Schlagwort-Archiv: Erkundungen

Sommerausklang auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

14.-25.09.2025

Wenn wir zwei in diesem Jahr im Ostseebad Zingst „Urlaub auf dem Darß“ machen, haben wir sicher keine schlechte Wahl getroffen. Allerdings mit dieser Beschreibung auch gleich den ersten geographischen Fauxpas begangen. Denn: Die Gemeinde Zingst mit ihren rund 2800 Einwohnern liegt auf einem Landschaftsteil, der bis 1874, durch den Prerowstrom im Westen vom Darß getrennt, selbständige Insel war: die damalige Insel ZINGST. Das gleiche gilt für den angrenzenden Landschaftsteil Darß, der bis 1394 vom südlichen Fischland durch den Darßer Kanal („de Loop“) ebenfalls Insel war- die damalige Insel DARSS. Und last not least auch für das Fischland, das bis zum Ende des 14.Jhd. durch den Fluß Recknitz vom Festland getrennt war und ebenfalls Inselstatus hatte- die Insel FISCHLAND. Beide Flüsse und der Kanal wurden aus geopolitischen und wirtschaftlichen Gründen von Menschenhand zerstört und zugeschüttet, so daß es heut nur noch eine zusammenhängende Halbinsel auf diesem Längengrad zwischen Ostsee und Boddengewässer gibt. Wir sind also mit unseren Wanderungen und den Radl`n zwischen den Ostseebädern Zingst, Prerow und Ahrenshoop richtigerweise auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst unterwegs. Wieder etwas dazugelernt…

Bücher, Bildbände und Reisebeschreibungen über dieses wunderschöne Gebiet in Mecklenburg-Vorpommern mit seinem Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ gibt es zuhauf, hier nur einige Bilder und Collagen mit unseren persönlichen Erlebnissen: 

♦ Auf dem Zingst

Kranichzeit: Wenn in den Herbstmonaten die Kraniche alljährlich ihre Reise aus dem Norden unterbrechen, um in den Gefilden der Halbinsel Zwischenrast einzulegen, haben die Beobachtungsstellen am Pramort Hochbetrieb. 2024 sind hier vor ihrem Weiterflug gen Süden ca. 60.000 Tiere gezählt worden. So jedenfalls die Auskunft des sachkundigen Rangers.

Freßpause, Putzzeit, Geschnatter ohne Ende und Balztänze der Vögel am Tagesausklang

Neben Schiffen, Kunst und interessanten Inselgebräuchen nimmt der alljährliche Kranichzug auch im Zingster Heimatmuseum einen großen Raum ein, wie die Bilder unten beweisen:

Die Kraniche sind hier überall, statt ihrer grauweißen Gefieder hier allerdings künstlerisch verarbeitet und in den schönsten Farben

Abseits der Buhnen und der Zingster Seebrücke: Leuchtendes Wollgras und Weißes Pampasgras (Mitte)

Wenn das kein Timing ist: Ein Konzert der Sächsischen Bläserserenade unter der Leitung von Siegfried Mehlhorn in der evangelischen Peter-Pauls-Kirche des Ortes. In dieser Kirche trat übrigens im Juni 1935- und dies im Rahmen eines theologischen Seminars- der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer auf

Zingster Strandansichten (1)

Zingster Strandansichten (2)

Auf dem Darß: Rund um Prerow und Ahrenshoop

Was die Kranichbeobachtung vor der Großen Kirr und Pramort ist, das ist die Beobachtung des Rotwildes am Darßer Ort. Auf der nördlichsten Spitze des Darß durch feste Wege an den Strandabschnitten des Nationalparks geschützt, bieten mehrere Bebachtungsstellen die Möglichkeit, Rot- und Schwarzwild ganzjährlich zu beobachten. Auch uns sind in sicherer Entfernung mehrere Tiere vor die „Linse“ gelaufen:

Auf erfolgreicher Rotwild-Fotopirsch: Der Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ ist übrigens mit einer Größe von 78.600 ha der größte deutsche Ostsee-Nationalpark

