Archiv der Kategorie: Mitten in Deutschland

Rochlitzer Berg und Kloster Wechselburg

Pfingstmontag, 25.05.2026 und nochmals am Mittwoch, 03.06.2026

Rochlitzer Berg und Kloster/Basilika Wechselburg

Die Koordinaten · 51° 1′ 36″ N , 12° 46′ 14″ O sollte man im Auge behalten. Denn: Sie führen zu zwei Zielen, die abseits von Hektik, Alltagsstreß, Autobahnen und Schnellstraßen liegen und deren Liebreiz sich erst beim genauen Hinschauen offenbart: Der Rochlitzer Berg mit seinem hübschen Bergrestaurant „Türmerhaus“ auf dessen Kuppe und die romantische Talschleife der Zwickauer Mulde mit dem Kloster Wechselburg am Fuße des Berges. Beides gut ausgeschildert und ab Freiberg z.B. über Bräunsdorf, Hainichen, Mittweida und Rochlitz in ca. einer Autostunde erreichbar.

Auf dem Rochlitzer Berg

Die Kuppe des Rochlitzer Berges mit porphyrnem Aussichtsturm und modernem Sendeturm der Telekom, im Vordergrund Rochlitz mit Schloß und der St. Petri-Kirche  

Inmitten des Sächsischen Hügellandes, zwischen dem Erzgebirgsvorland und der Leipziger Tieflandsbucht, erhebt sich der mit 353m weithin sichtbare Kegel des Rochitzer Berges. Von seinem 28m hohen Aussichtsturm aus bieten sich bei guter Witterung Aussichten bis nach Leipzig, Chemnitz, dem Collm und in das Erzgebirge. Der Turm wurde in Gedenken an König Friedrich August II. im Jahre 1860 errichtet (und hat, wenn ich mich nicht verzählt habe, 120 Stufen, die zu seiner Aussichtsplattform führen).  

Das gesamte Gebiet gehört geowissenschaftlich zur sogenannten Rochlitz-Eruption, einem Super-Vulkanausbruch, der vor ca. 290 Millionen Jahren zu einem Kraterkessel von 50x30km (Rochlitz-Caldera) geführt hat. Und im Ergebnis zu einem großen Vorkommen an Porphyrgestein, das seit ca. 900 Jahren auf und rund um den Berg abgebaut wird. 

Ein Geolehrpfad über 15 Stationen, der unterhalb des Türmerhauses beginnt, vermittelt Eindrücke über Geschichte und Geschichten aus dieser Zeit. Die bequeme Rundwanderung auf weitgehend ebenen Pfaden dauert ca. 1Stunde. 

Wir halten auf dem 2. Parkplatz des Rochlitzer Berges und gehen noch etwa ca. 10 min zu Fuß. Nach dem Passieren des an der Zufahrtstraße gelegenen Restaurants „Waldschlößchen“ und dem linksseitigen Aufgang über einen breiten Treppenweg (oben links) sind wir am Bergrestaurant „Türmerhaus“ angekommen. Auch der Aussichtsturm öffnet offenbar gerade für uns seine Pforten- vielen Dank! (rechts)

Pfingstwetter vom Feinsten!

Auch die ersten Wanderer trudeln ein….

Grandiose Ausssichten vom Turm in alle Richtungen (oben und unten), in der Mitte eine abgehobelte, rot leuchtende Porphyrwand auf dem Lehr- und Wanderpfad

Das Abbaugebiet Gleisbergbruch mit verlassener Technik und senkrechten Felsabstürzen (oben), Porphyr-Kletterfelsen „in Betrieb“, sowie Wände und Stationen im benachbarten Seidelbruch (unten)

Blick von einer der Aussichtsplattformen in die Porphyrbrüche (oben), Bergkeller, Einsiedelei und Gedenkstele am Fuße eines der Abbau-Trichter (unten). Achtung: Die angelegten Wege sollten nicht verlassen werden!

Kloster Wechselburg

Vom Rochlitzer Berg aus erreichen wir in 8 Autominuten über Mutzscheroda den Ort Wechselburg. Der malerische Ort ist an einer der vielen Muldenscheifen gelegen. Kleine Gassen und schmucke Straßen schlängeln sich aufwärts vom Muldental und den umliegenden Klosterdörfern hin zum historischen Marktplatz.

Wechselburg beherbergt eine Klosteranlage, die früher als Kloster Zschillen bekannt war. Das noch heute aktive Mönchskloster der Benediktiner aus dem Priorat Ettal ist ein spirituelles Anwesen voller Geschichte. Besonders beeindruckend: Die romanische Basilika aus dem 12. Jhd. mit dem Grabmahl der Stifterfamilie. Gegründet wurde das Kloster durch Graf Dedo von Groitzsch (1142-1190) nach Erhalt des Grundstücks durch seinen Vater Konrad *). Es kam später in den Besitz des sächsischen Herzogs Moritz (1521-1553), der es mit den Herren von Schönberg gegen Orte in der Sächsischen Schweiz tauschte. Dieser Tausch führte zum heutigen Ortsnamen Wechselburg.

Ein wunderschöner Ort der Stille, Ruhe und Kraft.

Vor der romanischen Basilika Wechselburg, Baubeginn war um das Jahr 1160

„in Illo uno unum“: „In dem Einen sind wir eins“ (Wahlspruch Leo XIV. vor dem Torhaus)

In der Basilika

Chorgestühl und Lettner- der Trennwand zwischen Gemeinde und Chorraum (oben), unten die Grabmahle des Gründers Dedo von Groitzsch und seiner Frau Mechthild

Wechselburg

*): Konrad I. von Wettin, Markgraf von Meißen: Vater des Geschlechts der Wettiner, beigesetzt in der —> Erbbegräbnisstätte der Wettiner auf dem Petersberg/Halle

Quellen:

♦ https://de.wikipedia.org/wiki/Rochlitzer_Berg

Bergrestaurant Türmerhaus 

https://www.kloster-wechselburg.de/basilika/

 

Karte:

© OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)

Theodor Körner und Großzschocher, Juni 1813

27.04.2026

Theodor Körner und Großzschocher,  Juni 1813

Im Juni des Jahres 1813 sind es noch mehr als vier Monate bis zur großen Völkerschlacht vor den Toren Leipzigs zwischen den alliierten Truppen Preußens, Rußlands, Österreichs und der napoleonischen Armee.

