

Kloster Michaelstein

Die in der Nähe von Blankenburg/Harz liegende ehemalige Zisterzienserabtei Michaelstein wurde 1146 gegründet. Sie fasziniert durch das Zusammenspiel von gut erhaltenen Klausurräumen mit romanischen und gotischen Architekturelementen, stetig grünen Klostergärten und einer modernen Musikausstellung “Klang-Zeit-Raum-dem Geheimnis der Musik auf der Spur”. Das Gros der ehemaligen Klostergebäude und Wirtschaftsanlagen (Torhaus, Wirtschaftshof, Refektorium, Kreuzgang, Kapitelsaal, Kräutergarten, Fischzuchtteiche usw.) befindet sich nach unserer Einschätzung in einem erstaunlich guten Zustand, so daß sich ein Besuch der Anlage in jedem Fall lohnt!

Kreuzhof: Blick in den Lesegang

“In der Stiftungsurkunde von 1146 bezeichnete sich die Äbtissin Beatrix II. von Quedlinburg als Gründerin des Klosters. Aus der Bestätigungsurkunde Papst Eugens III. von 1152 stammt die erste eindeutige Erwähnung eines Zisterzienserkonvents. Aus dem anfänglich beschwerlichen Leben entwickelte sich eine wirtschaftlich erfolgreiche Abtei. Schenkungen, die gelobte Armut sowie das von Arbeit und strenger Eigenwirtschaft bestimmte Leben erhöhten den klösterlichen Besitz bis zum Ende des 12. Jahrhunderts auf etwa 500 Hufen (ca. 3500 ha), hundert Jahre später auf etwa 700 Hufen. In alten Karten sind z.B. die Bezeichnungen von Mühlen, Weinberg, Hopfen- und Obstgärten zu finden. 1525 ereilte Michaelstein das gleiche Schicksal wie viele andere Klöster seiner Zeit auch. Am 10.Mai überfielen, plünderten und zerstörten aufständische Bauern die Klostergebäude teilweise. Sie zerstörten nicht die Klosterkirche, aber Bildnisse und Darstellungen. Nach Einführung der Reformation 1543 wird Michaelstein protestantische Klosterschule. Nach Wiederaufnahme des Klosterbetriebs durch die Zisterzienser im 30-jährigen Krieg entsteht 1721 ein Kollegiatsstift. Heute beherbergt es u.a. die Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt” (aus: Kloster Michaelstein, Verlag Janos Stecovics, 2018)   

Torhaus und Eingang zum Wirtschaftshof, rechts: Ordensregeln der Zisterzienser

Innenhof, Arkadengang, romanisches Kapitell im Kapitelsaal und der früher einzig beheizbare Raum im Kloster: das Kalefaktorium

Im Klostergarten

Stiftskirche St. Cyriakus  (Frose)

St. Cyriakus ist eine flach gedeckte Pfeilerbasilika ohne Krypta und stammt aus der Zeit um 1170.

“Die Stiftskirche “Sankt Cyriacus” in Frose wurde von Markgraf Gero um 950 als Benediktinerkloster gegründet. Sie ist dem heiligen Cyriakus, einem der 14 Nothelfer geweiht. Ab 961 war Frose, wie auch die Stiftskirche in Gernrode, ein Damenstift.
Im Jahre 1138 soll Frose zerstört worden sein. Deshalb wurde um 1170 mit dem Bau der heute noch existierenden spätromanischen Stiftskirche begonnen.
Der heutige ab 1170 geschaffene Bau gliedert sich in das Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen, den Chor im Osten, das Mittelhaus und den wuchtigen Turmbau mit seinen Doppeltürmen auf der Westseite. Deren Bekrönung stammt aus der Zeit um 1250. Die neuromanische Ausstattung ist einheitlich und stammt von 1892. An der Stiftskirche Frose hat in den Jahren 1516 und 1517 der charismatische Thomas Münzer als Propst gewirkt. Müntzer, ein Zeitgenosse Martin Luthers, führte die aufständischen Bauern in den mitteldeutschen Bauernkrieg, der 1525 auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen mit einer verheerenden Niederlage für die Bauern endete” (aus: Romanikstraße, Geocach-Beschreibung des Kirchen-Bauwerkes mit den Koordinaten N 51°47’849 und E 011°22’391)

(v.k.)

