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Mit heißer Luft über Dresden unterwegs…

Im Luftraum über Dresden, 13. August 2021

Freitag der Dreizehnte: Ein Termin, um einmal richtig in die Luft zu gehen… 

Daß das Ballonfliegen eigentlich Ballonfahren heißt, war uns relativ neu. Es hat auch mit nichtvorhandenen Flügeln am Heißluftballon zu tun. In erster Linie aber mit der Begrifflichkeit, daß alles, was schwerer als Luft ist, fliegt und alles Leichtere- fährt!  Ganz prosaisch oder in der Sprache der ersten Ballonpioniere fahren die Schiffe also durch das Wassermeer und die Ballone eben durch das Luftmeer…

Soweit zur Terminologie. Praktisch heizen mehrere Propangas-gespeiste Brenner die Luft im oberen Bereich des des Heißluftballons auf bis zu 100°C auf. Die maximale Flughöhe ohne (Radar-) Transponder ist in Deutschland auf 3000 Fuß begrenzt. Eine direkte Einflußnahme, sprich: Steuerung der Flugrichtung ist allerdings nicht möglich. Sie bleibt dem Wind in der jeweiligen Lufthöhe und der Thermik überlassen. Das genaue Zielgebiet nach 1-2 Stunden Ballonfahrt liegt also immer etwas im Ungewissen…

Startvorbereitungen mit Gebläse, Brenner und geballter Manneskraft

Ballonkomponenten: Deckel (Parachute) im oberen Teil der Hülle, Korb mit Einstiegshilfen, Zweifach-Brennern und Überwachung der Gasflaschen

Noch etwas Physik gefällig? Mit einem Volumen von etwa 4000 Kubikmetern darf ein Ballon vorschriftsgemäß 1300kg heben. Mit dessen Eigengewicht von 500kg (bestehend aus der ca. 25 langen Nylon-Hülle, dem Korb aus Weidengeflecht, Brennern, Gasflaschen, Funktechnik und Transponder) bleiben für Pilot und uns Passagiere etwa 800kg übrig. Exakt gilt dies aber nur für eine Außentemperatur von +5°C,  jedes Grad mehr verringert das Mitnahmegewicht um 17,5kg. Bei +12°C schrumpft es also auf nur noch 700kg. Ein Grund, weshalb der Pilot im Hochsommer besorgt nach dem Thermometer schaut und sich schon lange vor dem Fahrtermin nach dem Gewicht der Gäste erkundigt. Natürlich mit der Hoffnung auf eine ehrliche Antwort…

Attention: “The ballon is startet…”

Nach dem Befüllen der Ballonhülle via Gebläse und dem ersten Anheizen über die Brenner muß es für uns sechs “Ballöner” und ihren Piloten nun schnell gehen, der Heißluftballon zieht bereits kräftig an den Leinen. Wir fahren gen Osten und pendeln uns auf eine “Reisehöhe” um 2500 Fuß und eine Geschwindigkeit zwischen 5-10 Knoten ein. Die Lufttemperatur hier oben ist am frühen Abend sommerlich warm: In unserem “Weidenkörbchen” messen wir +20°C, das sind etwa 7°C weniger als am Boden: Der ausdrückliche Beweis dafür, daß die Berechnungsformel für den atmosphärischen Temperaturgradienten auch für Dresden und Umgebung gilt!    (Temperaturabnahme in der Troposphäre um 6.5°C pro 1000 Höhenmeter).

Doch genug damit. Eine beruhigende Stille breitet sich aus: Die mit zunehmender Höhe abnehmende Geräuschkulisse der Stadt wird nunmehr nur noch vom Zünden des Brenners oder die Kommunikation unseres Piloten mit dem Dresdener Verkehrsflughafen unterbrochen. Zeit also zum Staunen, zum Genießen und für Schnappschüsse mit dem Teleobjektiv:

Über dem Ensemble der Altstadt gelingt es beinahe, einmal in die Fenster zu schauen… 

Sichtachsen zwischen Großem Garten, Staatskanzlei mit Carolabrücke und südöstlicher Vorstadt

Blick auf ein eindrucksvolles Solarpaneel-Stadion und den Dresdener “Speckgürtel”

Abendlicher Verkehr auf der A17-Autobahnbrücke nach Prag und nach langer Corona-Abstinenz endlich auch wieder im Amphietheater “Junge Garde”

….der Sinkflug ist eingeleitet, nun heißt es genau zu navigieren zwischen Siedlungen, Feldern, Straßen und Hochspannungsleitungen