Der hölzerne Turm der Prerower Seemannskirche stammt aus der „Schwedenzeit“ (1648-1815) und diente früher den Seeleuten als Peilpunkt auf ihrem Weg von der Ostsee in die Mündung des Prerow-Stroms. Die Kirche selbst wurde zwischen 1726-1728 erbaut und ist das älteste Gebäude auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die alten kunstvoll verzierten Grabsteine auf dem Friedhof erinnern an die Zeit, in der die Halbinsel einst Land der Kapitäne und Seeleute war und die Schiffahrt ihren Wohlstand ausmachte  

Die 720m lange Prerower Seebrücke (oben) und der Leuchtturm am Darßer Ort. Die Seebrücke aus Beton und mit Knick ist übrigens die längste im Ostseeraum und wurde 2024 fertiggestellt, der 35 m hohe Leuchtturm wurde 1848 erbaut und ist noch immer in Betrieb- heute allerdings ferngesteuert

Werbung und Blickfang auf Rädern: Das am meistem fotografierte Haus am Strand von Ahrenshoop…

…die Schifferkirche (links oben) und typische Ahrenshooper Ortseindrücke

In den Galerien der Ahrenshooper Kunstkaten (links) und Urlaubsabschied am abendlichen Strand 

Quellen:

(1): Das kleine Fischland-Darß-Zingst-Buch, Rhino-Verlag, Ilmenau, 2023
(2): https://www.fischland-darss-zingst.de/region.html  
(3): https://www.zingst.de/

(v.k.)

Barclay de Tolly: Sonderausstellung in Dresden

28.07.2025

„Napoleon  marschierte mit seiner Grande Armee am 24. Juni 1812 in das russische Zarenreich ein. Im September brannte die Hauptstadt Moskau. Anderthalb Jahre später, im März 1814, standen russische Truppen mit ihren Verbündeten in Paris. Napleon war geschlagen und dankte ab. Mehrere blutige Feldzüge lagen dazwischen. Für die letztlich erfolgreiche Kriegsführung der russischen Truppen trug der Livländer Michael Barclay de Tolly die Federführung. Sein Anteil am Untergang Napoleons war maßgeblich, der Name jedoch geriet nach seinem Tod in Vergessenheit. Mit seinem zurückhaltenden Habitus und seiner baltendeutschen Herkunft eignete er sich nicht zum strahlenden Nationalhelden…

Das Militärhistorische Museum in Dresden konnte einen Teil von Barclay de Tollys Nachlaß in Gestalt von 200 Dokumenten und Urkunden erwerben und präsentiert eine Auswahl in der Ausstellung. Diese Schriftstücke bieten einen tiefen Einblick in die Funktionsweise militärischer Stäbe zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Verpflegungslisten, Karten und Marschpläne zeugen von der täglichen Planungsarbeit, verschlüsselte Geheimdokumente erzählen von Spionagefällen und der Briefwechsel mit Napoleons Stabschef Berthier berichtet von überrachenden Kommunikationswegen“ (1)

Reiter der russischen Chevaliers Garde vor Borodino: Bild des ukrainischen Malers Anatoly Telenik (oben) und eine Depesche de Tollys an den französischen Stabschef Berthier (unten rechts)

♦ Quellen:
(1): aus dem Exposee der Sonderausstellung „Barclay de Tolly mit Feder und Schwert- Napoleon muß untergehen“
(2): Fotos aus der Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum Dresden, Juli, 2025

(v.k.)

Theodor Körner und Großzschocher, Juni 1813

07.07.2025

Theodor Körner und Großzschocher,  Juni 1813

Im Juni des Jahres 1813 sind es noch mehr als vier Monate bis zur großen Völkerschlacht vor den Toren Leipzigs zwischen den alliierten Truppen Preußens, Rußlands, Österreichs und der napoleonischen Armee.

