Schlagwort-Archive: Könige und Kaiser

Königsorte an der Straße der Romanik (3)

03.07.2020

An der Strasse der Romanik: Unterwegs zum Kloster Michaelstein und zur Stiftskirche St. Cyriakus im Nordharz

Kloster Michaelstein

Die in der Nähe von Blankenburg/Harz liegende ehemalige Zisterzienserabtei Michaelstein wurde 1146 gegründet. Sie fasziniert durch das Zusammenspiel von gut erhaltenen Klausurräumen mit romanischen und gotischen Architekturelementen, stetig grünen Klostergärten und einer modernen Musikausstellung “Klang-Zeit-Raum-dem Geheimnis der Musik auf der Spur”. Das Gros der ehemaligen Klostergebäude und Wirtschaftsanlagen (Torhaus, Wirtschaftshof, Refektorium, Kreuzgang, Kapitelsaal, Kräutergarten, Fischzuchtteiche usw.) befindet sich nach unserer Einschätzung in einem erstaunlich guten Zustand, so daß sich ein Besuch der Anlage in jedem Fall lohnt!

Kreuzhof: Blick in den Lesegang

“In der Stiftungsurkunde von 1146 bezeichnete sich die Äbtissin Beatrix II. von Quedlinburg als Gründerin des Klosters. Aus der Bestätigungsurkunde Papst Eugens III. von 1152 stammt die erste eindeutige Erwähnung eines Zisterzienserkonvents. Aus dem anfänglich beschwerlichen Leben entwickelte sich eine wirtschaftlich erfolgreiche Abtei. Schenkungen, die gelobte Armut sowie das von Arbeit und strenger Eigenwirtschaft bestimmte Leben erhöhten den klösterlichen Besitz bis zum Ende des 12. Jahrhunderts auf etwa 500 Hufen (ca. 3500 ha), hundert Jahre später auf etwa 700 Hufen. In alten Karten sind z.B. die Bezeichnungen von Mühlen, Weinberg, Hopfen- und Obstgärten zu finden. 1525 ereilte Michaelstein das gleiche Schicksal wie viele andere Klöster seiner Zeit auch. Am 10.Mai überfielen, plünderten und zerstörten aufständische Bauern die Klostergebäude teilweise. Sie zerstörten nicht die Klosterkirche, aber Bildnisse und Darstellungen. Nach Einführung der Reformation 1543 wird Michaelstein protestantische Klosterschule. Nach Wiederaufnahme des Klosterbetriebs durch die Zisterzienser im 30-jährigen Krieg entsteht 1721 ein Kollegiatsstift. Heute beherbergt es u.a. die Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt” (aus: Kloster Michaelstein, Verlag Janos Stecovics, 2018)   

Torhaus und Eingang zum Wirtschaftshof, rechts: Ordensregeln der Zisterzienser

Innenhof, Arkadengang, romanisches Kapitell im Kapitelsaal und der früher einzig beheizbare Raum im Kloster: das Kalefaktorium

Im Klostergarten

Stiftskirche St. Cyriakus  (Frose)

St. Cyriakus ist eine flach gedeckte Pfeilerbasilika ohne Krypta und stammt aus der Zeit um 1170.

“Die Stiftskirche “Sankt Cyriacus” in Frose wurde von Markgraf Gero um 950 als Benediktinerkloster gegründet. Sie ist dem heiligen Cyriakus, einem der 14 Nothelfer geweiht. Ab 961 war Frose, wie auch die Stiftskirche in Gernrode, ein Damenstift.
Im Jahre 1138 soll Frose zerstört worden sein. Deshalb wurde um 1170 mit dem Bau der heute noch existierenden spätromanischen Stiftskirche begonnen.
Der heutige ab 1170 geschaffene Bau gliedert sich in das Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen, den Chor im Osten, das Mittelhaus und den wuchtigen Turmbau mit seinen Doppeltürmen auf der Westseite. Deren Bekrönung stammt aus der Zeit um 1250. Die neuromanische Ausstattung ist einheitlich und stammt von 1892. An der Stiftskirche Frose hat in den Jahren 1516 und 1517 der charismatische Thomas Münzer als Propst gewirkt. Müntzer, ein Zeitgenosse Martin Luthers, führte die aufständischen Bauern in den mitteldeutschen Bauernkrieg, der 1525 auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen mit einer verheerenden Niederlage für die Bauern endete” (aus: Romanikstraße, Geocach-Beschreibung des Kirchen-Bauwerkes mit den Koordinaten N 51°47’849 und E 011°22’391)

(v.k.)