Musik-geschrieben für die Ewigkeit

Musik für die Ewigkeit, zeitlos und unvergleichlich schön…

Musik ist die wunderbarste Schöpfung des Menschen, sein ewiges Rätsel. Musik ist Hingabe, Genuß und Vergnügen. Sie gibt dem Menschen all das Gute zurück, was in ihm ist und was auf dieser Erde zurückbleiben wird. Denn es ist unbestreitbar, dass er schon Musik gehört hat, bevor er sprechen gelernt hat. Der Gedanke, dass für ihn am Anfang das Geräusch des Windes, das Plätschern der Wellen, das Singen der Vögel, das Rauschen des Grases und das Rascheln des fallenden Laubs war, ist faszinierend. Erst dann, wenn der Mensch den Klang der Natur vernommen hat, kann er Worte daraus formen. Und Musik… (YAKURO).  Und wenn ein Sänger wie der 1966 tödlich verunglückte  Fritz Wunderlich seine unvergessene Stimme in den Dienst dieser Musik stellt, kann man nur noch lauschen und die Welt um sich her vergessen…  

S i n f o n i s c h e s

Wolfgang Amadeus Mozart, KV339: “Laudate Dominum”/Bel Canto Choir Vilnius:

Wolfgang Amadeus Mozart, KV618, “Ave Verum Corpus”/Concordia Choir:

Wolfgang Amadeus Mozart: “Dona Nobis Pacem-Gib uns Frieden”/Bayerns Knabenchöre 1996:

Franz Schubert: Adagio Es-Dur Op. posth. 148 D. 897 “Notturno”:

Georg Friedrich Händel: Messias-Oratorium; “Er weidet seine Herde”/Regula Mühlemann:

Cesar Franck: FWV71-“Panis angelicus”/Sissel and The Tabernacle Choir:

J. G. Rheinberger: “Abendlied”/Stuttgarter Kantaten-Ensemble:

E. Humperdinck: “Abendsegen” aus der Oper Hänsel und Gretel/Elina Garanca & Anja Harteros:

Pourcell y Mauriat, P. Vilarroig: “I WILL FOLLOW HIM”/Director: Félix Redondo:


L i e d e r

Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski: “Ich bete an die Macht der Liebe”/Jay Alexander & Orchester der Kulturen unter der Leitung von Adrian Werum:

Franz Schubert: “Im Abendrot”/Fritz Wunderlich:

Johann F. A. Fleischmann: “Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein”/Rudolf Schock 1968:

Franz Schubert: “Schlafe, schlafe, holder, süßer Knabe”/Fritz Wunderlich:

Franz Schubert: “Des Baches Wiegenlied” aus: Die schöne Müllerin/Wunderlich/Giesen

Ralph Vaughan Williams: “The First Noël” (On This Winter’s Night)/Lady Antebellum:

(v.k.)

Harzreise 2020: Auch rund um den Brocken sterben die Wälder

28.6.- 03.7.2020

Start und Ziel für unseren einwöchigen Wanderurlaub ist Braunlage im Herzen das Harzes. Für uns eine Woche Entspannung und Durchatmen in einer Wanderregion par excellence: Denn: Mehr als 9.000km gut ausgeschilderte  Wanderwege durchziehen das bergige und oft schroffe Gelände im höchsten Mittelgebirge Norddeutschlands.