In den Frühjahrs- und Sommerfeldzügen des Jahres 1813 und nach den für beide Seiten verlustreichen Schlachten von Großgörschen (2.Mai) und Bautzen (20./21.Mai) ist in beiden Lagern Zeitgewinn, insbesondere zur weiteren Mobilmachung und Kräftigung der Heere, angesagt. Dies betrifft auch das Freikorps der Lützower, welches sich- unter preußischem Oberkommando stehend- in Sachsen aufhält. Inmitten dieser Freischar aus deutschen Patrioten mit ihren einheitlich schwarzgefärbten Uniformröcken befindet sich auch der ehemalige Student und junge Theaterdichter Theodor Körner (zwischen 1808-1812 Studienansätze an der Bergakademie Freiberg sowie an den Universitäten Leipzig & Berlin; ab 1812 dann Anstellung als Theaterdichter im Burgtheater Wien, wo er erste Gedichte, Dramen und Theaterstücke verfaßt). Unmittelbar nach dem Aufruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gibt Körner seine Stellung auf und schließt sich im März 1813 in Breslau dem Freiwilligenkorps des preußischen Majors Adolph von Lützow an. 

Die Waffenstillstandsvereinbarung von Pläswitz, Königreich Preußen, 4. Juni 1813

Am 4. Juni 1813 wird im schlesischen Pläswitz ein auf zwei Monate befristeter Waffenstillstand zwischen Preußen, Rußland und Napoleon vereinbart, der am 5. Juni in Kraft tritt. Laut dessen Bestimmung haben sich alle preußischen Truppen bis zum 12. Juni hinter die vereinbarte Demarkationslinie nördlich der Elbe zurückzuziehen. Als Unterhändler fungieren der preußische General von Kleist, der russische Graf Schuwalow und der französische Diplomat Coulaincourt.

Die Mitteilung über den Beginn dieses Waffenstillstandes erreicht das ca. 400 Mann starke Lützowsche Freiwilligenkorps allerdings erst am 9. Juni bei Eichigt im sächsischen Vogtland. Sehr spät und hinter den feindlichen Linien, d.h. mitten im französisch besetzten Gebiet. Am Tag zuvor ist der Versuch des Freikorps gescheitert, die Stadt Hof zu besetzen. Dieser mißglückte Handstreich, bei dem es Tote und Verwundete gibt, hätte während des Waffenstillstands nicht stattfinden dürfen. Sind die bei Lützow verspätet eingetroffenen Ordres der schwierigen Nachrichtenübermittlung in diesen Tagen geschuldet? Oder sind es Nachlässigkeit oder gar Absicht durch das preußische Hauptquartier? Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet.

Lützow bleiben für einen Ausweich noch drei Tage, doch er zögert und führt seine Truppen nicht in das neutrale Böhmen, sondern im Eilmarsch über Gera, Zeitz und Großgörschen weiter nach Norden durch das mit Napoleon verbündete Sachsen. Wagemut oder Nachlässigkeit? Nach Abmarsch aus seinem Biwak bei Kitzen, südwestlich von Leipzig, wird das Korps auf der Strasse zwischen Kitzen und Kleinschkorlopp am 17.06.1813 von einer zehnfachen Übermacht an württembergischer und französischer Kavallerie unter deren Generälen Norman und Fournier gestellt. Lützows Bitte um freies Geleit, da in friedlicher Absicht, wird nicht entsprochen, sein Korps wird unmittelbar darauf angegriffen. Der Durchbruch aus der feindlichen Umzingelung gelingt nur unter großen Verlusten, 30 seiner Männer fallen, 150 geraten in Gefangenschaft. Der Rest, darunter auch von Lützow und Körner, kann entkommen.