In den Frühjahrs- und Sommerfeldzügen des Jahres 1813 und nach den für beide Seiten verlustreichen Schlachten von Großgörschen (2.Mai) und Bautzen (20./21.Mai) ist in beiden Lagern Zeitgewinn, insbesondere zur weiteren Mobilmachung und Kräftigung der Heere, angesagt. Dies betrifft auch das Freikorps der Lützower, welches sich- unter preußischem Oberkommando stehend- in Sachsen aufhält. Inmitten dieser Freischar aus deutschen Patrioten mit ihren einheitlich schwarzgefärbten Uniformröcken befindet sich auch der ehemalige Student und junge Theaterdichter Theodor Körner (zwischen 1808-1812 Studienansätze an der Bergakademie Freiberg sowie an den Universitäten Leipzig & Berlin; ab 1812 dann Anstellung als Theaterdichter im Burgtheater Wien, wo er erste Gedichte, Dramen und Theaterstücke verfaßt). Unmittelbar nach dem Aufruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gibt Körner seine Stellung auf und schließt sich im März 1813 in Breslau dem Freiwilligenkorps des preußischen Majors Adolph von Lützow an. 

Die Waffenstillstandsvereinbarung von Pläswitz, Königreich Preußen, 4. Juni 1813

Am 4. Juni 1813 wird im schlesischen Pläswitz ein auf zwei Monate befristeter Waffenstillstand zwischen Preußen, Rußland und Napoleon vereinbart, der am 5. Juni in Kraft tritt. Laut dessen Bestimmung haben sich alle preußischen Truppen bis zum 12. Juni hinter die vereinbarte Demarkationslinie nördlich der Elbe zurückzuziehen. Als Unterhändler fungieren der preußische General von Kleist, der russische Graf Schuwalow und der französische Diplomat Coulaincourt.

Die Mitteilung über den Beginn dieses Waffenstillstandes erreicht das ca. 500 Mann starke Lützowsche Freiwilligenkorps allerdings erst am 9. Juni bei Eichigt im sächsischen Vogtland. Sehr spät und hinter den feindlichen Linien, d.h. mitten im französisch besetzten Gebiet. Am Tag zuvor ist der Versuch des Freikorps gescheitert, die Stadt Hof zu besetzen. Dieser mißglückte Handstreich, bei dem es Tote und Verwundete gibt, hätte während des Waffenstillstands nicht stattfinden dürfen. Sind die bei Lützow verspätet eingetroffenen Ordres der schwierigen Nachrichtenübermittlung in diesen Tagen geschuldet? Oder sind es Nachlässigkeit oder gar Absicht durch das preußische Hauptquartier? Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet.

Lützow bleiben für einen Ausweich noch drei Tage, doch er zögert und führt seine Truppen nicht in das neutrale Böhmen, sondern im Eilmarsch über Gera, Zeitz und Großgörschen weiter nach Norden durch das mit Napoleon verbündete Sachsen. Wagemut oder Nachlässigkeit? Nach Abmarsch aus seinem Biwak bei Kitzen, südwestlich von Leipzig, wird das Korps auf der Strasse zwischen Kitzen und Kleinschkorlopp am 17.06.1813 von einer Übermacht an württembergischer und französischer Kavallerie unter deren Generälen Norman und Fournier gestellt. Lützows Bitte um freies Geleit, da in friedlicher Absicht, wird nicht entsprochen, sein Korps wird nach kurzer Unterredung mit Fournier massiv angegriffen. Der Durchbruch aus der feindlichen Umzingelung gelingt nur unter großen Verlusten: Ca. 100 seiner Männer fallen, 90-150 geraten in Gefangenschaft (die Zahlen variieren je nach Quelle). Lützow selbst gerät in Gefangenschaft, kann aber noch in der gleichen Nacht fliehen. Der Rest, darunter auch Körner, kann entkommen. Ein großer Teil gelangt über die Elbe hinter die Demarkationslinie.

Auch dies ist ein Bruch des vereinbarten Waffenstillstandes. In einer Depesche an Napoleons Generalstabschef A. Berthier beschwert sich Feldmarschall Barclay de Tolly, Oberbefehlshaber der preußisch-russischen Truppen, über dieses „absolut unerklärliche Vorgehen bei Kitzen gegen das Korps von Major von Lützow“ und schlägt den Franzosen im Juli eine dringende Untersuchung der Angelegenheit vor. Dabei schließt er allerdings auch ein Fehlverhalten des Lützowschen Freikorps nicht aus…

Der Weg der Lützower in Sachsen bis zum Gefecht bei Kitzen und des schwerverwundeten Körner nach Großzschocher, Karte: ©OpenStreetMap-Mitwirkende

Körner selbst wird bei dieser Aktion durch einen Säbelhieb schwer verwundet. Er kann von Kameraden noch verbunden werden und sich zu Pferd mit Mühe in ein kleines Waldstück in der Elsteraue nahe der Gemeinde Großzschocher retten…

Sicht auf das bewaldete Gelände bei Großzschocher zwischen Elsteraue und Knauthainer Elstermühlgraben…

…in dem sich nach dem Scharmützel der schwerverwundete Körner verstecken kann

Das ehemalige Großzschochersche Guts-Gärtnerhaus in der Huttenstraße 2a 

Körner wird schon am nächsten Tag nach Hinweisen von Kameraden gefunden und in eine Kammer der Gärtnerwohnung in Großzschocher gebracht, wo er vor seinen Häschern versteckt und notdürftig gepflegt wird.

Im ehemaligen Guts-Gärtnerhaus: Wohl niemand ahnt, daß hinter dem Schrank im Erdgeschoß (oben links) eine schmale Holztreppe in die Kammer führt, in dem Körner eine Nacht verbracht hat (unten links). Unten rechts: Im interessanten Gedankenaustausch mit Herrn Hiller vom Bürger- und Förderverein Körnerhaus Großzschocher e.V. 

