Die Diskussionen in unserer Gesellschaft werden zunehmend laut und schrill. Man hört sich nicht mehr zu, die Standpunkte des anderen gehen auch im Getöse verblendeter Schreihälse, omnipräsenter Wichtigheimer und in Dauertalkshows unter. Dabei gibt es genug Probleme und Gründe, kritisch zu sein: Unzählige menschengemachte Zustände auf unserem Globus sind so bizarr und verstörend, daß man an ihnen verzweifeln kann. Besser als das Verzweifeln ist sicher das Benennen, Analysieren und Einordnen. Öffentlich oder eben auch über diese Plattform…
„Die Welt ist im Wandel: Ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der Erde, ich rieche es in der Luft. Vieles was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.
Alles begann mit dem Schmieden der großen Ringe. Drei wurden den Elben gegeben; unsterblich und die weisesten und reinsten aller Lebewesen. Sieben den Zwergenherrschern, großen Bergleuten und geschickten Handwerkern in ihren Hallen aus Stein. Und neun, neun Ringe wurden den Menschen geschenkt, die vor allem anderen nach Macht streben. Denn diese Ringe bargen die Stärke und den Willen, jedes Volk zu leiten.
Doch sie wurden alle betrogen. Denn es wurde noch ein Ring gefertigt. Im Lande Mordor, im Feuer des Schicksalsberges, schmiedete der dunkle Herrscher Sauron heimlich einen Meisterring, um alle anderen zu beherrschen. In diesen Ring floss seine Grausamkeit, seine Bosheit und sein Wille, alles Leben zu unterdrücken. Ein Ring sie zu knechten…“ (1)
Der Reihe nach fielen die freien Länder Mittelerdes unter die
Herrschaft des Ringes. Doch einige leisteten Widerstand:
Ein letztes Bündnis von Elben und Menschen zog in die Schlacht
gegen Mordor und kämpfte an den Hängen des Schicksalsberges
für die Freiheit Mittelerdes.
Der Sieg war nah. Doch die Macht des Ringes konnte nicht gebrochen werden. Und es geschah in jenem Moment als es keine Hoffnung mehr gab, dass Isildur, des Königs Sohn, seines Vaters Schwert ergriff …
Sauron, der Feind der freien Völker Mittelerdes war besiegt. Der Ring ging an Isildur, der nun die Gelegenheit hatte, das Böse für immer zu vernichten. Doch die Herzen der Menschen sind leicht zu verführen. Und der Ring der Macht hat einen eigenen Willen. Er verriet Isildur und brachte ihm den Tod.
Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. Geschichte wurde Legende, Legende wurde Mythos. Und zweieinhalbtausend Jahre lang wusste niemand mehr um den Ring. Bis er sich eines Tages einen neuen Träger suchte. Der Ring geriet dem Geschöpf Gollum in die Hände, der ihn tief hinein in das Nebelgebirge trug. Und dort verfiel er dem Ring. Der Ring verlieh Gollum ein
unnatürlich langes Leben. Fünfhundert Jahre vergiftete er dessen
Verstand. Und in der Finsternis von Gollums Höhle wartete er. Dunkelheit legte sich über den Wald der Welt. Gerüchte wurden
laut über einen Schatten im Osten, ein namenloses Grauen ginge um.
Und der Ring der Macht spürte, dass seine Zeit gekommen war.
Er verließ Gollum. Doch dann geschah etwas, das der Ring nicht
beabsichtigt hatte. Er wurde von dem unwahrscheinlichsten
Geschöpf gefunden, das man sich vorstellen kann: von einem Hobbit,
Bilbo Beutlin ausdem Auenland.
Und bald wird eine Zeit kommen, da die Hobbits das Schicksal aller bestimmen …
J.R.R.Tolkien (1954/1955)
(1) Intro zu: Der Herr der Ringe-Teil1 (Die Gefährten)
-Synchronsprecherin der Galadriel (Cate Blanchet): Dörte Lyssewski
DER SALZPFAD ist die Geschichte des Ehepaars Raynor Winn (Gillian Anderson) und Moth Winn (Jason Isaacs) und ihrer Wanderung über den South West Coast Path. Den längsten ununterbrochenen Wanderweg von Minehead nach Poole entlang der atemberaubenden Küste von Cornwall im Südwesten Englands.
Der Grund: Das Paar erhält eine schlechte gesundheitliche Diagnose und wird obdachlos: Durch eine dubiose Investition sind Haus und Hof verloren, sie stehen vor dem finanziellen Ruin. Bei Moth wurde zudem die niederschmetternde Diagnose einer unheilbaren Nervenerkrankung diagnostiziert. Von Obdachlosigkeit und Krankheit gezeichnet, fassen beide den verzweifelten Entschluss, zu wandern. Dies in der Hoffnung, ihr existenzbedrohendes Desaster ausblenden zu können und in der Natur Trost und ein Gefühl der Akzeptanz zu finden. Nur mit einem Zelt und ein paar lebensnotwendigen Dingen ist jeder Schritt auf dem Weg ein Zeugnis ihrer wachsenden Stärke und Entschlossenheit.