Auch dies ist ein Bruch des vereinbarten Waffenstillstandes. In einer Depesche an Napoleons Generalstabschef A. Berthier beschwert sich Feldmarschall Barclay de Tolly, Oberbefehlshaber der preußisch-russischen Truppen, über dieses „absolut unerklärliche Vorgehen bei Kitzen gegen das Korps von Major von Lützow“ und schlägt den Franzosen im Juli eine dringende Untersuchung der Angelegenheit vor. Dabei schließt er allerdings auch ein Fehlverhalten des Lützowschen Freikorps nicht aus…

Der Weg der Lützower in Sachsen bis zum Gefecht bei Kitzen und des schwerverwundeten Körner nach Großzschocher, Karte: ©OpenStreetMap-Mitwirkende

Körner selbst wird bei dieser Aktion durch einen Säbelhieb schwer verwundet. Er kann von Kameraden noch verbunden werden und sich zu Pferd mit Mühe in ein kleines Waldstück in der Elsteraue nahe der Gemeinde Großzschocher retten…

Sicht auf das bewaldete Gelände bei Großzschocher zwischen Elsteraue und Knauthainer Elstermühlgraben…

…in dem sich nach dem Scharmützel der schwerverwundete Körner verstecken kann

Das ehemalige Großzschochersche Gärtnerhaus in der Huttenstraße 2a, in dem Körner kurzzeitig versteckt, gepflegt und später außer Landes gebracht wird

Körner wird schon am nächsten Tag nach Hinweisen von Kameraden gefunden und in eine Kammer der Gärtnerwohnung in Großzschocher gebracht, wo er notärztlich versorgt wird. Bereits am nächsten Tag, also am 19. Juni, bringt ihn ein kleiner Kahn über das Dorf Schleußig bis zu „Rudolfs Garten“ (einem damals beliebten Ziel der Leipziger Gondelpartien) und zum Haus von Dr. Wendler. Neben der Androhung der Todesstrafe durch Napoleon gegen Jedermann, der einen Lützower („Bandit noirs“) aufnimmt, hilft oder begünstigt, ist zudem auf Körner ein hohes Kopfgeld ausgesetzt. So bringt ihn der Arzt am 25. Juni nach Kalmdorf, ein Gut in der Nähe von Borna. Am 29. Juni gelangt Körner schließlich bei Gottesgab über die Böhmische Grenze nach Karlsbad, wo er seine Kopfverletzung auskurieren kann. Doch schon zwei Monate später ist er bereits wieder bei „seinen“ Lützowern in Mecklenburg, wo er am 26. August beim Angriff auf einen französischen Troß im Forst von Rosenow bei Gadebusch fällt…

Gemälde von Ferdinand Hodler: „Der Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“. Neben Studenten treten im Frühjahr 1813 junge Männer aus allen Ständen, sowie ehemalige Offiziere und Beamte in die Freiwilligenbataillone gegen die französische Fremdherrschaft ein. Zu diesen gehörten neben Theodor Körner z.B. auch F.L.Jahn, F.Friesen, J.von Eichendorff oder F. de la Motte-Fouque  

♦ images:
pixabay und  Public Domain: „Der Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“
©OpenStreetMap-Mitwirkende
♦ Quellen:
(1): https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCtzowsches_Freikorps
(2): https://www.leipzig-days.de/koernerhaus-grosszschocher/
(3): https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstand_von_Pl%C3%A4switz
(4): Joachim Streisand: Lehrbuch der Deutschen Geschichte- Deutschland 1789-1815; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1959
(5): Dokumente der Sonderausstellung „Napoleon muß untergehen“ zu Barclay de Tolly im Militärhistorischen Museum Dresden, Juli, 2025
(6): Private Aufzeichnungen zu: „Schills Rebellenzug von 1809 und weitere patriotische Erhebungen“ aus dem Kulturhistorischen Museum Stralsund/11.01.1976  

(v.k.)

Auf Burgen und Schlössern der Loire

Frankreich 28.04.-09.05.2024

Vom Orléans bis Tours- von der Jungfrau von Orléans über die Königsstadt Chinon bis nach Fontevraud, einer der mächtigsten, mittelalterlichen Klosterlanlagen Europas. Hinter uns liegt eine interessante Entdeckungstour entlang der französischen Loire, dem längsten Fluß des Landes und dem letzten ungezähmten europäischen Strom, der mangels Tiefe für die moderne Schifffahrt ungeeignet ist. Inbegriffen ein straffes Besichtigungsprogramm in ausgewählten Städten, Châteaus, Festungen und königlichen Parkanlagen an der Loire und ihren Nebenflüssen. Dabei immer im Gepäck: Mittelalterliche Geschichte und Geschichten über Herrscherfiguren und bedeutende Persönlichkeiten der Renaissance, von denen man schon immer etwas mehr wissen wollte… :

(v.k.)