Bereits am nächsten Tag, also am 19. Juni, bringt ihn ein kleiner Kahn über das Dorf Schleußig bis zu „Rudolfs Garten“ (einem damals beliebten Ziel der Leipziger Gondelpartien) und zum Haus von Dr. Wendler. Neben der Androhung der Todesstrafe durch Napoleon gegen Jedermann, der einen Lützower („Bandit noirs“) aufnimmt, hilft oder begünstigt, ist zudem auf Körner ein hohes Kopfgeld ausgesetzt. So bringt ihn der Arzt am 25. Juni nach Kalmdorf, ein Gut in der Nähe von Borna. Am 29. Juni gelangt Körner schließlich bei Gottesgab über die Böhmische Grenze nach Karlsbad, wo er seine Kopfverletzung auskurieren kann. Doch schon zwei Monate später ist er bereits wieder bei „seinen“ Lützowern in Mecklenburg, wo er am 26. August beim Angriff auf einen französischen Troß im Forst von Rosenow bei Gadebusch fällt…

Gemälde von Ferdinand Hodler: „Der Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“. Neben Studenten treten im Frühjahr 1813 junge Männer aus allen Ständen, sowie ehemalige Offiziere und Beamte in die Freiwilligenbataillone gegen die französische Fremdherrschaft ein. Zu diesen gehörten neben Theodor Körner z.B. auch F.L.Jahn, F.Friesen, J.von Eichendorff oder F. de la Motte-Fouque  

PS: Mein Dank gilt an dieser Stelle Herrn Ralf Hiller vom Bürger- und Förderverein Körnerhaus Großzschocher e.V., der die Besichtigung im Gutsgärtnerhaus überhaupt ermöglicht hat. Klein, aber fein das Museum, das in den Oberstuben hier zu Ehren der Lützower ausgebaut wurde. Nachbildungen, Karten, Gefechtsberichte, Uniformen, Waffen und Militärtechnik der damaligen Zeit sowie zwei Dioramen der Gefechte bei Kitzen und Rosenow sind hier liebevoll drapiert und ausgestellt… 

♦ images:
pixabay und  Public Domain: „Der Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“
©OpenStreetMap-Mitwirkende
♦ Quellen:
(1): https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCtzowsches_Freikorps
(2): https://www.leipzig-days.de/koernerhaus-grosszschocher/
(3): https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstand_von_Pl%C3%A4switz
(4): Joachim Streisand: Lehrbuch der Deutschen Geschichte- Deutschland 1789-1815; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1959
(5): Dokumente der Sonderausstellung „Napoleon muß untergehen“ zu Barclay de Tolly im Militärhistorischen Museum Dresden, Juli, 2025
(6): Private Aufzeichnungen zu: „Schills Rebellenzug von 1809 und weitere patriotische Erhebungen“ aus dem Kulturhistorischen Museum Stralsund/11.01.1976  

(v.k.)

Bei Erich Ohser und August Horch: Besuch in Plauen & Zwickau

14.-19.04.2026

Wir haben uns mit Plauen und Zwickau zwei Städte angesehen, die nicht mehr als 150km von Freiberg entfernt liegen aber noch nie im Fokus unserer Reiseziele standen. Also, Ränzlein geschnürt und nichts wie hin, oder? Beide Städte haben ihre Schokoladen- und Schattenseiten; anbei einige Bilder von dem, was uns in ihnen am besten gefallen hat.   

image: © OpenStreetMap-Mitwirkende

1. In Plauen- der Hauptstadt des Vogtlandes

Im Gegensatz zu kaiserlichen Lehen setzte Friedrich I. (Barbarossa) Mitte des 12. Jahrhunderts im Grenzbereich von Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen Ministeriale (Vögte) ein, die sein Gebiet verwalteten- das Land der Vögte war geboren. Mitten darin liegt Plauen… 

Plauen ist die Hauptstadt und das historische sowie kulturelle Zentrum des Vogtlandes. Die größte Stadt im sächsischen Vogtland ist weltbekannt für ihre „Plauener Spitze“ und bietet spannende Einblicke in die Geschichte der Region. Die Stadt an der Weißen Elster ist mit 65.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt im Freistaat Sachsen. 1904, als hier 16.000 Stickmaschinen ratterten, war sie sogar Großstadt. Ihre große Vergangenheit lebt im neuen Textilmuseum „Fabrik der Fäden“ weiter. Weiter zurück reicht die Geschichte der Plauener Komturei, einer einst bedeutenden Niederlassung des Deutschen Ritterordens.

Die Höhenburg, ab 1250 Sitz der Vögte von Plauen

♦ Im Tal der Syra

♦ Im Herzen der Stadt

In der Hochzeit der Plauener Textil-und Spitzenproduktion hatte die Stadt über 128.000 Einwohner und- gemessen an der Bevölkerung- die meisten Millionäre Deutschlands. Der Wohlstand wirkte sich auf Städtebau und Infrastruktur aus. Prachtvolle Kirchen rund um den Renaissance-Markt, Stadtvillen, Hotels und Restaurants entstanden

♦ In der Galerie E.O. Plauen 

Vater und Sohn, die zwei wohlbekanntesten Plauener, bringen Kinderaugen bereits vor dem Gebäude der Galerie e.o. plauen zum Leuchten. Die Bildergeschichten von Erich Ohser (1903-1944), weltweit bekannt unter dem Künstlernamen e.o.plauen bekannt, erschienen hauptsächlich zwischen 1934 und 1937 in der „Berliner Illustrierten Zeitung“ und nach 1945 in so manchem Schulbuch. Ohser wurde 1944 wegen „defätistischer Äußerungen“ gegen die Nazis durch einen Blockwart denunziert und hingerichtet

♦ In der Fabrik der Fäden

Im Herzen der Elsteraue dreht sich alles um Industriegeschichte und Wasser als treibende Kraft für die Entwicklung der Plauener Textil- und Spitzenindustrie. In der „Fabrik der Fäden“ wird Textilgeschichte erlebbar, die Schaustickerei im Plauener Obstgartenweg1 begeistert mit ihren ratternden Großstickmaschinen und historischen Lochkarten

♦ Im Hermann-Vogel-Haus

Versteckt im sagenumwobenen Burgsteingebiet thont das Hermann-Vogeler-Haus in Krebes auf einer sanften Anhöhe. Einst war es Wohnhaus, Atelier und inspirierender Treffpunkt für Künstlerfreunde des spätromantischen Zechners und Illustrators Hermann Vogeler (1854-1921). Um 1900 erbaut, scheint es direkt aus einem illustrierten Märchen entsprungen zu sein. In dieser Kulisse spiegelt sich Vogelers tiefe Verbundenheit zur Natur und Geschichte wider, ähnlich wie in seinen fanasievollen Werken voller Humor und Sensibilität

2. In Zwickau- der Stadt des Automobilbaus

Zwickau ist mit über 87.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Sachsen. Die Stadt an der Zwickauer Mulde und nördlich des Westerzgebirges ist in erster Linie bekannt als Zentrum der deutschen Automobilindustrie, als Geburtsort Robert Schumanns, als Wirkungsstätte des radikalen Predigers und Bauernführers Thomas Müntzers und nicht zuletzt wegen seiner sehenswerten Altstadt.  