DER SALZPFAD ist eine Reise, die gleichermaßen erheiternd, herausfordernd und befreiend ist. Der Film basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Bestseller von Raynor Winn.
„Der Salzpfad ist ein echtes Highlight. Eine Literaturadaption mit Tiefgang, Naturpoesie und Würde. Diese Tour de force ist beglückend und lebensverändernd. Ein fordernder und emotionaler Film mit tollen Darstellern, der weh tut und Mut macht“. (1)
„Floria arbeitet mit großer Leidenschaft und Professionalität als Pflegefachkraft in der Chirurgie eines Schweizer Krankenhauses. Bei ihr sitzt jeder Handgriff, sie hat selbst in Stresssituationen immer ein offenes Ohr für ihre Patient:innen und ist im Notfall sofort zur Stelle – idealerweise. Doch in der harten Realität ihres oft schwer kalkulierbaren Alltags sieht das meist anders aus. Als Floria an diesem Tag ihre Spätschicht antritt, fällt auf der voll belegten, unterbesetzten Station eine Kollegin aus. Trotz aller Hektik umsorgt Floria eine schwerkranke Mutter und einen alten Mann, der dringend auf seine Diagnose wartet, ebenso fürsorglich und routiniert wie den Privatpatienten mit all seinen Extrawünschen. Aber dann passiert ihr ein verhängnisvoller Fehler, und die Schicht droht, völlig aus dem Ruder zu laufen. Ein nervenzehrender Wettlauf gegen die Zeit beginnt …
Regisseurin Petra Volpe (»Die Göttliche Ordnung«) greift mit »Heldin« ein brandaktuelles Thema auf. Laut der WHO ist der weltweite Mangel an Pflegekräften ein globales Gesundheitsrisiko. In Deutschland könnten nach Angaben des Statistischen Bundesamts bis 2029 rund 260.000 Pflegende fehlen. Der Film ist zugleich eine respektvolle Hommage an alle Pflegekräfte sowie ein packendes Plädoyer für mehr Menschlichkeit und soziales Engagement. Er zeigt nicht zuletzt, wie essenziell eine gute Betreuung im Krankheitsfall für uns alle ist. Hauptdarstellerin Leonie Benesch (»Das Lehrerzimmer«, »September 5«) beeindruckt mit ihrer kraftvollen und fesselnden Darstellung, die das Kinopublikum atemlos lässt und uns noch lange nach Filmende begleitet“. (1)
Der Film »Heldin« ist eine Referenz an alle Pflegekräfte und ein packendes Plädoyer für mehr Menschlichkeit und soziales Engagement. Ein Film, der mit seiner Intensität und Glaubwürdigkeit unter die Haut geht. Und ein Film, dessen Drehbuch für uns- bzw. für viele von uns- in absehbarer Zeit schonungslose Realität sein wird.
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht…“
Gedanken und Reflexionen über deutsche Befindlichkeiten in der Wahlnacht 2025, geäußert von der RBB-Senderbeauftragten, Moderatorin und Buchherausgeberin, Frau Barbara Wormit. Eine kritische und doch optimistische Analyse, voller Hoffnung und Zuversicht auf die Zukunft unseres Landes. Und der ich mich hiermit ausdrücklich anschließen möchte.
Denn: „Heute ist ein neuer Tag, mache dieses Land wieder zu einem Zuhause für alle…“
Quelle:
(1): Barbara Manterfeld-Wormit: „Nachtgedanken“, Deutschlandfunk-Podcast vom 24.02.2025
Unsere Griechenlandreise 2024 liegt bereits ein knappes Vierteljahr zurück. Damals für uns besonders beeindruckend: Die historischen Ausgrabungungen von Athen, Mykene, Olympia und Delphi mit ihren weltbekannten Funden und Artefakten.
Die im örtlichen Museum von Olympia gezeigten Ausstellungsstücke sind auch in deutscher Sprache beschriftet, die im Delphi-Museum dagegen in französischer. Viele andere lagern jedoch nicht einmal in der Nähe ihrer ursprünglichen Fundorte, sondern im Ausland. Speziell in französischen, englischen oder deutschen Museen wie dem Pariser Louvre, dem Londoner British-Museum oder dem Berliner Pergamon-Musum. Wie kann das sein?
Vor den Bergen des griechischen Parnass: Die Reste des historischen Apollon-Tempels von Delphi
Das Schicksal der griechischen Ausgrabungsfunde steht stellvertretend für viele Grabungen, die im wesentlichen am Ende des 19, Jahrhunderts auch in der Türkei, in Ägypten oder im Zweistromland durchgeführt worden sind. Dies wirft die Frage nach den Motiven der Archäologen auf, die ab Ende des 19. Jahrhunderts als Wissenschaftler oder Ausgräber längst vergangene Kulturen wieder auferstehen ließen.