Unterwegs im Teutoburger Wald

26.-30.03.2024

Das „Basislager“ für unsere geplanten Wanderungen vor Ostern 2024 liegt im Niedersächsischen Bergland zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Genauer gesagt in Berlebeck, einem Ortsteil der Lippischen Stadt Detmoldt. Etwa dort, wo die Ausläufer des Teutoburger Waldes sanft in das südlich gelegene Eggebirge übergehen. Auch wenn mit 446m sein höchster Gipfel, der Barnacken bei Horn-Bad Meinberg, mit dem heimischen Erzgebirge nicht konkurrieren kann, sind es die Sehenswürdigkeiten dieses Mittelgebirges, die um unsere Aufmerksamkeit heischen. Fünf davon stehen auf unserer To do-Liste:

♦ Erinnerung an die Varus-Schlacht im Jahre 9 n.Chr.: Das Arminius-Denkmal

Kaum etwas Sehenswerteres im Teutoburger Wald steht so sehr für deutsche Geschichte wie das legendäre Hermannsdenkmal (Arminius ist eine lateinische Ableitung des germanischen Heermann=Mann des Heeres). Die im 19. Jhd. erbaute Kolossalstatue versinnbildlicht die Überlegenheit germanischer Kultur und erinnert an den Sieg des Arminius über die Römer:  Im Jahre 9 n.Chr. gelang es dem Cheruskerfürsten mit einem germanischen Stammesbündnis, drei römische Legionen unter der Führung des Legaten Publius Quintilius Varus vernichtend zu schlagen. Die Statue steht für Frieden und Völkerverständigung und vermittelt auf eindrucksvolle Qeise die besondere Bedeutung des Teutoburger Waldes.

Blick von der Aussichtsplattform des Denkmals auf das Lipper Land im Norden. Mit einer Figurenhöhe von 27m und einer Gesamthöhe von 54m ist das Hermannsdenkmal die höchste Statue Deutschlands. Geschaffen wurde es vom Architekten und Bildhauer Ernst von Bandel. Die Grundsteinlegung erfolgte 1838, die Einweihung in Gegenwart des deutschen Kaisers Wilhelm I. im Jahre 1875.

Noch immer geheimnisvoll: Die Externsteine

Auf unserer Wanderung zu den berühmten Externsteinen treffen wir auf einem Bergrücken auf eine in Stein gemeißelte Botschaft aus längst vergangenen Zeiten: 

Auf dem Höhenwanderweg: Überliefertes zu einer Taufe, die im Volksmund so stattgefunden haben könnte…

Wir treffen aber auch auf zerstörte Wälder, die durch globale Trockenheit, Krankheiten und Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen worden sind, wobei dies mittlerweile symptomatisch für viele Mittelgebirgsregionen in Deutschland ist. Es hat den Anschein, als ob nicht vor 2.000 Jahren, sondern erst gestern die Varusschlacht mit all ihren Zerstörungen über diese Gebirgszüge hinweggefegt ist…

„Varus, Varus, gib mir meine Wälder wieder!“ Der Klimawandel unseres Jahrhunderts in Echtzeit…

Wir sind am Ziel: Die Externsteine sind ein einzigartiges Kulturdenkmal, das die Menschen seit jeher fasziniert. Eine mittelalterliche sakrale Stätte inmitten bizarrer Sandsteinfelsen- so erleben die Besucher die Externsteine im Herzen des Lipperlandes. Bis zu 40 Meter ragt die charakteristische Felsformation in die Höhe. Sowohl die Aussichtsplattform mit der Treppenanlage aus dem 19. Jhd., als auch die mittelalterliche Grottenanlage zeugen von der wechselvollen Geschichte. Als besonderes Highlight gilt das Kreuzabnahmerelief. Das von mittelalterlichen Steinmetzen in den Sandstein gehauene romanische Kunstwerk aus dem 12. Jhd. stellt die Kreuzabnahme Jesu dar.

