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Exkursion: Welterbe-Endeckungsreise im Harz

05.09.-.06.09.2026

Die vorletzte Busexkursion 2026 des Freiberger Fremdenverkehrsvereins e.V. in Kooperation mit „Sonnenschein-Reisen“ ist als Zweitagereise angelegt. Sie führt zu Standorten des Silber- und Eisenerzbergbaus und einigen UNESCO-Welterbestätten im Harz, speziell  

  • zum Kloster Walkenried
  • zur Silbergrube „Lautenthals Glück“ in Lautenthal
  • in die Welterbestadt Goslar mit der Kaiserpfalz
  • zur Eisenerzgrube Büchenberg bei Elbingerode 

Die Exkursion unter der programmatischen Leitung von Herrn Horst-Günther Hahmann umfaßt die Führungen im Kloster Walkenried und auf der Goslaer Kaiserpfalz sowie die Untertageführungen in der Silbergrube „Lautenthals Glück“ und in der Eisenerzgrube Büchenberg. Für die Busfahrt und die Übernachtung in Goslar zeichnet das Reisebüro verantwortlich.

♦ Im Kloster Walkenried

Im Jahr 1129 gründeten Zisterziensermönche das Kloster Walkenried am Rande des Südharzes. Sie betrieben Agrarwirtschaft, beteiligten sich maßgeblich an Bergbau und Verhüttung im Westharz und zeichneten sich durch ihre wassertechnischen Kenntnisse aus. Größe und Bautechnik der gotischen Klosteranlagen zeigen vom einstigen Wohlstand der Mönchsgemeinschaft.

Schon von Weitem fallen die beeindruckenden Reste der ehemaligen gotischen Klosterkirche ins Auge. Mit einer ursprünglichen Länge von rund 90 Metern vermittelt sie noch heute eine Vorstellung von den gewaltigen Dimensionen der einstigen Anlage

Der gut erhaltene Klösterkomplex neben den Ruinen seiner ehemaligen Klosterkirche

Die Freiberger sind stets aufmerksame Zuhörer (oben). Eine Besonderheit des Klosters Walkenried: Sein zweischiffiger gotischer Kreuzgang. In der Mitte wird das Kreuzrippengewölbe nochmals von schlanken Säulen mit Blattwerkkapitellen getragen 

♦ In der Silbergrube „Lautenthals Glück“   

Das Silberbergwerk „Lautenthals Glück“ im Ort Lautenthal zählt heute zu den ältesten noch befahrbaren Gruben des Oberharzes. Der Bergbau hier geht bis in das frühe 13. Jahrhundert zurück. Seine bedeutenden Silbererzfunde sorgten bis etwa Mitte des 16. Jahrhunderts für eine Blütezeit des Bergbaus und einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahre 1931 erfolgt die endgültige Schließung der Grube.

Der typische Besuch beginnt am übertägigen Grubenbahnhof mit der Grubeneinfahrt mittels elektrischer Grubenbahn durch den Tiefen-Sachsen-Stollen. Der Silberabbau kann in vier Sohlen besichtigt werden. Ein Alleinstellungsmerkmal von „Lautenthals Glück“ ist sein untertägiger Erztransport. Er wurde In der Vergangenheit über den Ernst-August-Stollen mit hölzernen Erzkähnen betrieben. Für die interessierten Besucher- also auch für uns- ist eine Fahrt über 110m mit einem dieser hölzernen Boote und in einem historischen Wasserlösungsstollen nutzbar… 

Die Einfahrt in den (ungefederten) Waggons 4. Klasse ist wahrhaftig kein Vergnügen. Die Ausführungen des jungen Bergführers vor Ort über Verantwortung, Berufsethos und Stolz der Bergleute allerdings schon!

Wer möchte? Natürlich haben sich die Mutigsten unserer Reisegruppe in die schaukelnden Erzkähne getraut und das Abenteuer des „Venedig unter Tage“ ausprobiert. Der Schiffsantrieb: Ein Zugseil über den Sitzenden, betrieben mit geballter Mannes- oder Frauenkraft. Also: kräftig ziehen! 

♦ In der Welterbe-Stadt Goslar: Führung durch die Kaiserpfalz

Nach kurzer Fahrt und Ankunft in Goslar stand es für jeden frei, noch eine Prise Welterbeluft in der Kaiserstadt Goslar zu schnuppern oder sich im Hotel „Der Achtermann“ gleich zur wohlverdienten Ruhe zu begeben. Von den meisten von uns wurde die erste Variante bevorzugt, siehe unten: 

Das Goslaer Nachtleben lädt zum Bummeln ein…

Am nächsten Tag: Kaiserwetter in der Kaiserpfalz!