Königsorte an der Straße der Romanik (2)

13.06.2020

An der Strasse der Romanik: Unterwegs zu zwei Kaiserpfalzen in Sachsen-Anhalt: Die Pfalzen Allstedt und Memleben

Allstedt: Kaiserpfalz, Schloß und Reformationsstätte

Auf einem Bergrücken vor Allstedt thront die imposante Burg- und Schloßanlage

Unsere Zielorte Allstedt und Memleben liegen in der südlichen Vorharz-Region von Sachsen-Anhalt.

“Als Alstediburg erstmals im Hersfelder Zehntverzeichnis Ende des 9. Jahrhunderts erwähnt, ist Allstedt eine der wichtigsten Pfalzen der umherziehenden mittelalterlichen Könige. Fast alle deutschen Könige und Kaiser sind hier zu Gast. Reichsversammlungen, Reichstage und die Erwähnung im Sachsenspiegel des Eike von Repkow zeugen von der Bedeutung der Pfalz. Nach Ausbau der Anlage im Spätmittelalter zur Wehrburg erfolgt im 16. Jhd. durch Kurfürst Friedrich der Weise der Ausbau zum Renaisassance-Schloß. Bedeutung erlangt Allstedt weiterhin durch den Theologen und Reformator Thomas Müntzer, der hier als Pfarrer wirkt und am 13. Juli 1524 seine berühmte Fürstenpredigt hält” (aus: Burg & Schloß Allstedt- Informationsbroschüre).

Im Inneren der Burganlage, daneben Zeittafel und der Allstedter Wigberti-Turm, in dem Müntzer gewohnt haben soll.

Kloster und Kaiserpfalz Memleben

“Von Otto dem Großen (912-973)  bis Heinrich II. (973-1024) kam eine ganze Herrscherdynastie in die ottonische Kaiserpfalz nach Memleben. Hier prägten die Mächtigen des Reiches die Geschichte von Kloster und Region. Kaiser Otto II. und seine byzantinische Gattin Theophanu gründeten hier ein berühmtes Benediktinerkloster. Der Ort ist seitdem Schauplatz erlebbarer Geschichte, das Herz Ottos des Großen (Otto I.) liegt in Memleben begraben. In unmittelbarer Nachbarschaft des gut erhaltenen Klosters liegen weitere imposante Reste zweier Klosteranlagen: Eine ottonische Monumentalkirche aus dem 10. Jhd. als auch die Ruine der frühgotischen Marienkirche aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Höhepunkt hier ist die spätromanische Krypta des jüngeren Kirchenbaus im Originalzustand (!)” (aus: Königsorte: Museum und Memorialort Memleben).

Ruinen der romanischen Kirchenanlagen

Im Inneren der spätromanischen Krypta

(v.k.)

Königsorte an der Straße der Romanik (1)

10.-12.11.2019

An der Strasse der Romanik: In Sachsen-Anhalt unterwegs zu den Stammburgen der Ottonen und Askanier

Unsere Ziele sind die Welterbestadt Quedlinburg und die mittelalterlichen Städte Gernrode und Ballenstedt. Wir gönnen uns pro Tag eine historische Stadt -ein mehr als sportliches Unterfangen! In diesem Kontext einige Ansichten und Anmerkungen zur reichen Historie dieser Städte:

Quedlinburg

Wirtschaftliche Keimzelle Quedlinburgs, Grablege der Ottonen und Damenstift. Blick von der Stiftskirche St. Servatii…

…auf die Dächer Quedlinburgs

In der einstigen Königspfalz am Nordrand des Harzes begann vor mehr als 1100 Jahren und mit der Königs-Krönung Heinrich I. die deutsche Geschichte. Er machte die Pfalz zum Zentrum der Reichspolitik und begründete in seiner Familiendynastie mit Otto II. auch den ersten deutschen Kaiser:

“Die Geschichte König Heinrichs I. und der Dynastie der Ottonen ist eng mit der Landesgeschichte des heutigen Sachsen-Anhalts verbunden. Eine besondere Rolle spielt Quedlinburg: Der dort gelegene Finkenherd gilt als der legendäre Ort, an dem Heinrich I. im Jahr 919 zum ostfränkischen König erhoben wurde. Später wählte Heinrich Quedlinburg zum Ort seiner Grablege. Mit seiner klugen Politik, die auf Ausgleich mit den Großen in Sachsen und Franken sowie auf weitsichtige Heiratsverbindungen setzte, schuf er das Fundament für den Erfolg seiner Nachkommen, den Ottonen. Sie sollten eines der bedeutendsten Herrschergeschlechter der europäischen Geschichte werden. Mit der Verbindung der königlichen mit der kaiserlichen Macht leitete Heinrichs Sohn, Otto der Große, eine Entwicklung ein, die später den Aufstieg des ostfränkischen Reiches zum Heiligen Römischen Reich begründete. Damit wurde eine der historischen Grundlagen für das heutige Deutschland geschaffen.” (1)

Mit ca. 86 ha ist Quedlinburg heute eines der größten Flächen-Denkmale in Deutschland. Mit mehr als 2000 Fachwerkbauten und einer einmaligen, mittelalterlichen Stadtanlage wurde die Stadt 1994 in die UNESCO-Welterbeliste der schützenswerten Kulturgüter aufgenommen.

Marktplatz mit Rathaus, Stadt-Wappen und reichen Bürgerhäusern

In der romanischen Stiftskirche St. Servatii mit Krypta (Confessio) und beiden Domschatzgewölben

Auf königlicher Spurensuche: Wappen, Goldmünze und die heilige Lanze, die 933 in der (siegreichen) Schlacht der Ostfranken gegen die Ungarn mitgetragen wurde

Stadterkundung und tausendjährige Geschichte(n) machen pflastermüde und hungrig…

Gernrode

Weniger als 10 km in südlicher Richtung liegt ein zweiter Besuchermagnet der Romanik mit mehr als 1100-jähriger Geschichte: Gernrode.

Vor der Stiftskirche Sankt Cyriakus

“In Gernrode zeigt sich in besonders deutlicher Weise die enge Verbindung zwischen der Familie Heinrichs I. (875-936) und der Oberschicht der sächsischen Adelsfamilien der Region. Der Name der Stadt verweist auf den Markgrafen Gero, einen engen Vertrauten Kaiser Otto des Großen (912-973), der hier eine Burg als Herrschaftsmittelpunkt seiner Familie erbaute. Ohne Erben geblieben, gründete Gero im Jahre 959 auf dem Burggelände ein Kanonissenstift mit der Stiftskirche St. Cyriakus. Von den Ottonen wurde das Stift Gernrode aus familiärer Verbundenheit in der Folgezeit weiterhin reich beschenkt und mit Privilegien bedacht.” (1)

Das beeindruckendste Bauwerk hier: Die sehr gut erhaltene romanische Stiftskirche aus dem 10. Jahrhundert. Mit einem weiteren Highlight in seinem Inneren: Im südlichen Seitenschiff befindet sich die älteste erhaltene Nachbildung des Grabes Christi nördlich der Alpen (11.Jhd.).

Die Stiftskirche St. Cyriakus: Kirchenschiff mit Hohem Chor, Decke und Sarkophag des Markgrafen Gero

Im Inneren der Stiftskirche: Apsis, Krypta und Nachbau des Heiligen Grabes

Gernrode zum Anfassen: Die Stiftskirche aus der Kaffeehausperspektive, ganz in der Nähe die vermutlich älteste protestantische Elementarschule Deutschlands (1533)

Ballenstedt

Diesmal sind es wiederum nicht mehr als 10km, bis wir Ballenstedt in Richtung Osten erreichen. Der geschichtliche Sprung von Qedlinburg und Gernrode zur Wiege Sachsen-Anhalts und zum Adelsgeschlecht der Askanier beträgt jedoch mehr als 150 Jahre. Als Ort erstmals im Jahre 1030 urkundlich erwähnt, gründet Esico von Ballenstedt auf dem heutigen Burgberg ein Kollegiatsstift. Das Stift auf dem Gelände der Stammburg wird 1123 in ein Benediktinerkloster umgewandelt. An Stelle der in ein Kloster verwandelten Burg wird durch den Enkel Esicos, den späteren Markgrafen Albrecht der Bär (1100-1170) die Burg Anhalt im Selketal gebaut. Die Klosterkirche wird Begräbnisstätte der Anhaltiner.