♦ In der Altstadt

Auf dem Altmarkt

 

Die Paradiesbrücke über die Elster, das Pechsteinmuseum, Zwickauer Altstadtflair, das Schloß Osterstein und die Priesterhäuser vor dem Marien-Dom

 

Der Dom St.Marien, eine der bedeutendsten Hallenkirchen der obersächsischen Spätgotik

♦ Im August-Horch-Museum

Das Horch-Museum befindet sich an der Geburts- und ersten Produktionsstätte von Audi. Gezeigt werden über 115 Jahre ununterbrochener Zwickauer Automobilbautradition auf rund 6.500qm Ausstellungsfläche. Alles im Zeichen der vier Ringe, der zur AUTO-Union zusammengeschlossenen Firmen Horch, Audi, Wanderer und DKW

 

 

♦ Auf den Spuren Thomas Müntzers

Die St. Katharinenkirche wurde erstmals 1219 als Klosterkirche eines Nonnenkonvents urkundlich erwähnt, in der Zeit der Bauernkriege war sie auch Wirkungsstätte Thomas Müntzers

♦ Im Robert Schumann-Haus

Im Schuman-Haus mit den Porträts von Clara Wieck und Robert Schumann

♦ Im Max-Pechstein-Museum

♦ Westsächsische Hochschule und Schwanenteich

 

Danke für die Gastlichkeit!

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Plauen

https://www.sachsen-erkunden.de/kulturweg-der-voegte-vogtland/

https://de.wikipedia.org/wiki/Zwickau

♦ https://www.zwickau.de/de/tourismus.php

Karte:

© OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)

Sommerausklang auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

14.-25.09.2025

Wenn wir zwei in diesem Jahr im Ostseebad Zingst „Urlaub auf dem Darß“ machen, haben wir sicher keine schlechte Wahl getroffen. Allerdings mit dieser Beschreibung auch gleich den ersten geographischen Fauxpas begangen. Denn: Die Gemeinde Zingst mit ihren rund 2800 Einwohnern liegt auf einem Landschaftsteil, der bis 1874, durch den Prerowstrom im Westen vom Darß getrennt, selbständige Insel war: die damalige Insel ZINGST. Das gleiche gilt für den angrenzenden Landschaftsteil Darß, der bis 1394 vom südlichen Fischland durch den Darßer Kanal („de Loop“) ebenfalls Insel war- die damalige Insel DARSS. Und last not least auch für das Fischland, das bis zum Ende des 14.Jhd. durch den Fluß Recknitz vom Festland getrennt war und ebenfalls Inselstatus hatte- die Insel FISCHLAND. Beide Flüsse und der Kanal wurden aus geopolitischen und wirtschaftlichen Gründen von Menschenhand zerstört und zugeschüttet, so daß es heut nur noch eine zusammenhängende Halbinsel auf diesem Längengrad zwischen Ostsee und Boddengewässer gibt. Wir sind also mit unseren Wanderungen und den Radl`n zwischen den Ostseebädern Zingst, Prerow und Ahrenshoop richtigerweise auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst unterwegs. Wieder etwas dazugelernt…

Bücher, Bildbände und Reisebeschreibungen über dieses wunderschöne Gebiet in Mecklenburg-Vorpommern mit seinem Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ gibt es zuhauf, hier nur einige Bilder und Collagen mit unseren persönlichen Erlebnissen: 

♦ Auf dem Zingst

Kranichzeit: Wenn in den Herbstmonaten die Kraniche alljährlich ihre Reise aus dem Norden unterbrechen, um in den Gefilden der Halbinsel Zwischenrast einzulegen, haben die Beobachtungsstellen am Pramort Hochbetrieb. 2024 sind hier vor ihrem Weiterflug gen Süden ca. 60.000 Tiere gezählt worden. So jedenfalls die Auskunft des sachkundigen Rangers.

Freßpause, Putzzeit, Geschnatter ohne Ende und Balztänze der Vögel am Tagesausklang

Neben Schiffen, Kunst und interessanten Inselgebräuchen nimmt der alljährliche Kranichzug auch im Zingster Heimatmuseum einen großen Raum ein, wie die Bilder unten beweisen:

Die Kraniche sind hier überall, statt ihrer grauweißen Gefieder hier allerdings künstlerisch verarbeitet und in den schönsten Farben

Abseits der Buhnen und der Zingster Seebrücke: Leuchtendes Wollgras und Weißes Pampasgras (Mitte)

Wenn das kein Timing ist: Ein Konzert der Sächsischen Bläserserenade unter der Leitung von Siegfried Mehlhorn in der evangelischen Peter-Pauls-Kirche des Ortes. In dieser Kirche trat übrigens im Juni 1935- und dies im Rahmen eines theologischen Seminars- der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer auf

Zingster Strandansichten (1)

Zingster Strandansichten (2)

Auf dem Darß: Rund um Prerow und Ahrenshoop

Was die Kranichbeobachtung vor der Großen Kirr und Pramort ist, das ist die Beobachtung des Rotwildes am Darßer Ort. Auf der nördlichsten Spitze des Darß durch feste Wege an den Strandabschnitten des Nationalparks geschützt, bieten mehrere Bebachtungsstellen die Möglichkeit, Rot- und Schwarzwild ganzjährlich zu beobachten. Auch uns sind in sicherer Entfernung mehrere Tiere vor die „Linse“ gelaufen:

Auf erfolgreicher Rotwild-Fotopirsch: Der Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ ist übrigens mit einer Größe von 78.600 ha der größte deutsche Ostsee-Nationalpark

Der hölzerne Turm der Prerower Seemannskirche stammt aus der „Schwedenzeit“ (1648-1815) und diente früher den Seeleuten als Peilpunkt auf ihrem Weg von der Ostsee in die Mündung des Prerow-Stroms. Die Kirche selbst wurde zwischen 1726-1728 erbaut und ist das älteste Gebäude auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die alten kunstvoll verzierten Grabsteine auf dem Friedhof erinnern an die Zeit, in der die Halbinsel einst Land der Kapitäne und Seeleute war und die Schiffahrt ihren Wohlstand ausmachte  

Die 720m lange Prerower Seebrücke (oben) und der Leuchtturm am Darßer Ort. Die Seebrücke aus Beton und mit Knick ist übrigens die längste im Ostseeraum und wurde 2024 fertiggestellt, der 35 m hohe Leuchtturm wurde 1848 erbaut und ist noch immer in Betrieb- heute allerdings ferngesteuert

Werbung und Blickfang auf Rädern: Das am meistem fotografierte Haus am Strand von Ahrenshoop…

…die Schifferkirche (links oben) und typische Ahrenshooper Ortseindrücke

In den Galerien der Ahrenshooper Kunstkaten (links) und Urlaubsabschied am abendlichen Strand 

Quellen:

(1): Das kleine Fischland-Darß-Zingst-Buch, Rhino-Verlag, Ilmenau, 2023
(2): https://www.fischland-darss-zingst.de/region.html  
(3): https://www.zingst.de/

(v.k.)

