Schlagwortarchiv: Himmelfahrt Fundgrube

Im Freiberger Bergrevier: Die Radstube im Turmhofschacht

13. September, 2026

Zum Tag des offenen Denkmals

Mitte des 19.Jhd. wurde der Freiberger Silberbergbau intensiviert. Neue Schächte wurden geteuft und die bestehenden Gruben, insbesondere die Himmelfahrt-Fundgrube, in ihrer Förderkapazität ausgebaut. Für die Wäsche (die Erstverarbeitung der geförderten Roherze) der Schachtanlagen Turmhof Richtschacht und Abraham Fundgrube wurde 1846 ein Pochwerk auf dem Gelände des Turmhofschachtes errichtet. Mit den Wässern, die über den Zuger Kunstgraben herangeführt wurden, wurde unterhalb dieses Pochwerkes ein Kunstrad angetrieben. Es bewegt sich in einer Radstube, die einen tonnenförmigen Grundriß besitzt. Das Wasserrad aus Lärchenholz mit einem Durchmesser von 9,72m und einer Schaufelbreite von 1.50m wurde damals für eine angedachte Betriebszeit von 25-30 Jahren gebaut. Durch die ständige Befeuchtung durch Niederschlagswässer war das Rad gegen Pilzbefall und Fäulnis geschützt und ist heute (im wesentlichen) voll funktionsfähig. 

Das Pochwerksrad ist im deutschen Erzbergbau der älteste im nahezu kompletten Originalzustand erhaltene und noch funktionsfähige Sachzeuge der Energieerzeugung aus Wasserkraft. Radstube und Wasserrad waren zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals für Interessierte zu besichtigen:

Ein kleines Übertage-Modell vor dem Eingang des  Pochwerkgebäudes

Abstieg in die Radstube und Sicht auf das untenliegende Wasserrad (unten-rechts) 

 

Das gewaltige Rad aus der Nahperspektive (links): Die Radschaufeln (oben-rechts) und die Radbremse (unten-rechts)

Erläuterungen vor dem 180 Jahre alten, aber erstaunlich gut erhaltenen Kunstrad

Anmerkung: 

Der gesamte Radstubenkomplex befand sich von 1994-2009 im Bestand des Forschungs- und Lehrbergwerks der TU Bergakademie Freiberg. Das Rad wurde generalüberholt und die Zugänglichkeit verbessert. Ab 2009 wurde der Radstubenkomplex aus dem Bestand des Lehrbergwerks ausgegeliedert und aus der Bergaufsicht entlassen. Es erfolgten keine weiteren Führungen mehr und das Rad verfiel zunächst weiter. Erst mit der Gündung der Arbeitsgruppe „Turmhofer Pochwerksrad“ im Jahr 2014 und Unterstützung der SAXIONIA-FREIBERG-STIFTUNG  erfolgte eine Wiederinstandsetzung der Anlage. In dem Gebäudekomplex konnten zwei Räume ausgebaut werden, in denen über die Stoßherdwäsche, das Naßpochwerk sowie über das System der Bereitstellung des Aufschlagwassers informiert wird (1).

Das Wasserleitsystem für den Freiberger Erzbergbau: Ausgehend von der Staustufe der Flöha (Rauschenbachtalsperre) wurde das benötigte Aufschlagewasser über ein ausgeklügeltes System von Kunstgräben, Röschen und Rückhalteteichen vom Erzgebirge über den Neuwernsdorfer Wasserteiler (heut in der Rauschenbachtalsperre versunken) bis in das Freiberger Revier geleitet

Eine seltene Aufnahme vom Neuwernsdorfer Wasserteiler vor dem Bau der Rauschenbachtalsperre. Erst wenn die Wasserhöhe der Flöha den Scheitelpunkt des Teilers überschreitet, wird Wasser in die Kunstgräben und das Wasserleitsystem (Bild oben) geleitet. Damit wurde gewährleistet, daß die an der Flöha liegenden Mühlen vorrangig vor den Bergwerken mit Wasser bedient werden   

 Glückauf, 2026!

Quellen:
  1. O. Wagenbreth, E. Wächtler: „Der Freiberger Bergbau“, Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1986
  2. Universitätsstadt Freiberg: Das Pochwerksrad am Turmhofschacht: Flyer der Arbeitsgruppe „Turmhofer Pochwerksrad“ zum Tag des offenen Denkmals 2026 

(v.k.)