Die Kaiserpfalz Goslar wurde zwischen 1040 und 1050 unter Heinrich III. errichtet und ist ein einzigartiges Denkmal weltlicher Baukunst. Und zugleich der besterhaltene Profanbau des 11. Jhd. nördlich der Alpen. Über 200 Jahre wurde hier auf Reichsversammlungen und Hoftagen deutsche Geschichte geschrieben:

Vor der Kaiserpfalz: Die Reiterstandbilder Kaiser Barbarossas und Wilhelm I. (oben rechts), Balustrade und  Ulrichskapelle (Mitte) und das Panorama des Gesamtgebäudes  

Nicht nur das großformatige Bilderprogramm des Akademieprofessors und Malers  Hermann Wislicenus zur mittelalterlichen Geschichte im Kaisersaal, sondern auch die Grablege des deutschen Kaisers Heinrich III. in der Pfalzkapelle St. Ulrich, der Goslaer Kaiserstuhl und die Museumsstücke im modernen Ausstellungsgewölbe sind Zeugnisse über und aus der vormittelalterlichen Kaiserzeit:      

Mehr als 68 Wandgemälde fanden im großen Kaisersaal ihren Platz

Die Pfalzkapelle, hier u.a. mit dem Herzen Heinrich III. unter dessen Grabplatte und dem Goslaer Kaiserstuhl, dem historischen und im Mittelalter genutzten Thron der deutschen Kaiser und Könige. Er wurde zwischen 1060 und 1080 für die Stiftskirche St. Simon und Judas („Goslarer Dom“) geschaffen

Museale Kleinodien im modernen Ausstellungsgewölbe

Vor unserer Weiterfahrt zur letzten Station unserer Bus-Exkursion blieb noch genügend Zeit zur Besichtigung der Goslaer Altstadt: 

Bei Kaiserwetter unterwegs im vorherbstlichen Goslar

♦ Besuch der Eisenerzgrube Büchenberg bei Elbingerode

Da auf der obigen Karte nicht mehr vermerkt: Elbingerode liegt ca. 45km südöstlich von Goslar.

Der Bergbau im Elbingeröder Revier reicht gut 1000 Jahre zurück, als erste Bodenschätze über Tagebaue abgebaut wurden. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auch in der Eisenerzgrube Büchenberg Stollen aufgefahren, von denen ein Teil durch uns im Rahmen einer (sehr interessanten!) Führung besichtigt werden konnte. Der Erzabbau hier erfolgte bis 1970. Seit 1989 wird die Anlage für den Besucherbetrieb genutzt.

Angekommen an der letzten Reise-Etappe

Und immer ein Ohr für Probleme und sachkundige Hinweise: Unser Reiseleiter, Herr Hahmann (unten-rechts)

Vor der Einfahrt in die Erzmine erst einmal ein sehr ausführliches Kapitel „Eisenerzabbau“ und ein amüsantes Kapitel „Altenberger Erinnerungen“ durch den Grubenführer Ralf Selle in seiner Paradetracht

Einfahrt und Untertage-Vorführungen mit ausgesprochen gut präpariertem (!) technischem Gerät. Auf diesem Niveau sind andere Gruben nicht immer ausgerüstet, was sicher ein Verdienst der hier agierenden Vereinsmitglieder ist

Vor Ort und neben freigelegten Erzgängen 

Toller Abschluß in Büchenberg unter den Augen der heiligen Barbara (links): Das Zscherper-Essen, ein zünftiges Steigermahl im Berg mit Harzer Wurstspezialitäten, Käse, Gurken, Speck und (Stark-) Bier

PS: Eine gelungene und mehr als interessante Tour auf den Spuren des Welterbes.

Glückauf, 2026!

Quellen:
(1): „Entdecken Sie das UNESCO-Welterbe im Harz“, Stiftung Bergwerk Rammelsberg
(2): „Klosterort Walkenried: Kulturregion mit Welterbe“, Tourist-Information Walkenried
(3): Goslar: Die Kaiserpfalz: Vom Regierungssitz zum Welterbe, Faltblatt 2025
(4): Dr. Ursula Müller: „Kaiserpfalz Goslar“, Studio Volker Schadach, 1, Auflage 2022
Internet:
– https://www.welterbeimharz.de/welterbe-im-harz
– https://de.wikipedia.org/wiki/Erzgrube_B%C3%BCchenberg

(v.k.)