Konkreter: Wie ist die Suche nach den alten Kulturen konkret abgelaufen? Wer überhaupt konnte im Ausland Ausgrabungen durchführen bzw. erhielt entsprechende Konzessionen? Wie waren die Regeln und wer bestimmte sie? Wem gehörten die gefundenen Schätze und- wie wurden sie geteilt?
Die Antwort aufdiese Fragen liefert ein Buch (1), das insbesondere die Rolle der deutschen (!) Archäologie-Pioniere im Auftrage des dtsch. Kaiserreichs, sowie der Berliner Museen und der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG) in erstaunlicher Weise beleuchtet. Insbesondere in den Ländern und Provinzen des wirtschaftlich mit Deutschland verbundenen Osmanischen Reichs, welches gegen Ende des 19.Jahrhunderts politisch im Niedergang begriffen war (und zu denen bekanntermaßen auch das heutige Griechenland und die Türkei zählten). Unter Ausnutzung von dessen Abhängigkeit und mit dem Recht des Stärkeren wurden unzählige antike Objekte über Jahrzehnte hinweg durch politische Erpressung, einseitige Vorteilsnahme, Geheimabkommen, Bestechung, kriminelle Energien und Raub illegal aus den Ausgrabungsgebieten nach Deutschland verbracht. Tatsachen, die über intensive Archiv-Recherchen der Buchautoren nunmehr an das Licht der Öffentlichkeit gelangen.
Die Gebiete des Osmanischen Reiches zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 17.Jhd.
So waren Insbesondere an der türkischen Ägäis-Küste zwischen 1871-1904 drei bekannte Archäologen und Ausgräber im Auftrag des deutschen Reiches auf Beutezug:
Heinrich Schliemann von 1871-1876 in Troja und Mykene
der deutsche Bauingenieur Carl Human von 1878-1879 in Pergamonund
Theodor Wiegand von 1855-1904 in Priene, Milet und Didyma
Auch an den von uns besuchten Ausgrabungsorten in Griechenland (s.o.) wurden parallel und etwa zur gleichen Zeit systematische Untersuchungen, Vermessungen und Ausgrabungen durch deutsche Expeditionen durchgeführt. Hier insbesondere
(und im Anschluß an eilige Grabungen durch französische Historiker und Archäologen im Jahre 1829) durch den deutschen Archäologen und Althistoriker Ernst Curtius sowie den Architekten Wilhelm Dörpfeld ab 1875 in Olympia. Seit dieser Zeit gibt es in Olympia ein exklusives Grabungsrecht zwischen dem deutschen Archäologischen Institut und der Griechischen Museumsbehörde
in Nachfolge des britischen Adligen, Sammlers und Kunsträubers par excellence Lord Elgin (ab 1802) durch den deutschen Geschäftsmann und Amateurarchäologen Heinrich Schliemann ab 1876 in Mykene
Weiter östlich, im antiken Mesopotamien des heutigen Irak, wurden die Grabungen
zwischen 1899-1917 durch den Architekten und Baukundler Robert Koldeway in Babylonund zwischen 1905-1913 durch den Archäologen Walter Andrae in Assur geleitet
Im mittleren Ägypten war neben vielen anderen
der leidenschaftliche Ägyptologe Ludwig Borchardt unterwegs, der im Jahre 1912 die Grabungskonzession für die Gebiete um Theben und Amarna erhalten hatte
Diese Liste ist nicht vollständig, dafür jedoch die Tatsache, daß unermessliche Schätze und weltbekannte Funde aus diesen Grabungsgebieten heut im Besitz großer deutscher Museen in Berlin bzw. des Puschkin-Museums in Moskau (Priamos-Schatz) sind. Dazu zählen insbesondere der Goldschatz des Priamos, der Pergamonaltar, das Markttor von Milet, das Ischtar-Tor, die Babylonische Prozessionsstraße, die Büste der Nofretete u.v.a.m.). In diesem Kontext sicher nicht uninteressant: Schon in seinem Buch „Ilios, Stadt und Land der Trojaner“ hatte Heinrich Schliemann den illegalen Schmuggel von mehr als 8.000 Kleinfunden nach Deutschland zugegeben, eine Zahl, die nachweisbar um ein Vielfaches höher liegt. Das 1873/1874 durch die damalige türkische Regierung angestrengte Klageverfahren gegen ihn war übrigens der erste Restitutionprozess in der neueren Geschichte…
Antike Ausgrabungsstücke nicht im europäischen Ausland, sondern am Ort ihres Fundes- hier im mordernen Archäologischen Museum von Delphi: Der Wagenlenker von Delphi (links), Goldschmuck und dazwischen der marmorne Omphalos. Er verkörpert als Schlußstein aus dem Heiligtum des Apollon den „Nabel der Welt “ und soll der Sage nach als Meteor vom Himmel gefallen sein soll (Mitte). Rechts: Statue des Biton, Sohn der Hera-Pristerin Kydippe
Wem gehören die im ehemaligen Osmanischen Reich ausgegrabenen und bis dato in den europäischen Museen ausgestellten Schätze der Antike nun wirklich? Ist ihr Aufenthaltsort dort legal oder nur temporär? War es „Rettung“ vor der Zerstörung- so die Argumentation damaliger Schatzsucher- oder Kunstraub? Wie sind die o.g. Tatsachen heut zu bewerten?