Unterwegs im Teutoburger Wald

26.-30.03.2024

Das „Basislager“ für unsere geplanten Wanderungen vor Ostern 2024 liegt im Niedersächsischen Bergland zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Genauer gesagt in Berlebeck, einem Ortsteil der Lippischen Stadt Detmoldt. Etwa dort, wo die Ausläufer des Teutoburger Waldes sanft in das südlich gelegene Eggebirge übergehen. Auch wenn mit 446m sein höchster Gipfel, der Barnacken bei Horn-Bad Meinberg, mit dem heimischen Erzgebirge nicht konkurrieren kann, sind es die Sehenswürdigkeiten dieses Mittelgebirges, die um unsere Aufmerksamkeit heischen. Fünf davon stehen auf unserer To do-Liste:

♦ Erinnerung an die Varus-Schlacht im Jahre 9 n.Chr.: Das Arminius-Denkmal

Kaum etwas Sehenswerteres im Teutoburger Wald steht so sehr für deutsche Geschichte wie das legendäre Hermannsdenkmal (Arminius ist eine lateinische Ableitung des germanischen Heermann=Mann des Heeres). Die im 19. Jhd. erbaute Kolossalstatue versinnbildlicht die Überlegenheit germanischer Kultur und erinnert an den Sieg des Arminius über die Römer:  Im Jahre 9 n.Chr. gelang es dem Cheruskerfürsten mit einem germanischen Stammesbündnis, drei römische Legionen unter der Führung des Legaten Publius Quintilius Varus vernichtend zu schlagen. Die Statue steht für Frieden und Völkerverständigung und vermittelt auf eindrucksvolle Qeise die besondere Bedeutung des Teutoburger Waldes.

Blick von der Aussichtsplattform des Denkmals auf das Lipper Land im Norden. Mit einer Figurenhöhe von 27m und einer Gesamthöhe von 54m ist das Hermannsdenkmal die höchste Statue Deutschlands. Geschaffen wurde es vom Architekten und Bildhauer Ernst von Bandel. Die Grundsteinlegung erfolgte 1838, die Einweihung in Gegenwart des deutschen Kaisers Wilhelm I. im Jahre 1875.

Noch immer geheimnisvoll: Die Externsteine

Auf unserer Wanderung zu den berühmten Externsteinen treffen wir auf einem Bergrücken auf eine in Stein gemeißelte Botschaft aus längst vergangenen Zeiten: 

Auf dem Höhenwanderweg: Überliefertes zu einer Taufe, die im Volksmund so stattgefunden haben könnte…

Wir treffen aber auch auf zerstörte Wälder, die durch globale Trockenheit, Krankheiten und Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen worden sind, wobei dies mittlerweile symptomatisch für viele Mittelgebirgsregionen in Deutschland ist. Es hat den Anschein, als ob nicht vor 2.000 Jahren, sondern erst gestern die Varusschlacht mit all ihren Zerstörungen über diese Gebirgszüge hinweggefegt ist…

„Varus, Varus, gib mir meine Wälder wieder!“ Der Klimawandel unseres Jahrhunderts in Echtzeit…

Wir sind am Ziel: Die Externsteine sind ein einzigartiges Kulturdenkmal, das die Menschen seit jeher fasziniert. Eine mittelalterliche sakrale Stätte inmitten bizarrer Sandsteinfelsen- so erleben die Besucher die Externsteine im Herzen des Lipperlandes. Bis zu 40 Meter ragt die charakteristische Felsformation in die Höhe. Sowohl die Aussichtsplattform mit der Treppenanlage aus dem 19. Jhd., als auch die mittelalterliche Grottenanlage zeugen von der wechselvollen Geschichte. Als besonderes Highlight gilt das Kreuzabnahmerelief. Das von mittelalterlichen Steinmetzen in den Sandstein gehauene romanische Kunstwerk aus dem 12. Jhd. stellt die Kreuzabnahme Jesu dar.

Die monumentale Felsengruppe der Externsteine mit ihren bis heut rätselhaften Anlagen spiegelt sich im vorgelagerten See wider

Nach bevorzugter Ansicht sind die Externsteine in keltischer oder germanischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum gewesen. Im Hochmittelalter wurden diese zu den heiligen Stätten Jerusalems mit dem Grab Christi, der Kreuzauffindungsgrotte und dem Felsen Golgatha umgewandelt

♦ Nie eingenommen: Die Falkenburg

Oberhalb des Detmolder Ortsteils Berlebeck liegt die Falkenburg. Einst eine der mächtigsten Burganlagen Westfalens, kann sie heute nur noch als Ruine bestaunt werden. Ab 1194 wurde die Burg von Bernhard II. zur Lippe und seinem Sohn Hermann II. gebaut, womit der Grundstein für die Entwicklung der Landesherrschaft im heutigen Kreis Lippe gelegt wurde. Während ihres Bestehens wurde die Burg zweimal belagert, aber niemals eingenommen. Endgültig verlassen wurde die Burg im Jahre 1523.

Nach einem Brand im Jahre 1453 wurde die Burg wiederaufgebaut, sie verfiel aber im 16. Jhd. zur Ruine. Unten im Hintergrund das Hermannsdenkmal

♦ Sie kehren immer wieder zurück: In der Adlerwarte Berlebeck

Inmitten der reizvollen Landschaft des Teutoburger Waldes beherbergt die Adlerwarte Berlebeck über 180 verschiedene Greifvögel, die in spektakulären Flugshows täglich ihre Flugkünste unter Beweis stellen. Es ist schon erstaunlich, die „Könige der Lüfte“ bei ihren Flug- und Wendemanövern, ihren steilen Sturzflügen und ihrer präzisen Körperkontrolle hautnah über die Köpfe der Besucher fliegen zu sehen, um dann zielgenau bei ihrem Falkner (oder auf den Köpfen der entgeisterten Zuschauer) zu landen. Weißkopfseeadler, Steinadler, Mönchs- und Gänsegeier, Rotmilane und Falken in volendeter Dressur- ein atemberaubendes Erlebnis!

