Archiv der Kategorie: Wegbegleiter

“Das Leben, das ich selbst gewählt”…

…denn ungeboren, hab ich es bejaht…

Auch wenn ich lange darüber nachdenke: Ich bin mir nicht sicher, vor meiner Geburt in dieser Weise befragt oder gar zu einer Entscheidung gedrängt worden zu sein…

Egal, “Das Leben, das ich selbst gewählt” ist eines der schönsten und innigsten Gedichte, die ich kenne. Ein Gedicht, das mich bei jedem Lesen immer wieder tief berührt. Das nahe geht, da es unsere menschlichen Stärken und Schwächen aufzeigt. Und das uns darin bestärkt, genau dieses Leben anzunehmen, welches uns gegeben wurde.

Es wird sowohl Hermann Hesse als auch Max Hayek zugeschrieben. Max Hayek ( 1882-1944) soll es im Jahre 1906 erstmalig veröffentlicht haben. Er war ein deutsch-jüdischer Dichter, Journalist und Herausgeber, der 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

(v.k.)

Abstände

Im April, 2020

Unsere Urlaubsreise in das Dilemma der CORONA-Pandemie habe ich bereits auf unserer Reise-Seite beschrieben. Seitdem hält das Leben im Shut down-Modus der Nicht-Normalität an. Inmitten von massiven Einschränkungen, die nicht nur unsere sozialen Bindungen zu zerreißen scheinen, sind verläßliche Fixpunkte geradezu ein Volltreffer. Doch diese sind rar, Prognosen zu den nächsten Wochen sind aktuell schwer zu ertragen und auch schwer zu beeinflussen. Die wundervollen Einschränkungen, die kluge Köpfe ausgetüftelt haben, bedeuten üble Konsequenzen, unter denen wir womöglich noch lange zu leiden haben. Uns bleiben neben den extremen Grundrechtsbeschränkungen nur Abstand, Hygiene und stoische Disziplin. Und das Vertrauen in ein gutes Gesundheitssystem, um das uns die ganze Welt beneidet.

Auch wenn die gesundheitspolitische Dramaturgie die Wende aus dem labilen Gleichgewicht hinbekommt: Die Gesellschaften dieser Welt stehen absehbar vor riesigen Problemen einschließlich schwerer wirtschaftlicher Rezensionen. Die letztendlichen Dimensionen der Seuche und ihre Auswirkungen auf das zukünfige Leben sind gegenwärtig nicht abschätzbar.

Bankenkrise 2008, Flüchtlingskrise 2015, nun ist unsere Gesellschaft mit dem COVID-19 Killervirus gehörig durcheinandergeraten. Dabei macht das Leben schon immer, was es will. Doch bei aller Angst, Unsicherheit und Aufgeregtheit: Wir dürfen diesem Leben eine Weile zusehen, mehr aber auch nicht…

(v.k.)

Die Seele baumeln lassen…

“Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet” (Adalbert Stifter)

Wegbegleitung

Es ist wie seit Jahren. Und doch kehren wir immer wieder dorthin zurück. Denn für mich gibt es kaum Schöneres als:

Dorthin ZURÜCKKEHREN, wo die hohen Bergrücken von Böhmerwald und Bayerischem Wald liegen: Der Haidel am Goldenen Steig, der sagenumwobene Dreisesselberg und der bayerische und böhmische Plöckenstein. Zurückkehren in das größte zusammenhängende Waldgebirge Europas, wo sich die Natur auf großer Fläche nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln darf. Zurückkehren in die Nationalparks dieser Region, wo seltene Tiere wie Luchs, Auerhahn oder Habichtskauz Rückzugsräume finden, die es sonst kaum noch in Deutschland gibt.

EINTAUCHEN In die Romantik alter Säumerpfade zwischen Böhmen und Bayern und der fast vergessenen, weil verlassenen Dörfer im Grenzgebiet. Staunen über die Ingenieurleistungen beim Bau der ehemaligen Holztreidel-Kanäle und des Schwarzenberger Schwemmkanals. Erbaut nach den genialen Plänen des Forstingenieurs Josef Rosenauer wurde über diesen Kanal Holz aus dem Böhmerwald bis zur Donau und von dort bis Wien und Budapest  transportiert…

ZURÜCKKEHREN in das Quellgebiet der kalten Moldau bei Haidmühle und zur Quelle der warmen Moldau bei Kvilda. Zum tschechischen Bärenpfad und natürlich zum Lipno-Stausee, unter dessen Wasserspiegel früher die Flußwindungen der Moldau das berühmte Moldauherz geformt hatten:

Wegbegleitung

Heute vom Stausee verschlungen: Das sagenumwobene Moldauherz- eines der schönsten Mäander der Moldau bei Oberplan

VERWEILEN in der Böhmerwaldkapelle am österreichischen Sulzberg, einer viel besuchten Gedenkstätte für die verlorene Heimat vieler Böhmerwäldler nach dem 2. Weltkrieg. Auch Verweilen am benachbarten Moldaublick bei Schöneben mit (Turm-) Sicht auf das wellige, südböhmische Land im Norden: Mit Sicht auf die gegenüberliegenden Höhenrücken und das silberne Band des Moldau-Stausees. Mit Sicht auf die Ortschaften Neuhofen (Nova Pec), Schwarzbach (Cerna Posumavi) oder Friedberg (Frymburk)… Und mit Sicht auf Oberplan (Horny Plana), dem Geburtsort des berühmten Böhmerwalddichters Adalbert Stifter.