Wanderweg an der Kalten Bode zum Brocken, Blick zurück zum benachbarten Wurmberg (971m)

Direkt am Wege von Natur und Bergwelt mit ihren interessanten Landschaftsformen: Fast unendlich viele Ziele aus Geschichte und mittelalterlichem Bergbau, historischer Wasserwirtschaft, Städtebau, Handwerk und gelebter Tradition. In der Harz-Region wachsen seit 1990 die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder erfolgreich zusammen. Die einstigen Kolonnenwege an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Brocken und Wurmberg bis hin zur Bremke-Brücke vor Braunlage sind heut Wanderwege. Die vor 30 Jahren noch martialisch gerodeten Grenzstreifen sind mittlerweile durch die Natur wieder erfolgreich vereinnahmt worden.

Ehemaliger Patrouillenweg entlang der Bremke, dem einstigen Grenzfluß zwischen Ost und West

Im Zentrum des “Naturparks Harz” wird seit 1990 das Gebiet um den Brocken als “Nationalpark Harz” ausgewiesen. Der Nationalpark ist seit 2006 länderübergreifend installiert und umfaßt mit einer Fläche von 25.000 ha etwa ein Zehntel der Gesamtfläche des Harzes.

Blick über die Gebirgsrücken des mittleren Harzgebietes

“Genährt werden Mythen und Sagen von der Urwüchsigkeit und Magie der Natur. Dichte, dunkle Fichtenwälder, nebelumwobene Klippen und Gipfel- das ist die eine Seite des Harzes. Die andere: Lichtdurchflutetete Hochebenen, buntblühende Bergwiesen, leise plätschernde Bäche ud farbenfrohe Laubwälder. Das stark bewaldete und klippenreiche Gebiet des “Nationalpark Harz” rund um “Vater Brocken” ist ein einzigartiges Refugium und steht unter besonderem Schutz” (aus: Brocken-Tips, Sonderausgabe, Juni 2020)

Der Harz ist voller Highlights und scheint noch heute voller Geheimnisse. Kein Geheimnis ist dagegen, daß die Nadelwälder im Naturpark schwer angeschlagen oder- wie im Zentrum des Nationalparks- in großen Flächen bereits tot sind. Hier gibt es gebietsabhängig fast keine grünen Bäume mehr: Das Totholz dort wird vom Forstbetrieb nicht geborgen, da ein “natürlicher Urwald” ohne menschlichen Eingriff  entstehen soll. So der Anspruch.

Istzustand: Im Nationalpark um den “Vater Brocken”.

100- und 150-jährige Fichtenwälder wurden im Verlauf von zwei(!) extrem trockenen Jahren vernichtet! Hitzerekorde, Trockenheit, Krankheiten und Borkenkäferinvasionen waren die Totengräber. Eine traurige Bilanz, da Alternativen und diverse Konzepte zur  Wiederaufforstung der ehemaligen Monokulturflächen -auch mit Laubbaum-Setzlingen- mit großen Fragezeichen verbunden sind. Unsere Wälder stehen vor dem Kollaps, da Regenarmut und Dürre auch den Laubbäumen sichtbar zu schaffen macht. Die Beklemmung und Unsicherheit bei den Forstleuten ist nach unserem Eindruck mehr als spürbar, der seit Jahrzehnten vorangetriebene Waldumbau scheint an einem ktitischen Punkt angekommen. Dabei ist die von uns im Harz beobachtete Situation exemplarisch für das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz und nach Faktenlage auch für die meisten Waldgebiete Deitschlands.

Gespenstisch: Toter Wald Im Naturpark Harz.

Weinen hilft nicht. Die Frage ist: Wie geht es weiter? Drücken wir uns die Daumen, daß die die Brockenbahn in fernerer Zukunft wieder durch grünen Wald zum Gipfel schnaufen wird…

(v.k.)

Königsorte an der Straße der Romanik (2)

13.06.2020

R o m a n,  R o m a n i k,  R o m a n t i k. . .