Harzreise 2020: Auch rund um den Brocken sterben die Wälder

28.6.- 03.7.2020

Start und Ziel für unseren einwöchigen Wanderurlaub ist Braunlage im Herzen das Harzes. Für uns eine Woche Entspannung und Durchatmen in einer Wanderregion par excellence: Denn: Mehr als 9.000km gut ausgeschilderte  Wanderwege durchziehen das bergige und oft schroffe Gelände im höchsten Mittelgebirge Norddeutschlands.

Wanderweg an der Kalten Bode zum Brocken, Blick zurück zum benachbarten Wurmberg (971m)

Direkt am Wege von Natur und Bergwelt mit ihren interessanten Landschaftsformen: Fast unendlich viele Ziele aus Geschichte und mittelalterlichem Bergbau, historischer Wasserwirtschaft, Städtebau, Handwerk und gelebter Tradition. In der Harz-Region wachsen seit 1990 die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder erfolgreich zusammen. Die einstigen Kolonnenwege an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Brocken und Wurmberg bis hin zur Bremke-Brücke vor Braunlage sind heut Wanderwege. Die vor 30 Jahren noch martialisch gerodeten Grenzstreifen sind mittlerweile durch die Natur wieder erfolgreich vereinnahmt worden.

Ehemaliger Patrouillenweg entlang der Bremke, dem einstigen Grenzfluß zwischen Ost und West

Im Zentrum des „Naturparks Harz“ wird seit 1990 das Gebiet um den Brocken als „Nationalpark Harz“ ausgewiesen. Der Nationalpark ist seit 2006 länderübergreifend installiert und umfaßt mit einer Fläche von 25.000 ha etwa ein Zehntel der Gesamtfläche des Harzes.

Blick über die Gebirgsrücken des mittleren Harzgebietes

„Genährt werden Mythen und Sagen von der Urwüchsigkeit und Magie der Natur. Dichte, dunkle Fichtenwälder, nebelumwobene Klippen und Gipfel- das ist die eine Seite des Harzes. Die andere: Lichtdurchflutetete Hochebenen, buntblühende Bergwiesen, leise plätschernde Bäche ud farbenfrohe Laubwälder. Das stark bewaldete und klippenreiche Gebiet des „Nationalpark Harz“ rund um „Vater Brocken“ ist ein einzigartiges Refugium und steht unter besonderem Schutz“ (aus: Brocken-Tips, Sonderausgabe, Juni 2020)

Der Harz ist voller Highlights und scheint noch heute voller Geheimnisse. Kein Geheimnis ist dagegen, daß die Nadelwälder im Naturpark schwer angeschlagen oder- wie im Zentrum des Nationalparks- in großen Flächen bereits tot sind. Hier gibt es gebietsabhängig fast keine grünen Bäume mehr: Das Totholz dort wird vom Forstbetrieb nicht geborgen, da ein „natürlicher Urwald“ ohne menschlichen Eingriff  entstehen soll. So der Anspruch.

Istzustand: Im Nationalpark um den „Vater Brocken“.

100- und 150-jährige Fichtenwälder wurden im Verlauf von zwei(!) extrem trockenen Jahren vernichtet! Hitzerekorde, Trockenheit, Krankheiten und Borkenkäferinvasionen waren die Totengräber. Eine traurige Bilanz, da Alternativen und diverse Konzepte zur  Wiederaufforstung der ehemaligen Monokulturflächen -auch mit Laubbaum-Setzlingen- mit großen Fragezeichen verbunden sind. Unsere Wälder stehen vor dem Kollaps, da Regenarmut und Dürre auch den Laubbäumen sichtbar zu schaffen macht. Die Beklemmung und Unsicherheit bei den Forstleuten ist nach unserem Eindruck mehr als spürbar, der seit Jahrzehnten vorangetriebene Waldumbau scheint an einem ktitischen Punkt angekommen. Dabei ist die von uns im Harz beobachtete Situation exemplarisch für das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz und auch für die meisten Waldgebiete Deutschlands.

Gespenstisch: Toter Wald Im Naturpark Harz.

Weinen hilft nicht. Die Frage ist: Wie geht es weiter? Drücken wir uns die Daumen, daß die die Brockenbahn in fernerer Zukunft wieder durch grünen Wald zum Gipfel schnaufen wird…

(v.k.)