Die trickreiche Verschleierung von Grabungsfunden und der Abtransport der Kunstschätze mit den dazu angewandten fragwürdigen Praktiken bewegen sich aus heutiger Sicht nicht nur am Rande der Legalität, sie sind m.E. skandalös und auch völkerrechtlich inakzeptabel. Die in den deutschen Museen (siehe Pergamonmuseum: Antikensammlung, Vorderasiatisches Museum und Ägyptische Sammlung) zurückgehaltene Raubkunst befeuert aktuell und völlig zu Recht die Diskussion um ihre Restitution, also die Rückgabe der gestohlenen Kulturgüter.
Nach dem Vorwurf an unseren Bundespräsidenten, als Kanzleramtschef und späterer deutscher Außenminister mitverantwortlich zu sein für eine verfehlte Rußlandpolitik, nach seiner öffentlichen Ausladung im April 2022 durch Kiew wegen des Festhaltens am Nord-Stream-Projekt bzw. seiner „Realpolitik“ zum damaligen Putin-Regime und schließlich nach der Absage einer geplanten Diskussionsrunde zum Nahost-Krieg im Mai dieses Jahres wegen eklatanter Vorbereitungsfehler (1) steht nunmehr eine weitere Querele im Schloß Bellevue an, die dem Hausherren im Berliner Ortsteil Tiergarten kaum in den Kram passen dürfte.
Die Kritiken und Vorwürfe des Schriftstellers und Publizisten Marko Martin im Rahmen seiner Rede im Schloß Bellevue zum Thema „35 Jahre Friedliche Revolution“ gegen Frank-Walter Steinmeier wiegen schwer. Es geht um dessen politische Fehleinschätzungen, die bis dato fehlende Aufarbeitung der deutschen Rußlandpolitik, seine offensichtliche Kritikresistenz oder die versuchten Rehabilitierungen von Gerhard Schröder (Steinmeier war von 1993-1994 Büroleiter des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder). Die Rede ist auch von der Unwilligkeit des Bundespräsidenten, eigene Fehler und Fehleinschätzungen jenseits rhetorischer Bußübungen wirklich zu benennen, von dessen pastoraler Nachdenklichkeit, von Empathiemangel, Fassade und pflichtschuldigen Floskeln. Steinmeier, der sich 2022 für eine zweite 5-jährige Amtszeit als Bundespräsident selbst ins Gespräch gebracht hatte, hat über diese Kritik offenbar seine Contenance verloren und spricht nun von Diffamierung.
Nur ein Ausrutscher? Wir sind vor kurzem von einer Reise nach Griechenland, dem Ursprungsland der Demokratie, zurückgekehrt. Wobei uns nicht erst seit dieser Reise bekannt ist, daß jedes auf dem Prinzip der Volkssouveränität beruhende politische System auch von der sachlichen, konstruktiven Kritik lebt. Und mit dieser sollte auch ein deutscher Bundespräsident umgehen können. Ansonsten ist das Schloß Bellevue auch für Herrn Steinmeier, der sich dort offenbar gut eingerichtet hat, nur eine temporäre Bleibe. Mich persönlich interessieren Personen sowieso mehr, die nicht nur schöne und gestelzte Sonntagsreden halten, sondern leben, was sie sagen und denken.
Details zu diesem Eklat sind im Interview des Schriftstellers Marko Martin bei T-Online (2) und und der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 8.11.2024 nachzulesen:
„Eine kritische Rede des Schriftstellers Marko Martin im Schloss Bellevue und die Reaktion von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier darauf sorgen für Wirbel. Martin hatte bei einer Veranstaltung zum 35-jährigen Jubiläum des Mauerfalls am Donnerstagabend unter anderem Steinmeiers Haltung gegenüber Russland und Kreml-Chef Wladimir Putin in seiner Zeit als deutscher Außenminister angeprangert. Darauf reagierte Steinmeier laut Martin beim Empfang nach der Veranstaltung mit einem Wutausbruch.
„Er ist angerauscht gekommen, um mir qua seines Amtes die Leviten zu lesen“, sagte Martin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Steinmeier habe ihn gefragt, ob es ihm Freude mache, Politiker zu diffamieren. Die Sprecherin des Bundespräsidenten erklärte dazu auf Anfrage, Steinmeier habe mit Martin bei dem Empfang „kontrovers, aber sachlich über seine Rede diskutiert“.