Kann eine Straße der Romanik romantisch sein? Und ob! Als Reiseweg an sich, der den Ort A mit Ort B verbindet, sicher weniger. Dafür jedoch die Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Bauten und Städte, die seinen Verlauf säumen! Die gute Nachricht: Es gibt genau so eine Straße in Sachsen-Anhalt, die einen unschätzbaren Reichtum an mittelalterlichen Baudenkmälern verbindet. Die allesamt aus der Zeit-Epoche zwischen 950 und 1250 u.Z. stammen und in vielen Teilen erstaunlich gut erhalten sind. Klöster, Burgen, Dome und Kirchen sind die Zeitzeugen auf dieser Route. Und die Magnete für die in Stein gewordene Geschichte des Mittelalters…

Die Romanische Straße in Form einer “8” mit der Landeshauptstadt Magdeburg als Schnittpunkt. Auf einer Länge von mehr als 1000km verbindet sie 88 romanische Bauwerke in 73 Orten. Diese sind eng verknüpft mit der Geschichte der Ottonen und der Königserhebung Heinrichs I. Seit 2007 ist diese Straße ein Teil der Europäischen Kulturroute TRANS-ROMANICA, die europäische Regionen in acht Ländern verbindet.”

Nach Quedlinburg, Gernrode und Ballenstedt in Teil(1) sollen heut zwei weitere Ziele auf der Straße der Romanik vorgestellt werden:


Unterwegs zu zwei Kaiserpfalzen in Sachsen-Anhalt: Die Pfalzen Allstedt und Memleben

Allstedt: Kaiserpfalz, Schloß und Reformationsstätte

Auf einem Bergrücken vor Allstedt thront die imposante Burg- und Schloßanlage

Unsere Zielorte Allstedt und Memleben liegen in der südlichen Vorharz-Region von Sachsen-Anhalt.

“Als Alstediburg erstmals im Hersfelder Zehntverzeichnis Ende des 9. Jahrhunderts erwähnt, ist Allstedt eine der wichtigsten Pfalzen der umherziehenden mittelalterlichen Könige. Fast alle deutschen Könige und Kaiser sind hier zu Gast. Reichsversammlungen, Reichstage und die Erwähnung im Sachsenspiegel des Eike von Repkow zeugen von der Bedeutung der Pfalz. Nach Ausbau der Anlage im Spätmittelalter zur Wehrburg erfolgt im 16. Jhd. durch Kurfürst Friedrich der Weise der Ausbau zum Renaisassance-Schloß. Bedeutung erlangt Allstedt weiterhin durch den Theologen und Reformator Thomas Müntzer, der hier als Pfarrer wirkt und am 13. Juli 1524 seine berühmte Fürstenpredigt hält” (aus: Burg & Schloß Allstedt- Informationsbroschüre).

Im Inneren der Burganlage, daneben Zeittafel und der Allstedter Wigberti-Turm, in dem Müntzer gewohnt haben soll.

Kloster und Kaiserpfalz Memleben

“Von Otto dem Großen (912-973)  bis Heinrich II. (973-1024) kam eine ganze Herrscherdynastie in die ottonische Kaiserpfalz nach Memleben. Hier prägten die Mächtigen des Reiches die Geschichte von Kloster und Region. Kaiser Otto II. und seine byzantinische Gattin Theophanu gründeten hier ein berühmtes Benediktinerkloster. Der Ort ist seitdem Schauplatz erlebbarer Geschichte, das Herz Ottos des Großen (Otto I.) liegt in Memleben begraben. In unmittelbarer Nachbarschaft des gut erhaltenen Klosters liegen weitere imposante Reste zweier Klosteranlagen: Eine ottonische Monumentalkirche aus dem 10. Jhd. als auch die Ruine der frühgotischen Marienkirche aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Höhepunkt hier ist die spätromanische Krypta des jüngeren Kirchenbaus im Originalzustand (!)” (aus: Königsorte: Museum und Memorialort Memleben).

Ruinen der romanischen Kirchenanlagen

Im Inneren der spätromanischen Krypta

(v.k.)

Unterwegs im Osterzgebirge (6)

Nach Tour5 hier die Bilder und Impressionen einer weiteren Erzgebirgs-Rundwanderung. Dazu in unserem Gepäck: Die Anregungen aus dem “Sächsischen Wanderkalender 2020“. 


