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Die Straße der Romanik

R o m a n,  R o m a n i k,  R o m a n t i k. . .

Kann eine Straße der Romanik romantisch sein? Und ob! Als Reiseweg an sich, der den Ort A mit Ort B verbindet, sicher weniger. Dafür jedoch die Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Bauten und Städte, die seinen Verlauf säumen! Die gute Nachricht: Es gibt genau so eine Straße in Sachsen-Anhalt, die einen unschätzbaren Reichtum an mittelalterlichen Baudenkmälern verbindet. Und die allesamt aus der Zeit-Epoche zwischen 950 und 1250 u.Z. stammen. Ein Magnet für die in Stein gewordene Geschichte des Mittelalters…

Übersichtskarte: Straße der Romanik

“Sachsen-Anhalt kann eine unvergleichliche Fülle an Baudenkmälern vorweisen, die einen geschichtlichen Einblick in die Epoche der Romanik bieten. Der Reichtum an kulturhistorisch wertvollen Baudenkmälern war Anlaß, 1993 diese Straße ins Leben zu rufen. Auf einer Länge von 1000km verbindet sie 88 romanische Bauwerke in 73 Orten. Diese sind eng verknüpft mit der Geschichte der Ottonen und der Königserhebung Heinrichs I. In ihrer 25-jährigen Geschichte hat sich die Romanische Straße zu einer der bedeutendsten Ferienstraßen Deutschlands entwickelt und zieht jährlich 1.5 Millionen Kultur- und Geschichtsinteressierte an. Seit 2007 ist diese Straße ein Teil der Europäischen Kulturroute TRANS-ROMANICA, die europäische Regionen in acht Ländern verbindet.” (1)

Die Romanische Straße verläuft in Form einer großen “8”. Wichtige Orte, die eng mit der Entstehung des ostfränkischen bzw. des späteren Heiligen Römischen Reichs zusammenhängen, liegen auf der Südroute eben dieser “8”. Genauer am Nordrand des Ostharzes, wo sich seine bewaldeten Höhen zur Ebene im Norden hinabsenken.


In den folgenden Beiträgen sollen die steinernen Zeugen dieser Zeitepoche vorgestellt werden. Die Strasse der Romanik verspricht eine interessante und spannende Reise im Herzen Mitteldeutschlands…


  • Karten-Image:  Übersichtskarte “Das Mittelalter erleben: Die Strasse der Romanik in Sachsen-Anhalt”, Herausgeber: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
  • Quellentext (1) aus: “FASZINATION Strasse der ROMANIK in Sachsen-Anhalt”, Informations- Broschüre des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt e.V.; Danzstraße 1, D-39104 Magdeburg
  • https://www.strassederromanik.de

(v.k.)

Königsorte an der Straße der Romanik (10)

09.08.2021

An der Strasse der Romanik: Im Kloster Hecklingen

Das Benediktinerinnenkloster Hecklingen

“Auf einer Nahtstelle zwischen auslaufender Magdeburger Börde und nordöstlichem Harzvorland liegt unweit der Bodestadt Staßfurt die … Hecklinger Basilika. Die früheste urkundliche Erwähnung eines Klosters liegt mit der Bulle des Papstes Innozenz II. aus dem Jahre 1140 vor. Dort wird Graf Bernhard I. von Plötzkau, der zwischen 1060 und 1070 verstarb,  ausdrücklich als der Stifter des Klosters bezeichnet, dessen Gründung dadurch auf die Mitte des 11. Jh. angesetzt werden kann. Jene Bulle aus dem 12. Jh. ist eine Antwort auf eine Bitte um Schutz, die von der ersten Hecklinger Äbtissin, Irmengard, an den Papst gerichtet worden war. Nach dem Aussterben der Plötzkauer (1147) übernahmen die Askanier die Vogtei. In einer Urkunde von 1190 wird das Kloster als Augustinerinnenkonvent bezeichnet”. (1)

Das üppig geschmückte Langhaus mit neo-romanischer Ausmalung, schmuckvollen Säulen und Kapitellen

Das Kirchenschiff mit dem farbenfrohen Engels-Zyklus

Hecklingens Ruhm liegt sicher auch im faszinierenden Zyklus der vierzehn Stuckengel begründet. Diese im Jahr 2001 restaurierten Figuren aus der Zeit um 1225 befinden sich beidseits der Langhauswände und dominieren in Ausstattung und Farbenfreude das gesamte Kirchenschiff. “Abends will ich schlafen gehn, vierzehn Engel um mich stehn”… Wer kennt sie nicht, die schützenden Engel aus der romantischen Oper Engelbert Humperdincks? 