HINAUFSTEIGEN zum Hochkamm der Dreiecksmark, wo die Ländergrenzen von Südböhmen, Oberösterreich und Bayern zusammenstoßen. Bergan wandern, bis der Wald lichter wird, die riesigen Granitböcke des Steinernen Meeres auftauchen und endlich das heut fast baumlose Grenzplateau erreicht ist. Ob In Richtung Westen zum Dreisesselberg oder ostwärts zu den Erhebungen von Plöckenstein, Hochficht oder Bärenstein: Wohin das Auge schaut, schimmern die bläulichen Waldrücken der Sumava…

INNEHALTEN am Stifterdenkmal, einem mehr als 15 m hohen Granitobelisken auf der “Seewand” oberhalb des Plöckensteiner Sees. In über 1000m Höhe gelegen und in steil abfallenden Wäldern versteckt, birgt dieser dunkle Bergsee noch heute ungezählte Geheimnisse. Geheimnisse aus der Sagen und Märchenwelt dieser Region, die sich in vielen Erzählungen aus Stifters Feder wiederfinden…

Wegbegleitung

Der Plöckensteiner See mit Seewand…

Adalbert Stifter

…und Stifter-Denkmal

 

 

 

 

 

 

 

HINABSTEIGEN zu den bayerischen Lackenhäusern in Grenznähe zum österreichischen Schwarzenberg. Hin zum Rosenberger Gut, in dem viele von Adalbert Stifters Romanen entstanden sind. Und Erzählungen, welche die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Landschaft beschreiben (“Der Hochwald”, “Aus dem bayerischen Wald”, “Der Waldbrunnen”).

Goldener Steig, Dreisesselberg, Steinernes Meer, Plöckenstein, Hochficht und Schöneben -alles Zauberworte einer Welt, deren Schönheit und Mystik man sich kaum entziehen kann. Für uns willkommener Rückzugsort und ein Gesundbrunnen, aus dem wir jedes Jahr Besinnung und neue Kraft schöpfen. Gerade im Winter. Denn: Außerhalb der Nationalparks sind über 300km markierte Wanderwege, rund 200km Radwege und im Winter 80km gespurte Loipen, einschließlich der Bayerwaldloipe ausgewiesen. Hinzu kommen die über 1000m hochgelegenen und schneesicheren  Abfahrtspisten im Bayerischen Mitterfirmiansreuth und am österreichischen Hochficht… Unbeschreiblich, den Schneezauber dieser Jahreszeit zu erleben. Oder das Kläffen und Zerren der Huskys in ihren Geschirren bei internationalen Schlittenhunderennen in den Wäldern von Haidmühle zu beobachten. Oder der kalten Moldau bei frostigen Temperaturen auf ihrem länderübergreifenden Weg in die dunklen Täler des Sumava zu folgen…

Bayerischer Wald

Schnee und Eis am Dreisesselberg

Für mich gehört dieses Gebiet in der heutigen Grenzregion zu Tschechien zu den schönsten, die ich kenne. Vor mehr als 25 Jahren noch durch den Eisernen Vorhang getrennt, war es lange Zeit nur im östlichen Teil des Böhmerwaldes für uns mehr erahnbar als wirklich erlebbar. Und auch dies mit Hindernissen und Einschränkungen, die glücklicherweise nun Vergangenheit sind.

Alle Jahreszeiten im Böhmerwald/Bayerischen Wald sind einzigartig, wie der nachfolgende Imagefilm zeigt. Ein Grund, dieser Landschaft und seinen beiden Nationalparks so oft als möglich unseren Respekt und unsere Reverenz zu erweisen.

images:  commons.wikimedia.org und de.wikipedia.org

(v.k.)

Der tiefe Schlaf der Natur…

Im Januar, 2017

Tiefer Schlaf

Die Natur in tiefem Schlaf:

Mit ein wenig Fantasie erweckt das Foto den Anschein, als verbeugen sich Baum und Strauch tief und demütig vor einer Welt aus Schnee und Eis. Voller Anmut ist Ihre Verbeugung und nichts scheint diesen Moment zu stören. Eine weiße Welt, versunken und in sich gekehrt wie in tiefem, kindlichem Schlaf.

Das Bild strahlt auf mich eine so tiefe Ruhe und Andacht aus, daß man meint, es nur wortlos und mit großer Zurückhaltung ansehen zu dürfen, um seine Stille und Harmonie nicht zu stören. Eine Momentaufnahme der Natur in ihrer ganzen Zerbrechlichkeit und Fragilität…

(vk)

Welkes Blatt: Von Werden und Vergänglichkeit

Welkes Blatt…

Jede Blüte will zur Frucht, jeder Morgen Abend werden, Ewiges ist nicht auf Erden als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will einmal Herbst und Welke spüren. Halte, Blatt, geduldig still, wenn der Wind dich will entführen. 

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht, lass es still geschehen. Lass vom Winde, der dich bricht, dich nach Hause wehen.

Hermann Hesse 

(v.k.)