“Die Grafen von Ballenstedt, die im 11. und 12. Jahrhundert zu den mächtigsten Dynastien Mittel- und Ostdeutschlands gehörten, sind unter Bezugnahme der bis 1315 in ihrem Besitz befindlichen Grafschaft Aschersleben auch als Askanier und somit als Ahnherren des anhaltinischen Fürstenhauses in die Geschichte eingegangen. Von unbekannter Meisterhand wurde Uta von Ballenstedt, Schwester des Grafen Esico, als Stifterfigur im Naumburger Dom ein weltbekanntes Denkmal gesetzt. Markgraf Albrecht der Bär ist mit seiner Siedlungs- und Kolonialisationspolitik Wegbereiter der Mark Brandenburg”. (2)

Schloß Ballenstedt mit Klosterkirche im Hintergrund und Aufgang zum Schloßtheater

Albrecht der Bär im einstigen Stammgebiet der Askanier im Selke-Gebiet des Ostharzes

Uta von Ballenstedt vor Krypta und gräflicher Begräbnisstätte

Von den 88 romanischen Bauwerken liegen bedeutende und gut erhaltene im Harzvorland (s.o.). Einige davon haben wir kennengelernt, der “Rest” muß sich halt noch etwas gedulden…

karten-image: de.m.wikipedia.org

Angegebene Zitate aus:

  • (1): “Königsorte-Auf den Spuren Heinichs I. in Sachsen-Anhalt”/Zentrum für Mittelalterausstellungen (ZMA) 2019
  • (2): “Ballenstedt-die Wiege Anhalts”/Informationsbroschüre der Stadtverwaltung Ballenstedt 2019

(v.k.)

Die Straße der Romanik

Dezember, 2019

R o m a n,  R o m a n i k,  R o m a n t i k. . .

Kann eine Straße der Romanik romantisch sein? Und ob! Als Reiseweg an sich, der den Ort A mit Ort B verbindet, sicher weniger. Dafür jedoch die Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Bauten und Städte, die seinen Verlauf säumen! Die gute Nachricht: Es gibt genau so eine Straße in Sachsen-Anhalt, die einen unschätzbaren Reichtum an mittelalterlichen Baudenkmälern verbindet. Und die allesamt aus der Zeit-Epoche zwischen 950 und 1250 u.Z. stammen. Ein Magnet für die in Stein gewordene Geschichte des Mittelalters…

Die Romanische Straße in Form einer “8” mit der Landeshauptstadt Magdeburg als Schnittpunkt

“Sachsen-Anhalt kann eine unvergleichliche Fülle an Baudenkmälern vorweisen, die einen geschichtlichen Einblick in die Epoche der Romanik bieten. Der Reichtum an kulturhistorisch wertvollen Baudenkmälern war Anlaß, 1993 diese Straße ins Leben zu rufen. Auf einer Länge von 1000km verbindet sie 88 romanische Bauwerke in 73 Orten. Diese sind eng verknüpft mit der Geschichte der Ottonen und der Königserhebung Heinrichs I. In ihrer 25-jährigen Geschichte hat sich die Romanische Straße zu einer der bedeutendsten Ferienstraßen Deutschlands entwickelt und zieht jährlich 1.5 Millionen Kultur- und Geschichtsinteressierte an. Seit 2007 ist diese Straße ein Teil der Europäischen Kulturroute TRANS-ROMANICA, die europäische Regionen in acht Ländern verbindet.” 

Die Romanische Straße verläuft in Form einer großen “8”. Wichtige Orte, die eng mit der Entstehung des ostfränkischen bzw. des späteren Heiligen Römischen Reichs zusammenhängen, liegen auf der Südroute eben dieser “8”. Genauer am Nordrand des Ostharzes, wo sich seine bewaldeten Höhen zur Ebene im Norden hinabsenken.


In den folgenden Beiträgen sollen die steinernen Zeugen dieser Zeitepoche vorgestellt werden. Die Strasse der Romanik verspricht eine interessante und spannende Reise im Herzen Mitteldeutschlands…


(v.k.)