Ein weiteres Highlight sind die Stuck-Köpfe über den Arkadenbögen der Nordwand, die zur gleichen Zeit wie die Stuckengel angebracht worden sind. Sie werden den Stiftern des Hecklinger Klosters zugeordnet. Unter diesen befinden sich neben auch Kaiser Lothar III. von Süpplingenburg und seine Gattin Richenza.

Die Säulenhalle im westlichen Mittelschiff der kryptalosen Kosterkirche (“Paradies”)

Die Klosterkirche besticht durch ihre üppige Ausstattung, insbesondere ihren Figurenschmuck und die überaus reiche Ornamentik. Die restaurierte romanische Bausubstanz mit ihrer neoromanischen Ausmahlung (1880) zählt damit (auch für uns) zu den schönsten Sakralbauten des Vorharzgebietes. Die in den 1990-iger Jahren erfolgte zweite Sanierung des Gebäudes wird sicher für jeden interessierten Laien sichtbar. Nachfolgenden Bilder zeigen einige Details:

In der Säulenhalle befinden sich die meisten der kunstvollen Bildhauerarbeiten

Säulenkapitell, Fensterdetail und 1,25m großer Stuckengel

Blattknospen-Kapitell, Taufstein (16.Jh.) und östlicher Chorraum

Von der angrenzenden romanischen Klosteranlage sind dagegen nur noch wenige Rudimente erhalten:

Nach 1559 wurde das säkularisierte Kloster in ein Rittergut umgewandelt und in der nachfolgenden Zeit zu einem Schloß umgebaut:

Quellen:

(1): Die Klosterkirche zu Hecklingen; PEDA-Kunstführer Nr. 470/2007

(v.k.)

Mit heißer Luft über Dresden unterwegs…

Im Luftraum über Dresden, 13. August 2021

Freitag der Dreizehnte: Ein Termin, um einmal richtig in die Luft zu gehen… 

Daß das Ballonfliegen eigentlich Ballonfahren heißt, war uns relativ neu. Es hat auch mit nichtvorhandenen Flügeln am Heißluftballon zu tun. In erster Linie aber mit der Begrifflichkeit, daß alles, was schwerer als Luft ist, fliegt und alles Leichtere- fährt!  Ganz prosaisch oder in der Sprache der ersten Ballonpioniere fahren die Schiffe also durch das Wassermeer und die Ballone eben durch das Luftmeer…

Soweit zur Terminologie. Praktisch heizen mehrere Propangas-gespeiste Brenner die Luft im oberen Bereich des des Heißluftballons auf bis zu 100°C auf. Die maximale Flughöhe ohne (Radar-) Transponder ist in Deutschland auf 3000 Fuß begrenzt. Eine direkte Einflußnahme, sprich: Steuerung der Flugrichtung ist allerdings nicht möglich. Sie bleibt dem Wind in der jeweiligen Lufthöhe und der Thermik überlassen. Das genaue Zielgebiet nach 1-2 Stunden Ballonfahrt liegt also immer etwas im Ungewissen…

Startvorbereitungen mit Gebläse, Brenner und geballter Manneskraft

Ballonkomponenten: Deckel (Parachute) im oberen Teil der Hülle, Korb mit Einstiegshilfen, Zweifach-Brennern und Überwachung der Gasflaschen

Noch etwas Physik gefällig? Mit einem Volumen von etwa 4000 Kubikmetern darf ein Ballon vorschriftsgemäß 1300kg heben. Mit dessen Eigengewicht von 500kg (bestehend aus der ca. 25 langen Nylon-Hülle, dem Korb aus Weidengeflecht, Brennern, Gasflaschen, Funktechnik und Transponder) bleiben für Pilot und uns Passagiere etwa 800kg übrig. Exakt gilt dies aber nur für eine Außentemperatur von +5°C,  jedes Grad mehr verringert das Mitnahmegewicht um 17,5kg. Bei +12°C schrumpft es also auf nur noch 700kg. Ein Grund, weshalb der Pilot im Hochsommer besorgt nach dem Thermometer schaut und sich schon lange vor dem Fahrtermin nach dem Gewicht der Gäste erkundigt. Natürlich mit der Hoffnung auf eine ehrliche Antwort…