Fazit: Nach Unterweisung und Sicherheitscheck, einem Bilderbuchstart im Ostragehege, dem Schweben über Dresden und einer nicht ganz einfachen Landung (kritisch: Hochspannungsleitungen bei beginnender Dämmerung!) erfolgt die obligate Ballontaufe durch unseren sehr sicheren und umsichtigen (!) Piloten. Mit einem Glas Sekt und der Beurkundung, daß “alle Täuflinge nach Zunft und Ordnung der Ballöner mit Feuer, Erde und Taufwasser zu Fürsten von Heidenau getauft und an der Reise durch das Luftmeer mit gehörigem Benehmen und mit großem Mut teilgenommen haben”. Das “Verfolger”-Fahrzeug bringt uns nach der Vertäuung des Ballons und aller Komponenten sicher zum Messeplatz (Flutrinne des Ostra-Geheges) zurück. Sicher? Ganz sicher!

Es bleibt ein tolles, fast geräuschloses Erlebnis. Beinahe unbeschreiblich und doch atemberaubend schön. Und mit einer aus der Vogelperspektive ganz anderen Sicht auf die großen und kleinen Dinge unserer Welt…

(v.k.)

In den Bergen des Montafon

Im August, 2020

Vorarlberg-Gebiet und Montafon

© OpenStreetMap-Mitwirkende

“Das Montafon ist das südlichste Tal im österreichischen Vorarlberg-Gebiet und gilt als eines der geologisch bedeutsamsten Täler der Alpen. Manche Rassegipfel zählen zu den formschönsten Erscheinungen der gesamten Ostalpen, allen voran die Zimba, die Drei Türme, die Madrisa oder das Große Seehorn. Das Durchstreifen der bei St. Gallenkirch zusammenstoßenden drei großen Gebirgsgruppen der Zentralalpen, nämlich des Rätikon, des Verwall und der Silvretta, spricht unweigerlich jeden Bergwanderer und Naturfreund an.

Gleich welchen Alters, gleich ob sportlich eingestellt oder mit Hang zur Muße, die Auswahl an Unternehmungen ist groß: Erholsame Tal-Spaziergänge an der Lebensader der Ill, durch urige Tobel und über duftende Bergmatten zu verschwiegenen Maisäßhütten, in unverfälschte Hochtäler oder vorbei an malerischen Seen, auf historischen Pfaden und Schmugglerwegen zu luftigen Graten und überwältigenden Aussichtsbergen im Reich der Dreitausender ” 

(aus: “Das Montafon-Rother Wanderführer” Bergverlag Rother GmbH, München, *für Nicht-Vorarlberger: Tobel= enges Tal/Schlucht; Maisäß=gerodete Almfläche

Der Piz Buin (3312m) am Fuße des Silvretta-Stausees

Neben Wandern, Sport und Erholung bietet das 40km lange Tal des Montafon zwischen Bodensee und der Schweizer Landesgrenze noch wesentlich mehr: Für uns in erster Linie interessante Ansichten und Einblicke in/auf:

  • Bergriesen und Gletscher, Felsmassive, Almen, Gebirgsbäche und intakte Natur 
  • die Kulturlandschaft der Montafon-Gemeinden am Fluß-Lauf von Ill und Litz zwischen St. Anton (650m) und Partenen(1050m)
  • den mittelalterlichen Bergbau zwischen Silbertal und Bartholomäberg
  • riesige Stauseen zum Betrieb der angeschlossenen Speicherkraftwerke (Lüner-, Vermunt-, Silvretta- und Kopsee)
  • industrielle Wasserkraft-Großprojekte der Österreicher Ill-Werke zur Trinkwasserbereitstellung und zur Energiegewinnung (Vermunt-Werke, Lünersee-Werk u.a.)
  • atemberaubende Straßenbauprojekte (Silvretta-Hochalpenstraße)

Montafon: Blick auf die Rätikon-Gebirgsgruppe

Zur Einstimmung: Wanderung entlang der Baumgrenze zum Gantakopf (1958m)

Etwas weiter oben Im Rätikon: Die Kanzelköpfe (2437m) an der Schweizer Landesgrenze

Und darüber: Berge und Freiheit pur…

Gipfelkreuz am Mutjöchle (2074m), Litz-Promenade in Schruns, Barockkirche in Bartholomäberg und Rellseck-Kapelle mit Blick zur Montafon-Talöffnung bei Bludenz