Martin warf Steinmeier in seiner Rede unter anderem das Festhalten am Projekt der Erdgaspipeline Nord Stream 2 vor: Dieses sei nur insofern “eine Brücke“ gewesen, “als dass es Putin in seinen Aggressionen zusätzlich ermutigte, und zwar in seinem Kalkül, dass die Deutschen, ansonsten Weltmeister im Moralisieren, das lukrative Geschäft schon nicht sausen lassen würden, Ukraine hin oder her“.
Der Schriftsteller sagte der dpa: „Wir haben einen Bundespräsidenten, der sich dieser Debatteverweigert, der Debatte über die deutsche Mitverantwortung für Putins Aggressionen.“
„Das Bundespräsidialamt ist zu der Einschätzung gekommen, daß der für den 2. Mai geplante Runde Tisch zum Krieg in Nahost in der aktuellen angespannten Lage dem Ziel, den gesellschaftlichen Frieden zu stärken, nicht dient.“
In welchem Kontext steht diese trockene und lapidare Ferststellung?
Seit dem mörderischen Angriff der Hamas auf Israel und der prompten, jedoch völkerrechtswidrigen Gegenreaktion des jüdischen Staates gegen die palästinensische Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen, ist mehr als ein halbes Jahr vergangen.
Mittlerweile ist die Israelische Regierung vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, dem wichtigste Rechtssprechungsorgan der Vereinten Nationen, wegen Völkermords angeklagt (1).
Daß sich der IGH mit Macht gegen Israels Verweigerungshaltung in Richtung globaler humanitärer Hilfe für die Bevölkerung Gazas stellt, ist eine deutliche Abfuhr und eine Niederlage für Israel und seine westlichen Unterstützer. Genauso wie die abgewiesenen Versuche der israelischen Vertreter, die Kritik am militärischen Vorgehen in Gaza als Doppelmoral oder bloßen Antisemitismus abzutun.
Zu den Unterstützern des jüdischen Staates, welcher sich aktuell auf der Anklagebank befindet, gehört auch Deutschland. Die Sicherheit Israels gehört seit langem zur deutschen Staatsräson. Zu dem folgerichtigen Schritt, auch Palästina als unabhängiges Land anzuerkennen, wie es bereits 193 Mitgliedsstaaten der UN getan haben, konnte sich Deutschland bisher allerdings nicht durchringen.
Der andauernde Spagat zwischen Staatsräson einerseits und dem politischen Druck, mit diesem Schritt auch dem Palästinenserstaat Recht und Gesetz zu garantieren, tun der deutschen Regierung incl. der USA nicht gut. Und: Man läßt sich von Bibi bereits zu lange auf der Nase herumtanzen. Bekanntermaßen muß sich Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wegen Korruption und Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Weiterhin muß er einen Haftbefehl durch den internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen befürchten (2,3). In einem erstaunlichen Interview spricht der US-Präsident Biden mögliche Motive Netanjahus an, den gegenwärtigen Krieg im Gaza-Streifen in die Länge zu ziehen: Zum einen den gegen ihn anhängigen Korruptionsprozeß (s.o.), zum anderen die Proteste gegen dessen unstrittene Justizreform. Intern soll Biden seinen „persönlichen Freund“ mehrfach als „Arschloch“ bezeichnet haben (8).
Ich meine, damit ist die Gesprächsabsage unter der Schirmherrschaft unseres Staatspräsidenten folgerichtig. Mit o.g. Dauerspagat und einer zu erwartenden halbherzigen Argumentation ist eine geplante Diskussionsrunde zum Krieg in Nahost mehr als fragwürdig. Für mediale Selbstinszenierungen dieser Art ist überdies kein Platz mehr. Insbesondere dann nicht, wenn Menschen täglich in Gaza sterben, verwundet, traumatisiert und vertrieben werden, Hunger leiden und medizinisch nicht versorgt werden.
Ein weiterer Grund und wahrscheinlich der wichtigste für die jüngste Absage: Massive Kritik an der vorgesehenen Besetzung, zu der Maron Mendel, Tilo Jung und Melody Sucharewicz eingeladen waren. Leider nicht eingeladen war eine palästinensische Stimme (!), welche die leidende Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens vertritt.
Keine palästinensiche Vetretung, dafür jedoch die „inoffizielle Botschafterin Israels“, Frau Melody Sucharewicz, der Peter Scholl-Latour in einer NDR Talkshow 2009 (s. unten) Selbstverliebtheit und dilettantisches Geschwätz vorhielt. Eine Einschätzung, die ich seit langem teile (4).
Wer ist dieser Dame? Die Autorin Evelin Hecht-Galinsky, Inhaberin des Kölner Karls-Preises für engagierte Literatur und Publizistik, charakterisiert in (5) die Israel-Propagandistin Sucharewicz u.a. als „glühende Unterstützerin des zionistischen Besatzerregimes„, als„manipulativ“ und als „Israelische Kampfdrohne„, die in ihren Auftritten eine „…bösartige und haßerfüllte Hasbara verbreitet“ (6). Ihr Vater: Gründer und langjähriger Vorsitzender der propagandistischen Plattform „I like Israel“ (ILI).