Zu Fuß im Freiberger Bergrevier: Am Roten Graben

3. März, 2024

Der heutige Hauptakteur zwischen dem meteorologischen (1.3.) und dem kalendarischen Frühlingsanfang (20.3.) ist die wärmende Sonne. Die Natur indes scheint noch wie betäubt und abwartend- war es das mit dem Winter?

„ Rein oder „raus mit den Gefühlen?

Die erste Frühlings-Wanderung führt uns in die historische Bergbaulandschaft nordöstlich von Freiberg. Genauer gesagt zu den Stollnmundlöchern im Einzugsgebiet der Freiberger Mulde zwischen Freiberg und Halsbrücke. Die Stolln sind zum großen Teil sowohl in ihrer alten Funktion oder zur Bewetterung noch in Betrieb.

Allgemein sind Stollen (Stolln) leicht ansteigend in den Berg getriebene Grubenbaue, die entweder zur Ableitung der Grubenwässer, zur Bewetterung oder zur Förderung aufgebracht wurden. Die auf unserer Tour zu sehenden gemauerten Mundlöcher sind die Ausgänge von unterirdischen Entwässerungsstolln, die durch die Verlagerung der bergbaulichen Aktivitäten in immer größere Teufen erforderlich wurden. Sie wurden ab dem 14. Jhd. zur Ableitung der anfallenden Grubenwässer über einen Kunstgraben („Roter Graben“) in die noch tieferliegende Freiberger Mulde aufgefahren. Dieser etwa 7km lange Kunstgraben, der aufgrund seines geringen Gefälles fast stillzustehen scheint, wurde 1612/13 angelegt. Eisenausscheidungen geben ihm seinen Namen. Alle auf unserer Wanderung noch sichtbaren Anlagen gehören der Himmelfahrt-Fundgrube, einem der größten (und reichsten) Freiberger Silberbergwerke *)

Am Beginn des Roten Grabens in Freiberg: Das Mundloch des Verträglichen Gesellschaft Stollns (oben) entläßt hier die Abwässer aus den Hauptgruben der Himmelfahrt Fdgr. und speist sie in den Roten Graben ein. Das gut erhaltene Huthaus der Grube „Verträgliche Gesellschaft“ (unten) wurde 1830 als Materialhaus mit Steigerwohnung und Scheidebank gebaut. In einer Scheidebank wurde das Erz vom tauben Gestein getrennt, eine Arbeit, die in der Regel von minderjährigen Knaben (Scheidejungen) ausgeführt wurde.

Der Thurmhof-Hilfsstolln wurde 1752-1753 erbaut und führte die Wässer von der Grube „Alte Elisabeth“ ab.

Über zahlreiche Stichleitungen gelangen die Grubenwässer vom Roten Graben schließlich in die Freiberger Mulde.

Der „Alte“: Vor dem Mundloch des Alten Tiefen Fürstenstollns (1384). Dieser und ein um 1540 im selben Erzgang nochmals flacher aufgefahrene Parallelstollen stellten bis zur Fertigstellung des 50km langen Rothschönberger Stollns im Jahre 1877 die bis dahin tiefste Wasserabführung in das Muldental dar. Im Hintergrund rechts das Schachthaus vom „Oberen Neuen Geschrei“, kurz vor Halsbrücke.

Der „Junge“: Das Mundloch des Hauptstolln-Umbruchs. Zwischen 1820-1850 wurde im System des Fürstenstollns und zum Schutz tieferer Abbaue der „Hauptstolln-Umbruch“ aufgefahren.

Wir haben Halsbrücke erreicht. Die ehemalige, um 1840 erbaute Erzwäsche der Grube „Oberes Neues Geschrei“ markiert den Endpunkt des ca. 7km langen Roten Grabens. Die massiv aus Bruchsteinen errichtete Wäsche enthielt ursprünglich ein Kunst-Rad zum Antrieb des Pochwerkes.

In der 1612 gegeründeten Schmelzhütte Halsbrücke wurde ein großer Teil der im Freiberger Revier gefundenen Silbererze verhüttet. Bei diesem Prozess wurde durch Rösten, Schmelzen, Treiben und Feinbrennen das für die sächsischen Kurfürsten so begehrte Silber gewonnen und zu Münzen geprägt. Durch die Gründung der Bergakademie Freiberg 1765 konnte die Technologie in den Hütten ständig verbessert werden. Nicht nur bei der Silberverhüttung, sondern auch der Veredlung/Produktion von Blei, Zink, Kupfer und Arsen. Links das Wahrzeichen von Halsbrücke, die „Hohe Esse“. Dieser 1889 erbaute 140m hohe Industrie-Schornstein galt seinerzeit als höchster Ziegelbau Europas. Mitte oben das hölzerne Schachthaus der Grube „Oberes Neues Geschrei“ und darunter die Tagesanlage des bis 1878 betriebenen 7.Lichtlochs. Ganz rechts: Der Frühling!