♦ Kulturstadt Detmold

Detmold, die „Wunderschöne“, ist mit ca. 75.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis Lippe. Gelegen an der Werre, einem Nebenfluß der Weser, bezaubert die alte Residenzstadt durch ihr Zusammenspiel von historischem Charme, romantischen Fachwerkhäusern und beeindruckenden Bauwerken der Renaissance. Detmoldt wurde 783 erstmals als „Theotmalli“ erwähnt, heut ist sie Hochschul- (TH Ostwestfalen-Lippe & Musikhochschule) und Behördenstadt. Das fürstliche Residenzschloß ist ein Juwel im Stil der Weser-Renaissance  und war ab dem 16. Jhd. bis zum Jahre 1918 Sitz der regierenden Grafen und Fürsten zur Lippe.

Das fürstliche Residenzschloß (oben li) und Bilder der Altstadt, für deren Sanierung Detmold gemeinsam mit Bamberg und Landshut im Jahre 1979 eine Goldmedaille erhielt.

Einige der obenstehenden Texte sind in Anlehnung an die Quellen (1) bis (5) in bearbeiteter Form wiedergeben.

Quellen:

(1): https://www.tripz.de/reisemagazin/die-beliebtesten-sehenswurdigkeiten-im-teutoburger-wald/
(2): „Hermannsdenkmal: Lippe von ganz oben“; Faltblatt des Landesverbandes Lippe
(3): „Externsteine: Erlebnisreich und aktiv“; Faltblatt des Landesverbandes Lippe
(4): „Die Falkenburg e.V.-Verein zum Erhalt und zur Sanierung der Falkenburg“; Lippisches Landemuseum
(5): „Detmold erleben: Kulturstadt im Teutoburger Wald“, Reiseführer der Tourist-Information Lippe

(v.k.)

In den linkselbischen Tälern zwischen Dresden und Meißen

31.10.2022

Die linkselbischen Täler südöstlich von Meißen, die Lommatzscher Pflege und das Meißner Hochland prägen die Region zwischen Meißen und Riesa: Geologisch, kulturell, geschichtlich und natürlich über ihre Landschaft und Natur: So wurden die Bachläufe in den Tälern bereits vor 500 Jahren zum Betreiben von Wassermühlen genutzt. Alte Schlösser und Rittergüter sowie Relikte des Silberbergbaus sind hier zu finden. Malerisch mutet die hügelige Landschaft um Lommatzsch und im Tal der Großen Triebisch an.

Das Landschaftsschutzgebiet „Triebischtäler“ in der Umgebung von Meißen gehört zu den schönsten Wandegebieten dieser Region. Bei unserer Wanderung haben wir der Kulturlandschaft und den Sehenswürdigkeiten auf dem „Heynitzer Weg“ zwischen Rotschönberg, Kottewitz, Heynitz und Munzig unsere Aufwartung gemacht. Anbei einige Eindrücke vom Wegrand:

Das Triebischtal ist ab Autobahn A4/Abfahrt Nossen recht gut zu erreichen…

…wobei der Wanderweg nach Rotschönberg durch die herbstliche Farbenpracht geschmückt ist. Es scheint, als wartet diese Jahreszeit noch einmal mit dem vollen Spektrum ihrer gold-gelben Farben auf

Rotschönberg ist in erster Linie als alte Rittergutsiedlung…

…und in zweiter Linie durch den Freiberger Bergbau weltbekannt geworden. In zwei abschließenden Mundlöchern endet hier der Rotschönberger Stollen, der noch heute die Grubenwässer aus dem Freiberger/Brander Revier in die Triebisch führt

Das Renaissance-Schloß Heynitz, Herrensitz des Adelsgeschlechtes derer von Heynitz, ist aus einer Wasserburg hervorgegangen

Zwischen Kottewitz und Niedermunzig präsent: Liebevoll restaurierte alte Bauerhöfe, Mühlengebäude und Siedlungshäuser aus der Zeit des Altbergbaus auf Silbererze

Eindrücke aus der Naturlandschaft zwischen dem Heynitzbach und der Großen Triebisch

(v.k.)

Wieder einmal in Wilhelmshaven…

15.08.2022

Der Wilhelmshavener Bontekai liegt direkt am Großen Hafen. Gleich dahinter befindet sich das Deutsche Marinemuseum

Das größte Exponat im Marinemuseum neben Minenjagd,- Torpedo- und Schnellbooten aus jüngster Vergangenheit: Der Lenkwaffen-Zerstörer „Mölders“. Er wurde in den 1990-iger Jahren mit dem Seeziel-System HARPOON, modernen U-Jagd-Torpedos und dem Nahbereichs-Anti-Raketenstarter RAM ausgerüstet. Seit 1970 im Einsatz, wurde der Zerstörer 2003 außer Dienst gestellt

Wieder einmal in Wilhelmshaven?

Genau genommen, bin ich heut das zweite Mal zu Gast in der Hafenstadt am Jadebusen. Mein Erstbesuch vor mehr als ca. 10 Jahren im (nicht zivilen) Marinehafen war berufsbedingt. Er hing mit mehrjährigen Entwicklungsaufgaben für die Deutsche Marine im Rahmen einer Zusammenarbeit der Fa. Teleconnect Dresden mit SIEMENS Bremen/ComNet zusammen. Damals waren auftragsgemäß Elektronik-Baugruppen für das NAVAL-Kommunikationssystem DICS zu entwickeln, zu testen und vor Ort zu evaluieren. Einzelne Komponenten (EMV) auch an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“ (F216). Die F216 war zu diesem Zeitpunkt eines der modernsten Kriegsschiffe aus der „Brandenburg“-Klasse. Absolute HighTech in 5.000 Tonnen Stahl.

Soweit mir bekannt ist, ist die F216 noch immer im Rahmen von NATO- bzw. UN-Einsätzen unterwegs. Ihr Heimathafen ist der der Marinestützpunkt Wilhelmshaven, er liegt etwas nördlicher und etwa 2,5km vom Deutschen Marinemuseum entfernt. 