Die monumentale Felsengruppe der Externsteine mit ihren bis heut rätselhaften Anlagen spiegelt sich im vorgelagerten See wider

Nach bevorzugter Ansicht sind die Externsteine in keltischer oder germanischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum gewesen. Im Hochmittelalter wurden diese zu den heiligen Stätten Jerusalems mit dem Grab Christi, der Kreuzauffindungsgrotte und dem Felsen Golgatha umgewandelt

♦ Nie eingenommen: Die Falkenburg

Oberhalb des Detmolder Ortsteils Berlebeck liegt die Falkenburg. Einst eine der mächtigsten Burganlagen Westfalens, kann sie heute nur noch als Ruine bestaunt werden. Ab 1194 wurde die Burg von Bernhard II. zur Lippe und seinem Sohn Hermann II. gebaut, womit der Grundstein für die Entwicklung der Landesherrschaft im heutigen Kreis Lippe gelegt wurde. Während ihres Bestehens wurde die Burg zweimal belagert, aber niemals eingenommen. Endgültig verlassen wurde die Burg im Jahre 1523.

Nach einem Brand im Jahre 1453 wurde die Burg wiederaufgebaut, sie verfiel aber im 16. Jhd. zur Ruine. Unten im Hintergrund das Hermannsdenkmal

♦ Sie kehren immer wieder zurück: In der Adlerwarte Berlebeck

Inmitten der reizvollen Landschaft des Teutoburger Waldes beherbergt die Adlerwarte Berlebeck über 180 verschiedene Greifvögel, die in spektakulären Flugshows täglich ihre Flugkünste unter Beweis stellen. Es ist schon erstaunlich, die „Könige der Lüfte“ bei ihren Flug- und Wendemanövern, ihren steilen Sturzflügen und ihrer präzisen Körperkontrolle hautnah über die Köpfe der Besucher fliegen zu sehen, um dann zielgenau bei ihrem Falkner (oder auf den Köpfen der entgeisterten Zuschauer) zu landen. Weißkopfseeadler, Steinadler, Mönchs- und Gänsegeier, Rotmilane und Falken in volendeter Dressur- ein atemberaubendes Erlebnis!

♦ Kulturstadt Detmold

Detmold, die „Wunderschöne“, ist mit ca. 75.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis Lippe. Gelegen an der Werre, einem Nebenfluß der Weser, bezaubert die alte Residenzstadt durch ihr Zusammenspiel von historischem Charme, romantischen Fachwerkhäusern und beeindruckenden Bauwerken der Renaissance. Detmoldt wurde 783 erstmals als „Theotmalli“ erwähnt, heut ist sie Hochschul- (TH Ostwestfalen-Lippe & Musikhochschule) und Behördenstadt. Das fürstliche Residenzschloß ist ein Juwel im Stil der Weser-Renaissance  und war ab dem 16. Jhd. bis zum Jahre 1918 Sitz der regierenden Grafen und Fürsten zur Lippe.

Das fürstliche Residenzschloß (oben li) und Bilder der Altstadt, für deren Sanierung Detmold gemeinsam mit Bamberg und Landshut im Jahre 1979 eine Goldmedaille erhielt.

Einige der obenstehenden Texte sind in Anlehnung an die Quellen (1) bis (5) in bearbeiteter Form wiedergeben.

Quellen:

(1): https://www.tripz.de/reisemagazin/die-beliebtesten-sehenswurdigkeiten-im-teutoburger-wald/
(2): „Hermannsdenkmal: Lippe von ganz oben“; Faltblatt des Landesverbandes Lippe
(3): „Externsteine: Erlebnisreich und aktiv“; Faltblatt des Landesverbandes Lippe
(4): „Die Falkenburg e.V.-Verein zum Erhalt und zur Sanierung der Falkenburg“; Lippisches Landemuseum
(5): „Detmold erleben: Kulturstadt im Teutoburger Wald“, Reiseführer der Tourist-Information Lippe

(v.k.)