Die krude Gedankenwelt der offensichtlich naiven, aber perfekt geschulten „Politikberaterin“ Sucharewicz ist schwere Kost. Die Gleichsetzung Israel-kritischer Positionen und palästinensischer Stimmen mit dem Antisemitismus sind eine ihrer Grundpositionen. Belege gefällig? So finden sich in (7) ihre fragwürdigen Statements zur international geächteten Siedlungspolitik Israels: „Wer sich über Siedlungen aufregt, kennt die jüngste Geschichte nicht“ oder „Die umstrittenen Siedlungen schaffen eine wichtige strategische Tiefe (!)“. Auch ihre Urteile zur Berichterstattung in den deutschen Medien: „Beiträge… von verläßlichverzerrender Tendenz“ bzw. „…diewestlichen Medien haben sich von jahrzehntelanger (arabischer) Propaganda instrumentalisieren lassen und spielen dem Terror in die Hände“ oder „Fakten sind egal“disqualifizieren diese Dame von einer Bühne, die eigentlich seriösen und und kritischen Publizisten gehören sollte.
Genug Gründe also, um die von Herrn Steinmeier im Schloß Bellevue geplante Veranstaltung zu kanzeln.
Es sind nicht mehr nur verbale Entgleisungen: Haß und Hetze, menschenfeindliche Positionen, wehende Reichskriegsflaggen, Hakenkreuze an Gymnasien und Schulen, Schmierereien an öffentlichen Gebäuden oder die Ausgrenzung Andersdenkender sind in Deutschland keine Produkte verschämter Schmuddelecken mehr. Gegen rechte Machenschaften und zunehmenden Rechtsextremismus in der Gesellschaft hat deshalb zum 22.Januar das Bürgerbündnis „Freiberg für alle“ aufgerufen:
Passivität, Gleichgültigkeit und Wegducken vor den Auswüchsen rechtsextremer Weltbilder und ihrer gefährlichen Tendenzen hatten wir in Deutschlands Vergangenheit bereits zur Genüge. Das Aushebeln der Demokratie (siehe Weimarer Republik 1933) und die verhängnisvolle Geschichte danach dürfen sich nicht wiederholen!
Auch deshalb waren wir zwei auf dem Freiberger Obermarkt dabei.
♦ „Hakenkreuze am Bernhard-von-Cotta-Gymnasium Brand Erbisdorf“, in: Freie Presse vom 23. Januar 2024
Auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie diese „Kanzlergesprächsrunde“ in Mannheim zusammengesetzt bzw. ausgewählt wurde, ist sie mehr als bemerkenswert:
Meine ungeteilte Aufmerksamkeit gilt dem Herren im roten Pullover für zwei unmißverständliche Fragen an den Bundeskanzler und Deutschlands führenden Politiker, Olaf Scholz. Fragen, die seiner mutmaßlichen Verstrickung in die Cum-Ex-Affäre (1) und der offensichtlichen (In-)Kompetenz der wichtigsten Minister seiner der Ampel-Koalition gelten. Deren Fehlleistungen nach seiner Einschätzung nicht nur innenpolitisch, sondern auch im Ausland registriert werden. Und dies mittlerweile die Spatzen von allen bundesrepublikanischen Dächern pfeifen…
Die Antworten unseres Bundeskanzlers auf beide ernstgemeinte Fragen und die geäußerte Besorgnis sind indes nichts als verklausulierte Sprechblasen. Ihr Inhalt ist nicht nur arrogant und selbstgefällig, sondern auch ein Beispiel für Ignoranz, Besserwisserei und Respektlosigkeit gegenüber dem Fragesteller bzw. den Bürgern seines (unseres) Landes. Das Irrlichtern zwischen Realität und Wirklichkeit beim Spitzenrepräsentanten der Bundesrepublik Deutschland scheint unübersehbar.
Nur eine subjektive Wahrnehmung meinerseits? Negativ! Die nachlesbaren mehr als 3.000 Kommentare zu diesem fragwürdigen Auftritt im oben gezeigten Youtube-Kanal von „Focus Online“ sprechen eine recht eindeutige Sprache…
Dazuund zur jüngsten BfG-Abmahnung der Regierungs-Mogeleien zwecks Umgehung der Schuldenbremse kritisiert die „Frankfurter Allgemeine“ am 28.11.2023in ihremArtikel„Notlage als Normalzustand“:
„In seiner Haushaltsrede sieht Olaf Scholz noch immer keinen Anlass für Festlegungen. Während sich unter den Bürgern Sarkasmus über den Zustand des Landes breitmacht, sieht der Kanzler keinen Reparaturbedarf.