Die „Schleswig-Holstein“, auf der HDW-Werft in Kiel gebaut und 1995 in Dienst gestellt, ist in Wilhelmshaven beheimatet

Im untenstehenden Video-Clip einige Details zu diesem Schiff. Insbesondere zu der in seinem Bauch verbauten Nachrichtentechnik, an deren Implementierung ich mitarbeiten durfte. Die Fregatte ist gelegentlich, z.B. am Tag der offenen Tür/Open-Ship, im Kieler Marinestützpunkt zu besichtigen. Für Besucher und Interessierte unterliegen viele Räume nicht mehr der dringlichen Geheimhaltung. Sensible Bereiche jedoch (Funkraum, Systeme zur Radar- und Luftraumüberwachung, Systeme zur elektronischen Kampfführung und zur Feuerleitung, Einsatzbereiche für Sonaranlagen, Torpedos und Lenkflugkörper, Fernmelde- und Datenübertragungsanlagen usw.) sind nach wie vor top secret.

Blick zur Kaiser Willhelm-Brücke zwischen Großem Hafen und Ausrüstungshafen

Den (einstigen) Bremer Kollegen an dieser Stelle nochmals Danke für die damalige gute Zusammenarbeit und: „Moin, moin, Wilhelmshaven“…

(v.k.)

In den Landschaftsgärten von Fürst Pückler

25.05.-28.05.2022

Unsere diesjährige Fahrradtour führt uns nach fast vier Jahren (siehe unsere Tour 2018 in das Oberlausitzer Seengebiet) wieder in das Gebiet der Lausitz. Diesmal sind wir jedoch im Sächsisch-Brandenburgischen“ Grenzgebiet“ zwischen der Ober- und Niederlausitz unterwegs. Zur Entspannung und auch, um das gärtnerische Vermächtnis eines der spektakulärsten und schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts zu besichtigen. Auf gut ausgebauten und bekannten Radwegen sind wir von Cottbus aus über Forst, Bad Muskau und Spremberg unterwegs zu den Anwesen und Landschaftsgärten dieses Mannes. Wichtigste Ziele dabei: Die beeindruckenden Schloß- und Natur-Areale von Park und Schloß Branitz und Bad Muskau. Langjährige Aufenthalte des Lebemanns, Phantasten, Frauenhelden und romantischen Träumers Graf Heinrich von Pückler, des „Tollen Pückler“…  

Unterwegs zwischen Muskauer Faltenbogen und der Neiße

Kein „Kilometerfressen“, dafür aber auf drei Tage verteiltes gemütliches Radeln…

Im Ostdeutschen Rosengarten Forst (Lausitz)

In der Parkanlage des Rosengartens an der Neiße, die seit 1913 zu besichtigen ist

„Ein Stück Zaubergarten der Natur“…

…lobte das Forster Tageblatt die Rosen- und Gartenausstellung anläßlich ihrer Eröffnung im Jahre 1913

Im Muskauer Park  

„Bad Muskau wurde wesentlich durch das Wirken ihres wohl bekanntesten Sohnes, des Fürsten Pückler, geprägt. Hermann Ludwig Heinrich von Pückler- Muskau schuf den einzigartigen, weltweit bekannten Landschaftspark in der Zeit von 1815-1845. Der Park im englischen Stil begeistert durch beeindruckende Diagonal- und Fernsichten, große Parkwiesen, alte und seltene Baumbestände und belebende Wasserläufe. Er umfaßt 830 Hektar und ist beiderseits der Neiße angelegt, wobei der größere Teil in Polen liegt. Seit 2003 sind beide Parkteile durch eine Doppelbrücke wieder miteinanander verbunden. Ein Jahr darauf wurde Muskauer Park durch die UNESCO zum Welterbe erklärt“ (1).

Neues Schloß im Muskauer Park

Muskauer Parkimpressionen-1

Muskauer Parkimpressionen-2

Muskauer Parkimpressionen-3

Muskauer Parkimpressionen-4

Im Rhododendronpark Kromlau

Friedrich Hermann Rötschke ließ ab 1860 in fast 10-jähriger Bauzeit über den 35 breiten Rakotz (Rakotz=sorbisch für Krebs) einen halbkreisförmigen Brückenbogen aus Basalt- und Feldsteinen errichten. Dieser spiegelt sich im Wasser zu einem vollständigen Kreis. Der Basalt wurde aus Steinbrüchen der Sächsischen Schweiz und Böhmen herangeschafft:

In Vollendung: Die Rakotzbrücke im gleichnamigen Rhododendronpark

Der Branitzer Park in Cottbus

„Mit dem Branitzer Park schafft Pückler eine äußerst reizvolle und abwechslungsreiche Landschaft mit Hügeln, Seen, Baumgruppen und Solitärs. Sein langjähriger Freund und Berater Karl August Varnhagen von Ense sagt über Branitz: Die Schöpferkraft, der Geist und der Geschmack des Fürsten (Pückler) zeigten sich in allem, in Großem und in Kleinem. Aus einer Sandwüste ist unter seinen Händen ein Paradies geworden… Er hat hier mehr getan, als in Muskau, wo er eine Landschaft vorfand. Hier mußte er sie erst erschaffen“. Bereits zu Lebzeiten des Fürsten Pückler ist der Branitzer Park öffentlich zugänglich und eine beliebtes Ausflugsziel; ein Ort der Ruhe, Entspannung und Erholung“. (2)

Branitzer Blumenrabatte mit der Stele von Pücklers Ehefrau, Lucie von Pappenheim

Schloß Branitz im Wasserspiegel

Parksichten-1

Parksichten-2

Fürst Pückler, Bibliothek und Pyramide im Park

Literatur:

(1):  Von Wallenstein zu Pückler“, Bad Muskau Touristik GmbH
(2): „Fürst Pücklers Welt-Lebenskunst und Landschaftskunst“, Stiftung Fürst-Pückler-Museum
Karten-Image:  © OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)

„Carolas Garten“ im 360°-Panorama

Leipzig, 27.02.2022

„Seit 2003 realisiert Yadegar Asisi die größten Panoramen der Welt. In Wien geboren, in Sachsen aufgewachsen und seit 1979 in Berlin lebend, hat er als Künstler, der das historische Panorama aus dem 19. Jahrhundert in das digitale Zeitalter überführt hat, eine singuläre Position inne. Die Themenvielfalt seiner Werke reicht von Stadtansichten über Naturräume bis hin zu historischen Momenten der Zeitgeschichte.

Das Panometer Leipzig präsentiert nun eine Reise in eine zauberhafte Welt -vertraut und doch ganz anders: COROLAS GARTEN thematisiert einen Garten wie aus der Sicht eines Pollenkorns oder eines Insekts. Als stünde man vor dem Blütenkelch einer Kamille, erschließt sich eine faszinierende Szenerie. Ringsherum öffnet sich der Blick auf die Welt des umgebenden Gartens und der Blumen, Pflanzen und anderen Bewohner.