11.06.2020

Rundwanderung von Altenberg zu den historischen Bergwerksanlagen, zu Geisingberg, Pinge und den Galgenteichen (Streckenlänge/Wanderzeit: 13.2km/4h)

“Der Kamm des Osterzgebirges mit seinem rauhen Klima und den undurchdringlichen Urwäldern war für die Menschen lange Zeit eine natürliche, unpassierbare Grenze zwischen Böhmen und der Markgrafschaft Meißen. Die Funde von Erzen (Zinn, Silber und auch Gold) machten das Gebirge für den Menschen interessant und man begann von böhmischer Seite her mit der Besiedlung. Die Entdecker des Altenberger Erzvorkommens sollen Köhler gewesen sein. Unter ihren Feuerstätten fanden Sie geschmolzenes Zinn. Diese Nachricht verbreitete sich rasch und lockte Bergleute aus Nah und Fern an. Aus den Köhlerniederlassungen wuchs der Bergarbeiterort am “Alten Berge”. Bereits 1451 erhielt Altenberg das Stadtrecht. Der Bergbau wuchs rasch, wobei die Ausbeutung der Minen zum Teil ohne die nötige Sicherheit betrieben wurde: 1620 kam es zum großen Pingenbruch, danach lag das Bergwerk fast 50 Jahre still. Pest, Ruhr und Kriege suchten die Stadt heim, so daß nur langsam mit der Wiederaufnahme der Bergwerkstätigkeit begonnen werden konnte. Dabei wurde jedoch im 17.-19. Jahrhundert die Glanzzeit des 16. Jahrhunderts nie mehr erreicht. (editiert aus: GESTERN, Auslage der Pfarrkirche Altenberg)

Mit einer Steckenlänge von ca. 13km und einem Höhenunterschied von ca. 290m zählt die Rundtour zu den mittelmäßig- schwierigen Wanderungen. Unsere Variante startet am Zielpunkt der Sommerrodelbahn in Altenberg. Sie führt über das Alte Raupennest am Kammweg zur historischen Zinnwäsche am “Alten Berg” und zu weiteren übertägigen Bergwerksanlagen. Dann hinauf zum 824m hohen Basaltkegel des Geisingberges mit einer überragenden Aussicht auf die Stadt Altenberg und das benachbarte Geisingtal im Nord-Osten. Im Anschluß wieder hinab zum gigantischen Kessel des Pinge-Einbruchs und über die Galgenteiche zurück zum Startpunkt.


 

 

 

 

 

Im Zentrum der der Bergstadt: Das Hauptgebäude des ehemaligen Berg- und Hüttenkombinates scheint heut für den Rat der Stadt  Altenberg etwas überdimensioniert…

Blick auf den Altenberger Skihang vom alten Kammweg aus. Gleich daneben das Alte Raupennest

In der historischen Zinnwäsche: Das zutage geförderte Erz mußte für die Verhüttung aufbereitet werden. Dazu legte man bereits frühzeitig ein kunstvolles System von Pochwäschen an, die das Erz zerkleinerten und das Zinnkonzentrat auswuschen. Ganz unten: Blick auf den Römerschacht, der über ein Jahrhundert lang der Hauptförderschacht des Altenberger Zinnbergbaus war. Über diesen Schacht wurden von 1850-1963 über 4Mio Tonnen Zinnerz an das Tageslicht gefördert

Der Geisingberg mit dem Luisenturm von Fern und Nah. Ganz nah auch die duftenden Frühlingswiesen nach dem leichten Abstieg

Rundblick auf Altenberg mit seiner Pinge

Die Pinge- der Einsturzkrater aus dem Jahre 1620 in unmittelbarer Nähe zum Altenberger Stadtgebiet. Mit seinen Abmaßen von 400m Durchmesser und 150m Tiefe zählt er zu den eindrucksvollsten Bergbaudenkmalen der Region. Der Krater ist das Ergebnis gewaltiger untertägiger Brüche, die große Teile des damaligen Bergwerks zerstörten. Hier der Pingenbruch im Panorama…