Überall macht sich dieser Sarkasmus breit: Wenn die Rede auf den Facharbeitermangel kommt oder auf die Zuwanderung schwach qualifizierter Personen, auf das Schulsystem oder den Stand der Digitalisierung in der Verwaltung. Ein Staat, der in dauerhaftem Glauben an eine Notlage agiert, zieht allerdings einen ungeheuren Lobbyismus heran, der nur damit beschäftigt ist, die Anspruchsberechtigung seiner Klientel zu demonstrieren.
Von alldem war in der Haushaltsrede des Kanzlers jedoch nicht die Rede. Das ist es, was an Olaf Scholz irritiert. Er sieht nirgendwo ein Dilemma, nirgendwo einen Konflikt oder einen Anlass für Festlegungen. Nichts vermag, politische Leidenschaft in ihm zu entbinden. Vor Publikum spult er die bekannten Redensarten ab: „You’ll never walk alone“, „haken wir uns unter“, „wir sind mitten im Aufbruch“, „kraftvoll in die Infrastruktur investieren“, „Sorgfalt geht vor Tempo“. So meinen wir es auf den Reklameplakaten der Bahn zu lesen, während wir in Hamm stundenlang auf den Anschlusszug warten.
Zeitenwende, ein Aufbruch, der dem ins Industriezeitalter gleiche, Modernisierung des Landes – die Leute warten auf konkrete Entscheidungen. Und Scholz teilt ihnen mit, man werde Schwerpunkte setzen (ach?) und Ausgaben beschränken (tatsächlich?).
Nein, Olaf Scholz ist nicht „der Klempner der Macht“, als den ihn Friedrich Merz (CDU) bezeichnete, denn so vage reden Klempner nicht. Olaf Scholz weiß gar nicht, was er reparieren will. Das Karlsruher Urteil, sagte er im Bundestag, werde nichts im Alltag der Bürger ändern. Dann wären wir aber nicht in einer Notlage. Sondern die Notlage des Landes wäre von seinem Normalzustand gar nicht zu unterscheiden“ (2).
D´accord! Neben Pleiten, Pech und Pannen eine grauenvolle Vorstellung unseres deutschen Spitzenrepräsentanten in Mannheim, die wie eine Szene aus dem politischen Tollhaus anmutet. Die Worthülse „…Sie haben sich sehr bemüht…“ ist ein Armutszeugnis und keine Antwort auf die kritischen Anmerkungen zur Arbeit der bundesdeutschen Minister-Riege. Herr Scholz an deren Spitze scheint der falsche Mann im falschen Job zur falschen Zeit zu sein. Ein Schönredner, ein Zögerer und Zauderer, der offenbar nicht einmal merkt, in welchem mentalen Stillstand sich unser Land befindet. Ein Schlumpfeskanzler par excellence- und in meinen Augen eine Witzfigur, die sich zunehmend auch zu einem Sicherheitsrisiko für unser Land entwickelt:
Wer sich von seiner Arbeit als Jungsozialist mit engen Kontakten zur damaligen DDR-Führung ein Bild machen möchte, sei auf (5) verwiesen. Daraus ein Auszug:
„Scholz wurde 1975 als Gymnasiast Mitglied der Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Von 1982 bis 1988 war er stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender, von 1987 bis 1989 außerdem Vizepräsident der International Union of Socialist Youth. In dieser Zeit unterstützte er den Freudenberger Kreis (den marxistischen Stamokap-Flügel der Juso-Hochschulgruppen) sowie die Zeitschrift spw und warb in Artikeln für „die Überwindung der kapitalistischen Ökonomie“. Scholz kritisiert darin die „aggressiv-imperialistische Nato“, die Bundesrepublik als „europäische Hochburg des Großkapitals“ sowie die sozialliberale Koalition, die den „nackten Machterhalt über jede Form der inhaltlichen Auseinandersetzung“ stelle. Stasi-Unterlagen belegen, dass Scholz als stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender enge Beziehungen zu DDR-Funktionären unterhielt“ (5).
Die FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, Frau Zimmermann, hat scharfe und sehr grundsätzliche Kritik am Politikstil von Kanzler Olaf Scholz geäußert. „Man erreicht ihn nicht, weil er ein krasser Rechthaber ist. Nach drei Jahren stelle ich fest, daß er geradezu autistische Züge hat. Sowohl, was seinen sozialen Kontakt in der Politik betrifft als auch sein Unvermögen, den Bürgern sein Handeln zu erklären.“ (6)
Noch Fragen? Ergo: In unserem Lande gärt es, die öffentlichen Proteste aus Wirtschaft und Gesellschaft nehmen zu und sind nicht mehr zu übersehen. Es bleibt zu hoffen, daß bei Herrn Scholz und seinen Grün-Gelb-Roten Mitstreitern die Selbsterkenntnis wächst, die Bühne der Selbstgefälligkeit und der schlumpfigen Trägheit zu verlassen. Konkret: Die Vertrauensfrage im Parlament zu stellen und den Weg für Neuwahlen freizumachen. Da sich laut ARD- „Deutschlandtrend“ (4)bereits im September 2023 mehr als 70 Prozent der Befragten „weniger zufrieden“ oder „gar nicht zufrieden“ mit der Arbeit der Ampel zeigten, würde er damit der Mehrheit der deutschen Bürger einen großen Gefallen tun.