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)

Emirates, 23.01.-30.01.2024

Hochmoderne Wolkenkratzer und atemberaubende architektonische Meisterwerke auf der einen, weitläufige Wüstenlandschaften und eine faszinierende Geschichte auf der anderen Seite. Dazu eine tiefe, aber tolerante Religiosität sowie zuvorkommende und  fleißige Menschen- all das gilt es bei unserer ersten Reise in die VAE-Golf-Staaten Abu Dhabi und Dubai zu entdecken.

Hier der Link zu unserer Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate 2024

(v.k.)

In den linkselbischen Tälern zwischen Dresden und Meißen

31.10.2022

Die linkselbischen Täler südöstlich von Meißen, die Lommatzscher Pflege und das Meißner Hochland prägen die Region zwischen Meißen und Riesa: Geologisch, kulturell, geschichtlich und natürlich über ihre Landschaft und Natur: So wurden die Bachläufe in den Tälern bereits vor 500 Jahren zum Betreiben von Wassermühlen genutzt. Alte Schlösser und Rittergüter sowie Relikte des Silberbergbaus sind hier zu finden. Malerisch mutet die hügelige Landschaft um Lommatzsch und im Tal der Großen Triebisch an.

Das Landschaftsschutzgebiet „Triebischtäler“ in der Umgebung von Meißen gehört zu den schönsten Wandegebieten dieser Region. Bei unserer Wanderung haben wir der Kulturlandschaft und den Sehenswürdigkeiten auf dem „Heynitzer Weg“ zwischen Rotschönberg, Kottewitz, Heynitz und Munzig unsere Aufwartung gemacht. Anbei einige Eindrücke vom Wegrand:

Das Triebischtal ist ab Autobahn A4/Abfahrt Nossen recht gut zu erreichen…

…wobei der Wanderweg nach Rotschönberg durch die herbstliche Farbenpracht geschmückt ist. Es scheint, als wartet diese Jahreszeit noch einmal mit dem vollen Spektrum ihrer gold-gelben Farben auf

Rotschönberg ist in erster Linie als alte Rittergutsiedlung…

…und in zweiter Linie durch den Freiberger Bergbau weltbekannt geworden. In zwei abschließenden Mundlöchern endet hier der Rotschönberger Stollen, der noch heute die Grubenwässer aus dem Freiberger/Brander Revier in die Triebisch führt

Das Renaissance-Schloß Heynitz, Herrensitz des Adelsgeschlechtes derer von Heynitz, ist aus einer Wasserburg hervorgegangen

Zwischen Kottewitz und Niedermunzig präsent: Liebevoll restaurierte alte Bauerhöfe, Mühlengebäude und Siedlungshäuser aus der Zeit des Altbergbaus auf Silbererze

Eindrücke aus der Naturlandschaft zwischen dem Heynitzbach und der Großen Triebisch

(v.k.)

Die Straße der Romanik wird 30 !

R o m a n,  R o m a n i k,  R o m a n t i k . . .

1 9 9 3 – 2 0 2 3 30 Jahre Strasse der Romanik

 

 

 

 

 

 

 

 

Als vor 30 Jahren das Projekt „Straße der Romanik“ in Sachsen-Anhalt aus der Taufe gehoben wurde, war es wohl auch die Verknüpfung von zwei Dingen, die den verantwortlichen Kultur- und Tourismusmanagern damals durch den Kopf ging: Die Verbindung von der in Dichte und Schönheit einzigartigen romanischen Baukunst dieses Bundeslandes mit den historischen Namen, Ereignisse, Geschichten, Sagen und Legenden dieser Zeit. Konkret aus der Zeit der ersten Jahrtausendwende, in der ab 962 Otto I. d. Große und seine Nachfolger das Römische Reich Deutscher Nation zu einem Zentrum der Welt machten. Anhand steinerner Zeitzeugen wurde ein historischer Rundkurs mit erlebbarer Historie an den Hauptschauplätzen deutscher mittelalterlicher Geschichte konzipiert und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Vor dem Eingangsportal des Klosters Heckingen