….und aus Nahdistanz

“Dreifaltigkeit” im Jahre 2020: Die Altenberger Stadtkirche, das Bergglöck`l und die Eliteschule des Sports. Für die Piloten der Rennschlitten und Bobs wird hier und aktuell gewaltig (an)gebaut…

Blick auf den großen Galgenteich. Sowohl der große als auch der kleine Galgenteich lieferten die Aufschlagwässer für die hiesigen Bergwerksanlagen. Sie zählen zu den ältesten Kunstteichen Deutschlands.

Seit 1991: Ruhe im Römer-Schacht. Er löste die durch die Pinge brüchig gewordenen alten Förderschächte ab. Der Hauptschacht Altenbergs wurde 1837 abgeteuft und erreichte 1962 mit 300.000t Fördererz/Jahr seine Leistungsgrenze. Es ist nicht ausgeschlossen, daß durch das neue Berggeschrey des 20. Jahrhunderts wieder Leben in die bis dato versiegelten Anlagen einkehrt…

  • Tourenvorschlag aus: “Begleitheft für den sächsischen Wanderkalender 2020”

(v.k.)

“Irgendwo auf der Welt”…

Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück,
und ich träum’ davon in jedem Augenblick.
Irgendwo auf der Welt gibt’s ein bisschen Seeligkeit,
und ich träum’ davon schon lange, lange Zeit.
Wenn ich wüsst’, wo das ist, ging’ ich in die Welt hinein,
denn ich möcht’ einmal recht, so von Herzen glücklich sein.
Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an;
irgendwo, irgendwie, irgendwann.
Ich hab’ so Sehnsucht,
ich träum’ so oft,
einst wird das Glück mir nah sein.
Ich hab’ so Sehnsucht,
ich hab’ gehofft,
bald wird die Stunde da sein.
Tage und Nächte wart’ ich darauf,
ich geb’ die Hoffnung niemals auf:
Irgendwo auf der Welt, gibt’s ein kleines bisschen Glück,
und ich träum’ davon in jedem Augenblick.
Irgendwo…

“Ich geb`die Hoffnung niemals auf”: Ein geniales Lied und stimmlich perfekt vorgetragen von den Mitgliedern der Comedian Harmonists Robert Biberti, Erich A. Collin, Erwin Bootz, Roman Cycowski, Harry Frommermann und Ari Leschnikov. Wer versteht die Botschaft dieser Zeilen nicht, die Sehnsucht nach Glück, Liebe und Selbstverwirklichung?

Das Lied “Irgendwo auf der Welt” ist eine Filmmusik des deutschen Komponisten Werner R. Heymann von 1932 und gehörte bis 1935 zum Stammrepertoire der Berliner Comedian Harmonists. Die Reichsmusikkammer Nazideutschlands verfügte im Februar des gleichen Jahres ein Berufsverbot für die drei jüdischen Gruppenmitglieder Erich Collin, Roman Cycowski und Harry Frommermann. Diese emigrierten nach Österreich. Aus dem berühmten Sextett gingen zwei unabhängig agierende Gesangsgruppen (Meistersextett/Deutschland und Comedy Harmonists/Wien) hervor. Beide Gesangsgruppen lösten sich 1941 auf.

1976 zeigt der NDR einen 2-teiligen Dokumentarfilm (Regie: Eberhard Fechner) über das Wirken und den Niedergang der Comedian Harmonists. Jeden einzelnen der damaligen Gruppe, seine Herkunft, seinen Charakter und seine Persönlichkeit. Ergreifend -und wie ich meine- absolut sehenswert:

(v.k.)

Unterwegs im Osterzgebirge (5)

Nach Tour4 hier die Bilder und Impressionen einer weiteren Erzgebirgs-Rundwanderung. Dazu in unserem Gepäck: Die Anregungen aus dem “Sächsischen Wanderkalender 2020“. 