Glückauf, 2024!

*) Die Himmelfahrt-Fundgrube lieferte einen maßgeblichen Anteil an der gesamten Freiberger Silbererzförderung. So wird die Gesamtmenge des ausgebrachten Silbers zwischen dem ersten Silberfund (1168) und der vorübergehenden Bergbau-Stillegung (1913) auf ca. 5.000t beziffert. Zu ihrem damaligen Grubenfeld (mit einer unterirdischen Ausdehnung von 5x6km) gehörten solch ertragreiche Schachtanlagen wie der Abraham-, Turmhof- und Davidschacht, die Reiche Zeche und der Alte Elisabeth-Schacht.

Quellen:
  • O. Wagenbreth, E. Wächtler: „Der Freiberger Bergbau“, Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1986
  • Der Freiberger Bergbau-Denkmale in Freiberg: „Himmelfahrt-Fundgrube und Roter Graben“; Lose Blatt-Sammlung, 1999 
  • Der Freiberger Bergbau-Denkmale in Freiberg: „Das Bergbaurevier Halsbrücke“; Lose Blatt-Sammlung, 1999 

(v.k.)

Winter(sport)liches am Dreibrüderschacht

14. Februar 2021

Zwischen der Idee, im Freiberger Umland ein Loipennetz für Skifahrer zu installieren und ihrer prompten Umsetzung durch findige Zeitgenossen, liegt nicht mehr als eine reichliche Woche: Schnell und unkompliziert, aber professionell gespurt, lädt ab Mitte Februar eine gespurte Loipe alle Langlauf-Fans zu Sport und Erholung „vor den Toren der Stadt“ ein. Eine klare Ansage an die restriktive und mehr als verschwurbelte 15km-Radius Verordnung aus dem CORONA-Instrumentenkasten !

Das präparierte Gelände liegt übrigens im Südwesten des Freiberger Bergbaureviers zwischen den ehemaligen Gruben Himmelsfürst (Brander Revier) und der Freiberger Himmelfahrt–Fundgrube. Es wird von den winterlich verschneiten Übertage-Anlagen zahlreicher Schächte des einstigen Silberbergbaus dominiert:

Das Entscheidende dabei: Die Idee funktioniert außerordentlich gut, wie die Bilder zeigen…

Der Andrang schon vor den Loipeneinstiegen ist groß und nicht zu übersehen.

Ein Loipeneinstieg liegt direkt an der Bundesstrasse 101 vor dem bergbauhistorischen Haldengelände im Ortsteil Freiberg-Zug…

…und unweit des hochgelegenen Dreibrüderschachtes. Der Schacht gehörte zur Segen-Gottes Herzog August Fundgrube. Er wurde ab 1791 geteuft, wobei bis einer Tiefe von 390m nach Silber geschürft wurde. Mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 und der Ablösung des Silbers durch Gold als Währungsmetall war die Wirtschaftlichkeit auch dieses Schachtes in Frage gestellt. Er wurde durch Schaffung einer unterirdischen Kaverne und den Einbau von Turbinen und Generatoren bis 1914 zu einem Wasserkraftwerk umgebaut (Kavernenkraftwerk), welches bis 1972 Strom für das Freiberger Umland lieferte.

Und: Bei Kaiserwetter, herrlichem Sonnenschein und Wohlfühl-Temperaturen um -5°C auf der Skitour sind sie immer in Sichtweite:

Die bewachsenen Abraumhalden, einzelne Abschnitte des Kunstgrabens oder die winterlich verschneiten Silbergruben im ehemaligen Bergbaurevier. Auf der Collage unten die Übertage-Anlagen des Konstantin-Schachtes. Der Schacht gehört zur Beschert Glück Fundgrube, die insbesondere in den Jahren von 1786-1825 durch reichliche Ausbeute gekennzeichnet war. Bei der späteren Nutzung als Kavernenkraftwerk wurde hier über über ein Gesamtgefälle von 272m dem Unterwerk des benachbarten Dreibrüderschachtes Aufschlagwasser zugeführt, welches über vier 800PS-Hochdruck-Freistrahlturbinen Eektroenergie erzeugte.

Karten-Image: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Zum Nachlesen:

♦ https://www.drei-brueder-schacht.de/drei-brueder-schacht/

♦ https://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Br%C3%BCder-Schacht

(v.k.)