Attention: “The ballon is startet…”

Nach dem Befüllen der Ballonhülle via Gebläse und dem ersten Anheizen über die Brenner muß es für uns sechs “Ballöner” und ihren Piloten nun schnell gehen, der Heißluftballon zieht bereits kräftig an den Leinen. Wir fahren gen Osten und pendeln uns auf eine “Reisehöhe” um 2500 Fuß und eine Geschwindigkeit zwischen 5-10 Knoten ein. Die Lufttemperatur hier oben ist am frühen Abend sommerlich warm: In unserem “Weidenkörbchen” messen wir +20°C, das sind etwa 7°C weniger als am Boden: Der ausdrückliche Beweis dafür, daß die Berechnungsformel für den atmosphärischen Temperaturgradienten auch für Dresden und Umgebung gilt!    (Temperaturabnahme in der Troposphäre um 6.5°C pro 1000 Höhenmeter).

Doch genug damit. Eine beruhigende Stille breitet sich aus: Die mit zunehmender Höhe abnehmende Geräuschkulisse der Stadt wird nunmehr nur noch vom Zünden des Brenners oder die Kommunikation unseres Piloten mit dem Dresdener Verkehrsflughafen unterbrochen. Zeit also zum Staunen, zum Genießen und für Schnappschüsse mit dem Teleobjektiv:

Über dem Ensemble der Altstadt gelingt es beinahe, einmal in die Fenster zu schauen… 

Sichtachsen zwischen Großem Garten, Staatskanzlei mit Carolabrücke und südöstlicher Vorstadt

Blick auf ein eindrucksvolles Solarpaneel-Stadion und den Dresdener “Speckgürtel”

Abendlicher Verkehr auf der A17-Autobahnbrücke nach Prag und nach langer Corona-Abstinenz endlich auch wieder im Amphietheater “Junge Garde”

….der Sinkflug ist eingeleitet, nun heißt es genau zu navigieren zwischen Siedlungen, Feldern, Straßen und Hochspannungsleitungen

Fazit: Nach Unterweisung und Sicherheitscheck, einem Bilderbuchstart im Ostragehege, dem Schweben über Dresden und einer nicht ganz einfachen Landung (kritisch: Hochspannungsleitungen bei beginnender Dämmerung!) erfolgt die obligate Ballontaufe durch unseren sehr sicheren und umsichtigen (!) Piloten. Mit einem Glas Sekt und der Beurkundung, daß “alle Täuflinge nach Zunft und Ordnung der Ballöner mit Feuer, Erde und Taufwasser zu Fürsten von Heidenau getauft und an der Reise durch das Luftmeer mit gehörigem Benehmen und mit großem Mut teilgenommen haben”. Das “Verfolger”-Fahrzeug bringt uns nach der Vertäuung des Ballons und aller Komponenten sicher zum Messeplatz (Flutrinne des Ostra-Geheges) zurück. Sicher? Ganz sicher!

Es bleibt ein tolles, fast geräuschloses Erlebnis. Beinahe unbeschreiblich und doch atemberaubend schön. Und mit einer aus der Vogelperspektive ganz anderen Sicht auf die großen und kleinen Dinge unserer Welt…

(v.k.)

Königsorte an der Straße der Romanik (9)

07.-08.08.2021

An der Strasse der Romanik: Unterwegs in Magdeburg 

In der Übersicht zur Straße der Romanik sind für Magdeburg vier große Bauwerke aus dieser Epoche (1000-1250) aufgeführt. Wir haben sie uns -neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten- genauer angeschaut.

1. Dom zu Magdeburg

“Im Mittelalter galt Magdeburg neben Konstantinopel als “drittes Rom”. Otto der Große (912-973), Gründer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im 10. Jahrhundert, wählte Magdeburg zu seiner Lieblingspfalz. 1209 begann der Bau der ersten gotischen Kathedrale in Deutschland. Während Magdeburg im Laufe der Geschichte mehrmals in Schutt und Asche versank, blieb der Dom bestehen als Wahrzeichen christlicher Hoffnung, kirchlicher Tradition, künstlerischen Bauwillens und gesellschaftlicher Herausforderung”. (1,2)

 

 

 

 

 

 

 

 