Obgleich das Panorama einen Garten als Grundlage hat, hat Asisi die Szene verdichtet. Er stellt Elemente nebeneinander und verwebt sie in- und miteinander. So werden … alle vier Jahreszeiten in einem thematisiert. Angesprochen werden damit letztlich die großen Fragen und Themen des Lebens: Werden und Vergehen, Geburt und Tod, Wechselwirkungen und Schönheit“. (1)

 

 

 

 

 

 

PS: Die Fotos bzw. Collagen sind im Farblicht der Tagesmotiv-Scheinwerfer (s.o.) entstanden, was sich leider auf deren Qualität auswirkt…

Quellen:

(1): „Carolas Garten“, Besucher-Faltblatt des Panometers Leipzig, 2021

(v.k.)

Mit heißer Luft über Dresden unterwegs…

Im Luftraum über Dresden, 13. August 2021

Freitag der Dreizehnte: Ein Termin, um einmal richtig in die Luft zu gehen… 

Daß das Ballonfliegen eigentlich Ballonfahren heißt, war uns relativ neu. Es hat auch mit nichtvorhandenen Flügeln am Heißluftballon zu tun. In erster Linie aber mit der Begrifflichkeit, daß alles, was schwerer als Luft ist, fliegt und alles Leichtere- fährt!  Ganz prosaisch oder in der Sprache der ersten Ballonpioniere fahren die Schiffe also durch das Wassermeer und die Ballone eben durch das Luftmeer…

Soweit zur Terminologie. Praktisch heizen mehrere Propangas-gespeiste Brenner die Luft im oberen Bereich des des Heißluftballons auf bis zu 100°C auf. Die maximale Flughöhe ohne (Radar-) Transponder ist in Deutschland auf 3000 Fuß begrenzt. Eine direkte Einflußnahme, sprich: Steuerung der Flugrichtung ist allerdings nicht möglich. Sie bleibt dem Wind in der jeweiligen Lufthöhe und der Thermik überlassen. Das genaue Zielgebiet nach 1-2 Stunden Ballonfahrt liegt also immer etwas im Ungewissen…

Startvorbereitungen mit Gebläse, Brenner und geballter Manneskraft

Ballonkomponenten: Deckel (Parachute) im oberen Teil der Hülle, Korb mit Einstiegshilfen, Zweifach-Brennern und Überwachung der Gasflaschen

Noch etwas Physik gefällig? Mit einem Volumen von etwa 4000 Kubikmetern darf ein Ballon vorschriftsgemäß 1300kg heben. Mit dessen Eigengewicht von 500kg (bestehend aus der ca. 25 langen Nylon-Hülle, dem Korb aus Weidengeflecht, Brennern, Gasflaschen, Funktechnik und Transponder) bleiben für Pilot und uns Passagiere etwa 800kg übrig. Exakt gilt dies aber nur für eine Außentemperatur von +5°C,  jedes Grad mehr verringert das Mitnahmegewicht um 17,5kg. Bei +12°C schrumpft es also auf nur noch 700kg. Ein Grund, weshalb der Pilot im Hochsommer besorgt nach dem Thermometer schaut und sich schon lange vor dem Fahrtermin nach dem Gewicht der Gäste erkundigt. Natürlich mit der Hoffnung auf eine ehrliche Antwort…

Attention: „The ballon is startet…“

Nach dem Befüllen der Ballonhülle via Gebläse und dem ersten Anheizen über die Brenner muß es für uns sechs „Ballöner“ und ihren Piloten nun schnell gehen, der Heißluftballon zieht bereits kräftig an den Leinen. Wir fahren gen Osten und pendeln uns auf eine „Reisehöhe“ um 2500 Fuß und eine Geschwindigkeit zwischen 5-10 Knoten ein. Die Lufttemperatur hier oben ist am frühen Abend sommerlich warm: In unserem „Weidenkörbchen“ messen wir +20°C, das sind etwa 7°C weniger als am Boden: Der ausdrückliche Beweis dafür, daß die Berechnungsformel für den atmosphärischen Temperaturgradienten auch für Dresden und Umgebung gilt!    (Temperaturabnahme in der Troposphäre um 6.5°C pro 1000 Höhenmeter).

Doch genug damit. Eine beruhigende Stille breitet sich aus: Die mit zunehmender Höhe abnehmende Geräuschkulisse der Stadt wird nunmehr nur noch vom Zünden des Brenners oder die Kommunikation unseres Piloten mit dem Dresdener Verkehrsflughafen unterbrochen. Zeit also zum Staunen, zum Genießen und für Schnappschüsse mit dem Teleobjektiv:

Über dem Ensemble der Altstadt gelingt es beinahe, einmal in die Fenster zu schauen… 

Sichtachsen zwischen Großem Garten, Staatskanzlei mit Carolabrücke und südöstlicher Vorstadt

Blick auf ein eindrucksvolles Solarpaneel-Stadion und den Dresdener „Speckgürtel“

Abendlicher Verkehr auf der A17-Autobahnbrücke nach Prag und nach langer Corona-Abstinenz endlich auch wieder im Amphietheater „Junge Garde“

….der Sinkflug ist eingeleitet, nun heißt es genau zu navigieren zwischen Siedlungen, Feldern, Straßen und Hochspannungsleitungen

Fazit: Nach Unterweisung und Sicherheitscheck, einem Bilderbuchstart im Ostragehege, dem Schweben über Dresden und einer nicht ganz einfachen Landung (kritisch: Hochspannungsleitungen bei beginnender Dämmerung!) erfolgt die obligate Ballontaufe durch unseren sehr sicheren und umsichtigen (!) Piloten. Mit einem Glas Sekt und der Beurkundung, daß „alle Täuflinge nach Zunft und Ordnung der Ballöner mit Feuer, Erde und Taufwasser zu Fürsten von Heidenau getauft und an der Reise durch das Luftmeer mit gehörigem Benehmen und mit großem Mut teilgenommen haben“. Das „Verfolger“-Fahrzeug bringt uns nach der Vertäuung des Ballons und aller Komponenten sicher zum Messeplatz (Flutrinne des Ostra-Geheges) zurück. Sicher? Ganz sicher!

Es bleibt ein tolles, fast geräuschloses Erlebnis. Beinahe unbeschreiblich und doch atemberaubend schön. Und mit einer aus der Vogelperspektive ganz anderen Sicht auf die großen und kleinen Dinge unserer Welt…

(v.k.)