PS:Auch wenn ich mit meinen Kritiken kaum (oder nur sehr begrenzt) auf die gegenwärtige politische Situation einwirken und- was immer ich schreibe- diese nicht besser machen kann- werde ich sie weiterhin veröffentlichen.
Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine ist der Plan des Westens, die Welt mit Handel zu befrieden, endgültig gescheitert. Und steht nun selbst am Scheideweg. Mit der Entfesselung des zwei Flugstunden von uns entfernten Krieges ist- speziell in Deutschland- die bisherige politische Doktrin der „Wohlfahrt über alles“ nicht mehr aufrechtzuhalten: Sie hat unser Land durch Ignoranz und Blauäugigkeit in eine absolute Energieabhängigkeit von Rußland und in eine katastrophale nationale und militärische Unsicherheit gestürzt.
Die Ursache für das energetische Desaster in Deutschland bei Öl und Gas ist die hausgemachte Fixierung auf russische Energie incl. der seit Jahren an die GASPROM abgegebenen Kontrolle über unsere Gasspeicher und Kavernen. Militärisch (und im Gleichklang mit dem gesamten NATO-Militärbündnis) hat auch Deutschland über viele Jahre hinweg die (berechtigten) Sicherheitsinteressen Rußlands ignoriert. Durch Verdrängung, Überheblichkeit und Beschwichtigungen. Zwar gab es nach Mauerfall und Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 keine vertraglichen Vereinbarungen zur NATO-Osterweiterung, offenbar aber mündliche Zusagen und Absichtserklärungen für ein „NO!“ Trotzdem wurde der Pakt von 16 NATO-Mitgliedern (1990) auf 30 Mitgliedsstaaten zwischen 1999 und 2020 erweitert, Tendenz: steigend. Dies einseitig und nicht eingebunden in eine umfassende europäische Sicherheitsstrategie. Ein Fehler, wie ich meine. Das Kaputtsparen der Bundeswehr in den Zustand der Erbärmlichkeit ist ein weiterer.
-Quo vadis?
Die Expertisen bisher anerkannter Experten auf außenpolitischem Gebiet oder Verfechter guter deutsch-russischer Beziehungen (z.B. Mathias Platzeck) sind seit dem 24. Februar keinen Pfifferling mehr wert und fallen ab sofort in die Kategorie blauaügig und naiv. Das ist keine Kritik, nur ein Alarmzeichen im Kontext mit der nun zum Ausbruch gekommenen Katastrophe. Der Ausstieg aus der bisherigen moralischen Komfortzone hin zu mehr belastbarer politischer und militärischer Verantwortung durch Deutschland ist unvermeidlich. Das betrifft auch die Einhaltung der vertraglichen Vereinbarungen im Verteidigungsbündnis (2% vom BIP). Insbesondere dann, wenn sich die USA möglicherweise partiell aus Europa zurückziehen. Dazu der israelische Historiker Yuval Noah Harari: „Was ich nicht mehr hören kann aus Deutschland ist der Hinweis auf die besondere Situation seiner historischen Last. Ich kann das den Deutschen als Jude und Israeli und als Enkel von Holocaustüberlebenden sagen: Wir wissen, daß ihr keine Nazis seid. Ihr braucht das nicht mehr zu beweisen. Deutschland muß jetzt aufstehen und führen, denn Deutschland ist der Anführer Europas in dieser Lage. Ihr müßt jetzt ganz vorn dabei sein im Kampf für die Freiheit und Demokratie“ (1)
Putins Krieg überzieht sein demokratisches Nachbarland mit Gewalt und Schrecken, bringt maßloses Leid über dessen Bevölkerung und zwingt viele Menschen zu Flucht. Zu diesen Kriegsverbrechen, die in ähnlicher Brutalität bereits in Tschetschenien, Georgien oder in Syrien begangen wurden, nehmen internationale Gerichte aktuell Anklageerhebungen auf. Doch die gegenwärtige internationale Solidarität mit den geflüchteten Ukrainischen Menschen ist grenzenlos, der Ruf nach Frieden ohne Alternative. Doch jetzt regieren die Raketen. Sollen wir hoffen oder beten?
Die Hymne „Dona Nobis Pacem- Gib uns Frieden!“ ist eine kraftvolle und zeitlose Botschaft in dieser Situation…
Quellen:
(1): Yuval Noah Harari: „Man darf die menschliche Dummheit nie unterschätzen“, Der Spiegel, Nr.10 vom 5.3. 2022