Das gewaltige Bauwerk an der Elbe ist natürlich das berühmteste Wahrzeichen der Stadt Magdeburg. Darüberhinaus ist es der erste gotische Dom auf deutschem Boden, die Grablege Otto I. (des Großen) und last not least der größte Sakralbau im Osten Deutschlands. Mit seinem Bau wurde nach dem Brand der 955 errichteten Ottonischen Kaiserbasilika im Jahre 1209 begonnen. In der heutigen Dimension erreicht das Langhaus eine Länge von 120m bei einer Höhe von 32m, die erst im Mittelalter vollendeten Westtürme erreichen eine Gesamthöhe von 100m:

Domsichten: Lettner-Pforte am Ostteil des Kirchenschiffs, Kreuzgang und Langhaus

Heilig-Grab-Kapelle mit dem kaiserlichen Herrscherpaar (Otto I. und seine Gemahlin Editha) sowie Editha-Epitaph

Sarkophag von Kaiser Otto I. vor dem Kreuzaltar

Vor der Krypta das Magdeburger Doms

Westliches Domportal

2. Kloster Unser Lieben Frauen

“Das ab 1064 errichtete Bauwerk gehört zu den besterhaltenen aus der Zeit der Romanik. Kirche und Kreuzgang vermitteln einen authentischen Eindruck der usrsprünglichen Anlage  des 1017/1018 gegründeten Kollegiatstiftes. Heute befindet sich darin das Kunstmuseum der Landeshauptstadt”. (1)

 

 

 

 

 

 

3. Katholische Kathedrale St. Sebastian

“Zusammen mit dem Kloster 1015 begründet, 1170 neu errichtet und im Spätmittelalter gotisch umgebaut, ist die Kathedralkirche St. Sebastian heute Sitz des katholischen Bischofs von Magdeburg. Sie wurde durch den umtriebigen Magdeburger Erzbischof Gero als Kollegiatstift gegründet. Besonders wegen eines Kopfreliquars des Heiligen Sebastian, der zugeschrieben wurde, das Bistum vor dem eindringenden Heer Heinrichs IV. beschützt zu haben, blühte die Kirche schnell auf und galt als vornehmstes Stift Magdeburgs nach dem Dom. So konnte das erste Bauwerk bereits 1170 durch eine romanische Basilika ersetzt werden”. (2)

St. Sebastian: Langhaus und zentrale Bündelsäule

4. Universitätskirche St. Petri

“Um 1150 begründet, beeindruckt die St. Petrikirche mit seinem romanischen Wehrkirchturm, dem gotischen Kirchenschiff und moderner Glasmalerei. Seit 1999 dient sie als katholische Universitätskirche”. (2)

 

 

 

 

 

 

Quellen:

(1): “Das Mittelalter erleben-Die Straße der Romanik”, Begleittext der Übersichtskarte; Medianagentur Sachsen-Anhalt

(2): https://www.magdeburg-tourist.de/Romanik

(3): Dom zu Magdeburg: St. Mauritius und St. Katherina; Herausgeber: Evangelische Domgemeinde Magdeburg, 2020

(v.k.)

 

Königsorte an der Straße der Romanik (8)

06.08.2021

An der Strasse der Romanik: Auf der A14 unterwegs zum Petersberg, nach Bernburg Waldau und Nienburg

1. Stiftskirche Sankt Petrus bei Halle

“Die Stiftskirche Sankt Petrus auf dem Petersberg bei Halle ist die erste bedeutende Grabstätte der Wettiner. Dedo IV. von Wettin und sein Bruder Konrad I. gründeten 1124 auf dem Mons serenus (Lauterberg) , wie der Petersberg im Mittelalter hieß, ein Augustiner-Chorherrenstift als spätere Grablege ihres Geschlechts. Geweiht wurde die dreischiffige kreuzförmige Basilika zwischen 1142 und 1151. Zwischen 1146 und 1217 war die Klosterkirche Begräbnisstätte der Wettiner. Konrad I. war der erste und einzige Markgraf von Meißen, der hier bestattet wurde. Mit der Verlagerung des Herrschaftszentrums in die Mark Meißen wurde das Kloster Altzella zur neuen Grablege der Wettiner”. (1)

Im Kircheninneren der zwischen 1853 und 1857 weitgehend originalgetreu wiederaufgebauten Stiftskirche

Grabplatten und Kenotaph der in der Stiftskirche beigesetzten Wettiner

Zur Gründungszeit des Augustiner-Chorherrenstifts war bereits ein Sakralbau auf dem Berg vorhanden, die sogenannte Alte Kapelle (Capella Vetus), deren Bauzeit vermutlich am Ende des 10. Jahrhunderts lag.