Die reizvolle Entdeckungsreise in das deutsche Mittelalter wurde 1993 in Magedburg feierlich eröffnet und begann damals mit 60 Orten und 72 Bauwerken. Inzwischen wurde die Route aus kunst- und kulturhistorischer Sicht bis zum heutigen Zeitpunkt mehrfach erweitert: So wurden ab 2007 bereits weitere acht neue Stationen aufgenommen (65 Orte/80 Bauwerke). Und ab 2019 sind in nunmehr 73 Orten 88 Bauwerke der Romanik zu besichtigen, Bildung, Erholung und Touristen-Attraktion in einem Guß.

Wenn man den statistischen Erhebungen glauben kann, sind jährlich mehr als 1.5 Millionen Touristen auf Spurensuche, um die Bauwerke auf dieser historischen Route zu besuchen. Mit seiner Einbindung in das Projekt TRANSROMANICA, welches das kulturelle Erbe der Romanik mit weiteren vier europäischen Regionen und Provinzen verbindet (Thüringen, Kärnten, Italien und Slowenien), ist die romanische Strasse zweifellos auf dem Weg in eine Erfolgsgeschichte…

Hier der —> Link mit den Etappen unserer persönlichen Spurensuche

(v.k.)

In der Zwintscher Ausstellung im Dresdener Albertinum

Dresden, 11.12.2022

An diesen Adventstagen ist im Dresdener Albertinum eine Sonderausstellung mit Werken von Oskar Zwintscher, des bei Leipzig geborenen „sächsischen Gustav Klimt“ zu sehen.

„In der Ausstellung wird sein facettenhaftes Werk zwischen Jugendstil und Symbolismus umfassend vorgestellt. Sie zeigt den Künstler um 1900 wie Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler und Gustav Klimt. Kaum ein anderer bedeutender Künstler aus der Zeit um 1900 harrte länger einer grundlegenden Neubewertung als Oskar Zwintscher (1870-1916). Wichtige Stationen seines Schaffens waren Dresden, Meißen, München, Wien und Worpswede. Mit ungewöhnlichen Bildern und dem märchendunklen Glanz seiner kühlen Farbenspiele erreichte er zu Lebzeiten große Anerkennung. (1)“ 

Hier der → Link zu den Zwintscher-Gemälden und Exponaten im Albertinum.

Nur fünf Minuten vom Albertinum entfernt: Die am 3. Advent festlich geschmückten Frauenkirche auf dem Neumarkt

Quellen:

  • (1): „Weltflucht und Moderne“-Oskar Zwintscher in der Kunst um 1900″, Faltblatt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, 2022

(v.k.)

In der Alfons Mucha-Ausstellung in Prag

Prag, 18.-20.11.2022

Im November 2022: Zwischen Prager Burg, Karls-Turm und nächtlichem Moldau-Ufer

Eine große Ausstellung mit Werken des berühmten Jugendstilkünstlers Alfons Mucha (1860-1939) geht in der Nationalgalerie Prag in die Verlängerung. Noch bis zum 31. Dezember 2022 haben Besucher die Chance, rund 230 Schätze aus der 4000 Werke umfassenden  Sammlung der Familie Mucha zu sehen.

Die Schau in der Valdstejnska jizdarna, der Wallenstein-Reithalle im Prager Stadtteil Mala Strana zeichnet das Leben des Malers, Grafikers, Plakatkünstlers und Hobbyfotografen nach, der zu den prägenden Gestalten der Belle Epoque zählte. Ein Grund, der Stadt Prag und dieser Ausstellung unsere Aufwartung zu machen…

Die Prager Kleinseite vor dem Burgberg mit dem ersten Schnee in diesem Jahr…

Hier der → Link zu den Gemälden und Exponaten der Mucha-Ausstellung. Die ehemalige Reithalle im Gartenkomplex des barocken Wallenstein-Palais ist übrigens nach seiner aufwendigen Rekonstruktion im Jahre 2000 der Öffentlichkeit wieder zugänglich. 

(v.k.)