30.05.2020

Rundwanderung von Grünthal um die Stadt Olbernhau und durch die Wälder des Rungstock-Tals (Streckenlänge/Wanderzeit: 18.8km/6h)

“Der Ort Olbernhau befindet im Herzen des Erzgebirges, eingebettet im Tal der Flöha und seinen sechs Nebenflüssen. Auf einer mittleren Talsohle von ca. 450m und den Höhenlagen bis zu 600m über NN finden Sie eine kleine quirlige Stadt. Die Stadt “Albernaw” entstand im frühen 14. Jahrhundert, aus dem Jahr 1511 stammt der älteste Nachweis bergbaulicher Tätigkeiten. Olbernhau wird im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden schwer verwüstet. Mehr als drei Mal wütet die Pest in diesem Ort. Am 12. und 13. August 2002 verwüstet das schlimmste Flöha-Hochwasser der Geschichte den Flusslauf zu beiden Seiten und Teile des Ortes. Heute leben hier 12.500 Einwohner. Neben dem Stadtkern mit Marktplatz, Stadtkirche und Einkaufsstraße gibt es ein kleines Theater, das Schloß Pfaffroda, verschiedene Museen und die historische Saigerhütte in Grünthal. In dieser ehemals in sich geschlossenen Industriegemeinde mit Anfängen eines Sozialsystems sind heute 22 historische Fachwerkbauten erhalten, umgeben von einer fast vollständigen wehrhaften Mauer mit Toren und Türen. Der Besucher erhält einen Einblick in die alte Technik der Hammerwerke. Weiterhin die Arbeitsstätten zum Schmelzprozess des Saigerns, die Geschichte und die historisch-soziale Struktur dieses Jahrhunderte alten metallurgischen Betriebes.” (editiert aus: Tourist-Informationen des Hotels Saigerhütte in Grünthal)

Mit einer Steckenlänge von ca. 19km und einem Höhenunterschied von ca. 380m zählt die Rundtour zu den mittelmäßig- schwierigen Wanderungen. Unsere Variante startet in Grünthal. Sie führt im Norden um die Stadt Olbernhau herum, quert den weiten Talkessel der Flöha, verläuft durch das dunkle Rungstock-Tal bis hin zur ehemaligen Pulvermühle und endet schließlich auf dem Erzgebirge/Vogtland-Trail am Ausgangspunkt:


Im Denkmalskomplex der Saigerhütte Olbernhau-Grünthal. In der Hütte wurde in einem mehrstufigen Schmelzprozess Silber aus dem abgebauten Schwarzkupfer abgeschieden. Das Silber ging an die Münze und das feine Raffinade-Kupfer als Dachhaut auf über 400 Profan- und Sakralbauten in ganz Europa.

Das Areal der Saigerhütte stammt noch aus dem Jahr 1537 und ist seit 2019 wesentlicher Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes “Montanregion Erzgebirge/Krushnohori”

Der Weg ist das Ziel: Er beginnt für uns am Hüttengrund bzw. der schmucken Kirche oben am Berg von Grünthal….

….führt vorbei an den schmucken Fachwerkhäusern und dem Drechsel-Zentrum von Olbernhau…

…quert das breite Flöha-Tal mit ausgedehnten, üppigen Rapsfeldern an seinen Hängen…

…und nimmt sein Ende weit hinter der Pulvermühle, die gut versteckt im Mischwald neben dem Erzgebirgstrail ihr Dasein fristet.

In der 1815 durch Johann Gottlieb Haubold gegründeten Pulvermühle zwischen Heide- und Königsweg wurde in großem Maßstab Schwarzpulver produziert. Insbesondere für Bergwerke, Armee und das Forstwesen. Bei der Produktion kam es nachweislich zu mehreren heftigen Explosionen (1835 und 1865) , wobei die Produktionsstätten stets große Beschädigungen erlitten. Nach Erfindung des Dynamits wurde die Produktion 1866 eingestellt.