Rudimente der Burgmauer aus dem 10./11. Jh., die prunkvolle Grabstätte von Markgraf Konrad I. (1098-1157) und seiner Gemahlin Lucardis sowie südliches Querhausportal

Holzbalkendecke, Rundfenster und Seitenschiff

2. Dorfkirche St. Stefani in Bernburg-Waldau

“Zahlreiche Besucher waren bereits von der Schönheit der romanischen Stephanskirche im Bernburger Ortsteil Waldau begeistert. Scheinbar frei von späteren Veränderungen hat sich hier ein Beispiel für den in der Region häufig anzutreffenden Dorfkirchentyp (flachgedeckter Feldsteinbau mit Westquerturm) … erhalten. Die Historiker sind sich darüber einig, daß diese Pfarrkirche Teil der Stiftung des berühmten Markgrafen Gero an sein neu gegründetes Hauskloster in Gernrode war. Der Waldauer Kirchenbau war bezüglich seiner Funktion keine einfache “Dorfkirche”, sondern im Hochmittelalter Sitz eines Archipresbyters. Das heißt, dem dortigen Geistlichen unterstanden die Priester seines Sprengels”. (2)

Im Kirchenschiff

3. Das Benediktinerkloster in Nienburg

“Die Klosterkirche Nienburg ist eine der großen gotischen Hallenkirchen in Anhalt an der Strasse der Romanik. Sie geht als Klosterkirche auf das 11. Jahrhundert zurück. Bereits 975 war das vom Kölner Erzbischof Gero und seinem Bruder Thietmar in Thankmarsfelde im Harz gegründete Benediktinerkloster nach Nienburg verlegt worden.

1004 wird die erste Kirche des Reichsklosters Nienburg in Gegenwart von Heinrich II. dem heiligen Cyprian geweiht. Diese Kirche brennt 1050 ab, 1060 entsteht ein neuer romanischer Bau. 1166 wird das Kloster dem Magdeburger Erzbischof unterstellt und büßt damit seine Stellung ebenso wie zahlreiche Ländereien ein”.(3)

Nach Kämpfen zwischen dem Magdeburger Erzbischof und dem Markgrafen von Brandenburg werden Kloster und Kirche zerstört. Sie entstehen neu im gotischen Stil, bis sie 1280 wieder abbrennen und einer gotischen Hallenkirche weichen müssen.

Leider war die Klosterkirche trotz Voranmeldung im angegebenen Zeitraum nicht zu besichtigen. Nicht nur für uns, sondern auch für andere angereiste Interessenten. Sehr schade. Es bleibt zu hoffen, daß die Landeskirche dieses in ihrer Verantwortung liegende Kleinod der Romanik zukünftig angemessener präsentiert.

Quellen:

(1): Worldhistory-Personen der Weltgeschichte aus : http://worldhistory.de/wnf/navbar/wnf.php?oid=8841

(2): Mittelalter-Orte in Bernburg aus: https://www.boehlk.eu/mittelalterorte/st-stephan-bernburg-waldau/

(3): Klosterkirche Nienburg: Evangelische Landeskirche Anhalts

(v.k.)

Winter(sport)liches

14. Februar 2021

Zwischen der Idee, im Freiberger Umland ein Loipennetz für Skifahrer zu installieren und ihrer prompten Umsetzung durch findige Zeitgenossen, liegt nicht mehr als eine reichliche Woche: Schnell und unkompliziert, aber professionell gespurt, lädt ab Mitte Februar eine gespurte Loipe alle Langlauf-Fans zu Sport und Erholung “vor den Toren der Stadt” ein. Eine klare Ansage an die restriktive und mehr als verschwurbelte 15km-Radius Verordnung aus dem CORONA-Instrumentenkasten !

Das präparierte Gelände liegt übrigens im Südwesten des Freiberger Bergbaureviers zwischen den ehemaligen Gruben Himmelsfürst (Brander Revier) und der Freiberger Himmelfahrt-Fundgrube. Es wird von den winterlich verschneiten Übertage-Anlagen zahlreicher Schächte des einstigen Silberbergbaus dominiert:

Das Entscheidende dabei: Die Idee funktioniert außerordentlich gut, wie die Bilder zeigen…

Der Andrang schon vor den Loipeneinstiegen ist groß und nicht zu übersehen.