Ein herzliches “Glück auf” in Bartholomäberg, der Wiege des Montafon

Übrigens: Der über mehrere Jahrhunderte blühende Bergbau war die Voraussetzung für den verhaltenen Reichtum in dieser Region. Für uns als Freiberger und mittlerweile auch Mitinhaber des UNESCO Welterbe-Titels “Montanunion Erzgebirge/Krusnohori” nicht uninteressant: In den gut sortierten Beschreibungen vor Ort  finden sich mannigfaltige Verweise auf den Annaberger Hesse-Altar. Nebst mittelalterlichen Abbau-Methoden des Erzgebirges, speziell zum Pingen-Bergbau von Altenberg…

Das Gafall-Joch (2239m) an der Österreich-Schweizer Grenze, südlich des Lünersees

Die Lünersee-Staumauer im Talschluß das Brandnertals (1980m)

Der Stausee oben ist neben Vermunt-, Silvretta- und Kopsee einer der vier großen Stauseen des Vorarlberger Wasserkraftsystems, welche von den österreichischen Illwerken AG zwischen 1930 und 1969 AG errichtet wurden. Das System bersteht neben den o.g. Wasserspeichern aus einem Geflecht weitverzweigter ober- und unterirdischer Druckstollen und Kanäle. Diese speisen wiederum zehn Wasserkraftwerke, in denen Spitzenlast-Energie für den nationalen und internationalen Strommarkt erzeugt wird:

Faszination Silvretta-Hochalpenstrasse: Von Partenen zur Bielerhöhe und vorbei an Vermunt- und Silvretta-Stausee

Nicht zu Unrecht zählt die Silvretta-Hochalpenstrasse mit ihrer spektakulären Bergkulisse zu den schönsten und beliebtesten Gebirgsstraßen. Die “Traumstraße der Alpen” ist übrigens mautpflichtig und gehört den Österreichischen Illwerken AG. Zugelassene Fortbewegungsmittel auf dieser zwischen 1925 und 1954 in mehreren Etappen erbauten Strasse: Fahrrad, Mountainbike, Quad, Motorrad, Oldtimer sowie PKW/LKW, sofern sie eine Gesamtlänge von 13.8m nicht überschreiten! Und: Es gilt Hänger- und Nachtparkverbot…

Zu ihrer Agenda:

  • Seehöhe Mautstelle Partenen:  1.051 m
  • Passhöhe Bielerhöhe:  2.032 m
  • Länge der Silvretta-Hochalpenstraße:  22,3 km
  • Anzahl Kehren: 34
  • Steigung: 10 % bis max. 12 %, in den Kehren ca. 5 %

Der nächste Winter kommt bestimmt: Bis zu vier Meter hohe Stützverbauungen sollen den Schnee am Hang festhalten

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)

 

Im Tiroler Alpbachtal

Im September, 2019

Wanderurlaub in den Tiroler Bergen

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Der Ort Alpbach liegt etwa auf halbem Weg zwischen Kufstein und Insbruck in einem kleinen Nebental das Inns. Auf einem schrägen Plateau in SW-Richtung hingestreckt fällt er damit unter die Orte mit ausgeprägtem “Sonnenkinder-Image”. Die Bergwelt um das Tal ist lieblich und genau das richtige für Bergwanderer wie uns: Etwa 2500m beträgt die Gipfelhöhe der Berge Im Talschluß nach Süden; sie fällt damit bescheidener aus als die ihrer sichtbaren und schon schneebedeckten Nachbarn in den Dolomiten.

“Ob wandern, bergsteigen, mountainbiken oder einfach nur erholen und die schöne Natur genießen. Wohlfühlen steht in Alpbach im Vordergrund. Seit 1953 bauen die Alpbacher ausschließlich im hergebrachten Alpbacher Baustil und sind berechtigterweise stolz auf die bezaubernden und einheitlichen Holzhäuser. Seit 1945 ist das Dorf Tagungsort des „Europäischen Forum Alpbach“, an dem jährlich führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur teilnehmen. Das moderne Congress Centrum in Alpbach ist dank seiner genialen Architektur wunderbar in das Dorfbild dieses Tiroler Ortes integriert” (aus: “Alpbachtal-Seenland, Region und Orte”).

Alpbachtal

Alpbach-Panorama mit Gratlspitz im Norden (1893m)

Alpbachtal

Wegzeichen und Blaubeerenfelder am Wiedersberger Horn (2172m)

Alpbachtal

Seit uralten Zeiten wird in der Region Kupfer und Silber abgebaut und verhüttet…

Alpbachtal

Auf Wandertour zwischen Joelspitze (1964m) und dem Gipfelkreuz am Schatzberg (1898m)

Alpbachtal

Ausblick in das benachbarte Zillertal

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)