  • Tourenvorschlag aus: “Begleitheft für den sächsischen Wanderkalender 2020”

(v.k.)

Unterwegs im Osterzgebirge (4)

Nach Tour3 hier die Bilder und Impressionen einer weiteren Erzgebirgs-Rundwanderung. Dazu in unserem Gepäck: Die Anregungen aus dem “Sächsischen Wanderkalender 2020“. 


15.05.2020

Rundwanderung um die Talsperre Klingenberg (Streckenlänge/Wanderzeit: 9.9km/2.5h)

Still ruht der Stausee…

Die Verbundtalsperren an der Wilden Weißeritz: Klingenberg und Lehnmühle

“Die Trinkwassertalsperre Klingenberg im Erzgebirge ist ein frühes Meisterwerk des berühmten Architekten Hans Poelzig. Sie wurde zwischen 1908 und 1914 gebaut. Ursprünglich hieß sie Friedrich-August-Talsperre und war somit dem letzten sächsischen König gewidmet. Heute steht die gekrümmte Staumauer aus Bruchsteinen unter Denkmalschutz. Die Talsperre Klingenberg versorgt im Verbund mit den Talsperren Lehnmühle, Rauschenbach und Lichtenberg den gesamten Weißeritzkreis, die Stadt Freital und 60 Prozent der Stadt Dresden mit Trinkwasser.

Fast 100 Jahre lang war die Stauanlage ununterbrochen in Betrieb. Von 2005 bis 2013 wurde die Talsperre Klingenberg in einem der größten Bauvorhaben der Landestalsperrenverwaltung saniert. Im September 2013 fand die feierliche Wiedereinweihung statt.

Die alte Vorsperre Klingenberg ist beim Hochwasser 2002 stark beschädigt und zunächst provisorisch wieder errichtet worden. Mit dem Beginn der Sanierung der Talsperre Klingenberg entstand zwischen 2006 und 2008 eine neue Vorsperre. Oberhalb der Vorsperre wurde eine neue Wildholzsperre errichtet”. (aus: Informationen der Landestalsperrenverwaltung  des Freistaates Sachsen; Staumeisterei Weißeritz)

Mit einer Steckenlänge von ca. 10km und einem Höhenunterschied unter 50m zählt die Rundtour zu den leichten Wanderungen. Unsere Variante startet an der Vorsperre im Süden, dem Einlauf der Wilden Weißeritz. Sie führt an der östlichen Gewässerseite entlang und endet nach Überquerung der Staumauer und dem westseitigen Rückweg wieder am gleichen Punkt:


An der 2008 neu errichteten Vorsperre

An der Talsperre Klingenberg: Die Staumauer aus Bruchsteinen ist 310m lang und 34m hoch. Sie begrenzt einen Stauraum von 17 Mio qm und steht heute unter Denkmalschutz

Mehr als machbar: Beide Uferwege zwischen Staumauer (Mitte) und Vorsperre (unten)  sind nicht länger als 5km

Im naturbelassenen Tal der Wilden Weißeritz. Der Fluß entspringt übrigens auf dem tschechischen Erzgebirgskamm bei Nove Mesto, legt auf seinem Weg bis zum Zusammenfluß mit der Roten Weißeritz bei Freital eine Strecke von 53km zurück und überwindet dabei ein Gefälle von rund 650m…

Wenn man der Weißeritz ab hier stromaufwärts weiter folgt, schließt sich nach ca. 4 Stunden Wanderung die Talsperre Lehnmühle an. Sie wird in engem Verbund mit der Talsperre Klingenberg bewirtschaftet und dient als Hochwasserschutz und als deren Auffüllspeicher (Talsperrensystem). Doch das ist schon wieder eine andere Tour…

 

Vita und technische Daten

  • Tourenvorschlag aus: “Begleitheft für den sächsischen Wanderkalender 2020”

(v.k.)