Ein Loipeneinstieg liegt direkt an der Bundesstrasse 101 vor dem bergbauhistorischen Haldengelände im Ortsteil Freiberg-Zug…

…und unweit des hochgelegenen Dreibrüderschachtes.

Und: Bei Kaiserwetter, herrlichem Sonnenschein und Wohlfühl-Temperaturen um -5°C auf der Skitour sind sie immer in Sichtweite:

Die bewachsenen Abraumhalden, einzelne Abschnitte des Kunstgrabens oder die winterlich verschneiten Silbergruben des ehemaligen Bergbaureviers. Auf der Collage unten die Übertage-Anlagen des Konstantin-Schachtes.

Karten-Image: © OpenStreetMap-Mitwirkende

(v.k.)

Fast ein Wintermärchen…

Freiberg, 17. Januar 2021

Ein Wintermärchen? Nur bedingt, denn auch das neue Jahr 2021 beginnt tief im Pandemie-Modus: Die Corona-Schutzbestimmungen hier in Sachsen sind restriktiv und machen die attraktiven Ski- und Wintersportgebiete sowohl im Böhmischen als auch im Oberen Erzgebirge für uns unerreichbar (Aufenthalte nur im 15km Radius möglich)!

Daß sich die Natur um krisenbedingten Lockdown, fehlende Impfstoffe in der EU oder Sinn bzw. Unsinn diverser Epidemie-Einschränkungen nicht schert, wollen die Bilder zeigen: Insbesondere der Wald hier im Erzgebirge ist zu einem verwunschenen Winterort geworden, voller Schönheit und voller Zurückhaltung. Und genau so märchenhaft weiß und tief verschneit sind die Straßen, Wege und Bahnlinien in seinem Umfeld, deren Enden sich irgendwo im Nirvana verlieren… 

Die Bilder zeigen aber auch, daß man zum Erleben dieser Schönheit nicht weit in die Ferne schweifen muss:

(v.k.)

Unterwegs im Osterzgebirge (9)

Neujahr 2021: Im Tal der Schwarzen Pockau

04. Januar 2021

Kurz vor dem Jahreswechsel ist der erste Schnee auch im oberen Pockau-Tal gefallen…

“Das Schwarzwassertal liegt etwa 40 Autominuten südlich von Chemnitz direkt an der tschechischen Grenze zwischen den beiden Orten Kühnhaide und Pobershau. Durch das Tal fließt, malerisch in Wiesen und Wald eingebettet, die Schwarze Pockau. Über ihr verläuft der sogenannte grüne Graben – ein künstlich angelegter Wassergraben. Entlang dieser beiden Gewässer führen fast parallel zwei Wanderwege, die hin und wieder über Brücken, die von einer Flussseite zu anderen führen, miteinander verbunden werden. 

Während im südlichen Teil des Tals bei Kühnhaide das Wasser eher sanft dahinfließt und nur hier und da kleine Bäche und Rinnsale sich ihren Weg durch den Wald bahnen, ist der obere Teil des Tals rund um Pobershau richtig wild.  Dort befinden sich der hoch gelegene Katzenstein, der Nonnenfelsen und eine Steinformation mit dem Namen Teufelsmauer, die den Fluss richtig wild sprudeln lässt” (aus: “Wanderfolk, März 2020”)

Vor der Steinernen Brücke

Auf dem Wanderweg zum Nonnenfelsen und zur Teufelsmauer

Vorbildliche Beschilderung am wild rauschenden Gebirgswasser…

(v.k.)

Königsorte an der Straße der Romanik (7)

03.07.2020

An der Strasse der Romanik: Unterwegs im Nordharz zum Kloster Michaelstein, zur Stiftskirche St. Cyriakus und zur Kirche St. Johannis

1. Kloster Michaelstein

Die in der Nähe von Blankenburg/Harz liegende ehemalige Zisterzienserabtei Michaelstein wurde 1146 gegründet. Sie fasziniert durch das Zusammenspiel von gut erhaltenen Klausurräumen mit romanischen und gotischen Architekturelementen, stetig grünen Klostergärten und einer modernen Musikausstellung “Klang-Zeit-Raum-dem Geheimnis der Musik auf der Spur”. Das Gros der ehemaligen Klostergebäude und Wirtschaftsanlagen (Torhaus, Wirtschaftshof, Refektorium, Kreuzgang, Kapitelsaal, Kräutergarten, Fischzuchtteiche usw.) befindet sich nach unserer Einschätzung in einem erstaunlich guten Zustand, so daß sich ein Besuch der Anlage in jedem Fall lohnt!

Kreuzhof: Blick in den Lesegang

“In der Stiftungsurkunde von 1146 bezeichnete sich die Äbtissin Beatrix II. von Quedlinburg als Gründerin des Klosters. Aus der Bestätigungsurkunde Papst Eugens III. von 1152 stammt die erste eindeutige Erwähnung eines Zisterzienserkonvents. Aus dem anfänglich beschwerlichen Leben entwickelte sich eine wirtschaftlich erfolgreiche Abtei. Wie die Benediktiner hatten sich auch die Zisterzienser dem Motto “Beten und Arbeiten” verschrieben. Schenkungen, die gelobte Armut sowie das von Arbeit und strenger Eigenwirtschaft bestimmte Leben erhöhten den klösterlichen Besitz bis zum Ende des 12. Jahrhunderts auf etwa 500 Hufen (ca. 3500 ha), hundert Jahre später auf etwa 700 Hufen. In alten Karten sind z.B. die Bezeichnungen von Mühlen, Weinberg, Hopfen- und Obstgärten zu finden. 1525 ereilte Michaelstein das gleiche Schicksal wie viele andere Klöster seiner Zeit auch. Am 10.Mai überfielen, plünderten und zerstörten aufständische Bauern die Klostergebäude teilweise. Sie zerstörten nicht die Klosterkirche, aber Bildnisse und Darstellungen. Nach Einführung der Reformation 1543 wird Michaelstein protestantische Klosterschule. Nach Wiederaufnahme des Klosterbetriebs durch die Zisterzienser im 30-jährigen Krieg entsteht 1721 ein Kollegiatsstift. Heute beherbergt es u.a. die Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt” (aus: Kloster Michaelstein, Verlag Janos Stecovics, 2018)   

Torhaus und Eingang zum Wirtschaftshof, rechts: Ordensregeln der Zisterzienser

Innenhof, Arkadengang, romanisches Kapitell im Kapitelsaal und der früher einzig beheizbare Raum im Kloster: das Kalefaktorium

Im Klostergarten

2. Stiftskirche St. Cyriakus  (Frose)

St. Cyriakus ist eine flach gedeckte Pfeilerbasilika ohne Krypta und stammt aus der Zeit um 1170.

“Die Stiftskirche “Sankt Cyriacus” in Frose wurde von Markgraf Gero um 950 als Benediktinerkloster gegründet. Sie ist dem heiligen Cyriakus, einem der 14 Nothelfer geweiht. Ab 961 war Frose, wie auch die Stiftskirche in Gernrode, ein Damenstift.
Im Jahre 1138 soll Frose zerstört worden sein. Deshalb wurde um 1170 mit dem Bau der heute noch existierenden spätromanischen Stiftskirche begonnen.
Der heutige ab 1170 geschaffene Bau gliedert sich in das Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen, den Chor im Osten, das Mittelhaus und den wuchtigen Turmbau mit seinen Doppeltürmen auf der Westseite. Deren Bekrönung stammt aus der Zeit um 1250. Die neuromanische Ausstattung ist einheitlich und stammt von 1892. An der Stiftskirche Frose hat in den Jahren 1516 und 1517 der charismatische Thomas Münzer als Propst gewirkt. Müntzer, ein Zeitgenosse Martin Luthers, führte die aufständischen Bauern in den mitteldeutschen Bauernkrieg, der 1525 auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen mit einer verheerenden Niederlage für die Bauern endete” (aus: Romanikstraße, Geocach-Beschreibung des Kirchen-Bauwerkes mit den Koordinaten N 51°47’849 und E 011°22’391)

3. Kirche St. Johannis in Wernigerode

“Die evangelische Johanniskirche befindet sich am nordwestlichen Rand der historischen Neustadt und ist in ihrer romanischen Gesamtsubstanz die älteste erhaltene Kirche in Wernigerode. Sie wure im letzten Drittel des 13. Jh. gebaut. Zu den wertvollsten Ausstattungsstücken gehört wohl der aus dem Jahre 1415 stammende vierflügelige Schnitzaltar. (aus: “Das Mittelalter erleben-Die Straße der Romanik”, Übersichtskarte und-Beschreibung, Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt)

 

 

 

 

 

 

 

 

(v.k.)