Ostpreußen: Masuren_2026

In den polnischen Masuren

In aller Kürze:

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  • Private Reise vom 10.08. – 26.08.2026     
  • Entfernung Freiberg-Mikolayki: ca. 920km
  • Autofahrt über Poznan-Olsztyn: 10h

Wir waren im August bei unseren polnischen Nachbarn zu Besuch. Genau genommen im Nordosten des Landes, südlich der heutigen Exklave Kaliningrad und nahe der polnischen Grenze zu Litauen und Weißrußland. Mit großer Neugier, vielen Fragen und mit Fahrrad und Auto. Wir waren zu Gast in den Masuren, dem südlichen Teil der ehemaligen Provinz Ostpreußen, das seit 1945 Bestandteil der polnischen Woiwodschaft Ermland/Masuren ist. Zu Gast in einem für uns noch unbekannten Land mit wechselvoller Geschichte, einem reichen Kulturerbe und oft unberührten Natur. Mit seiner Landschaft aus weiten Feldern, sanften Hügeln, glasklaren Flüssen, geheimnisvollen Wäldern und einer Landschaft mit mehr als 2.500 Seen. Mit lebendigen Hafenstädten wie Angersburg, Lötzen oder Mikolajki, mit Ordensburgen wie Allenstein und Rössel oder wie der Gutshof der Familie Lehndorff in Steinort…

Hügelige Felder, dichte Kiefern- und Mischwälder und majestätische Seen: hier ist ein Panoramablick nicht unangebracht…

Ein Stück Geschichte

Die Masuren, sicher eine der schönsten Urlaubsregionen Europas, blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. Ich habe mich gern informiert: Über die vormals hier ansässigen Stämme der Prußen und Jatwinger, über die schreckliche Pestseuche von 1709-1711 und über die langandauernden Auseinandersetzungen der deutschen Ordensritter mit litauisch/polnischen Königen (Schlacht bei Grunwald/Tannenberg 1410 im Deutschordensland Preußen). Besonders aber über die Teilung des Landes nach dem 2. Weltkrieg. Die zwangsläufige Flucht und Vertreibung sowie der Verlust der Heimat durch zwei verlorene Kriege sind Wunden, die bis in meine vorhergehende Generation reichen. Nachfolgende Collage mit den Karten 1-3 verdeutlicht die Neuordnung der Landkarte Ostpreußens aus den völkerrechtlichen Abkommen von Versailles und Potsdam nach dem 1. bzw. 2. Weltkrieg: 

  • Karte1-links oben: Ostpreußen war zwischen 1871 und 1920 die östlichste Provinz des Deutschen Reiches. Sowohl Ost- als auch das benachbarte Westpreußen waren stark landwirtschaftlich geprägt und bildeten u.a. die „Kornkammer“ des Staates.  
  • Karte 2-rechts oben: Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 mußte das Deutsche Reich den größten Teil Westpreußens an Polen abgeben. Das betrifft das Gebiet nördlich und südlich von Danzig bis einschließlich Thorn und Bromberg (in der Karte gelb gezeichnet). Ziel war die Implementierung des sogenannten polnischen Korridors, mit dem Polen einen eigenen  Zugang zur Ostsee westlich der Weichsel erhielt. Danzig wurde ein autonomer Freistaat unter dem Schutz des Völkerbundes. Dadurch verlor Ostpreußen die direkte Landverbindung zum übrigen Deutschen Reich und wurde zur Exklave. Das Kernland Ostpreußen mit der Haupstadt Königsberg blieb jedoch nach der Volkabstimmung im Jahr 1920 als Provinz ein Teil des Freistaats Preußen. Das Gebiet nördlich der Memel wurde unter Völkerbundverwaltung gestellt und 1923 von Litauen annektiert.
  • Karte3-links unten: Ostpreußen wurde im Sommer 1945 gemäß Potsdamer Abkommen zwischen der Sowjetunion und Polen aufgeteilt und in einen nördlichen und südlichen Teil aufgespalten. Der nördliche Teil fiel an die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik RSFSR und existiert bis heute als russische Exklave unter der Bezeichnung Oblast Kaliningrad (eingekeilt zwischen den Ländern Litauen, Weißrußland und Polen). Königsberg wurde in Kaliningrad umbenannt. Memelland, der nördlichste Teil Ostpreußens an der Memel, fiel an Litauen. Die Hafenstatdt Memel wurde in Klaipeda umbenannt. Der südliche Teil Ostpreußens wurde als Woiwodschaft Ermland-Masuren direkt in den polnischen Staat eingegliedert:

Unter der Ägide des Ostpreußischen Adlers: Ostpreußen im Wandel der Geschichte

Unterwegs in den Masuren

Vorab: Wir haben uns die „Reise durch Ostpreußen“ des kritischen TV-Jounalisten Klaus Bednarz angeschaut, der 1994-1996 mit seinem Filmbericht auf der Suche nach den Spuren deutscher Kultur und Vergangenheit, sowie nach Krieg und Vertreibung in Ostpreußen unterwegs war. Ich denke, daß seine damaligen Bilder vom Verfall in dieser Region aufgrund der Wirtschaftskrise der frühen 1990er Jahre authentisch sind, aber mittlerweile der Vergangenheit angehören (siehe Youtube-Video ganz unten).

Nachfolgender Bericht lebt in erster Linie von den Bildern, die wir in den 16 Tagen hier „geschossen“ haben. Weitere Filme, Texte und Beschreibungen zu den Masuren sind in großer Zahl und detailliert verfügbar und z.T. unten aufgeführt… Ansonsten haben wir zwei in der kleinen Gemeinde Gorklo, etwa in der Mitte der Masuren, unser Quartier aufgeschlagen und „schwärmen“ mit Auto und den „Radln“ in alle Richtungen aus. Bis zur russischen Grenze in die Exklave Königsberg oder nach Suwalki sind es ab hier etwa 100km (siehe Beitragskarte oben). 

1. Landschaften und Natur 

• Seen, Segeln und Marinas ohne Ende

Das Gesamtgebiet der Masuren wird mit 1.700 km² angegeben. Dabei entfallen auf seine Wasserfläche ca. 480 km². Mit den über 2.500 Seen ist die Masurische Seenplatte ein Pfund für Schiffahrt, Segeln, Angeln und jeglichen Wassersport. So sind der Spirdingsee (Sniardwy) mit 115 km² oder der Mauersee (Mamry) mit 105 km² Wasserfläche kaum überschaubare Binnenmeere. (Schwielowsee bei Potsdam: ca. 8km²). Das Wasser dürfte der wesentliche Touristenmagnet in dieser Gegend sein. Für uns interessant, aber prinzipiell ohne weitere Bedeutung, da wir nicht mit der Jacht oder dem Segelboot (das wir nicht haben), sondern nur mit „unseren Radln“ da sind.  

Viele Gebiete erinnern mit ihren sandigen Kiefernwäldern und schmalen Alleenstraßen an die Lausitz oder an märkische Landschaften mit ihren Seen. Ihre ausgedehnten Wälder, Gewässer, Sümpfe und Felder sind die Grundbedingungen für die Ansiedlung von Störchen, deren Nester auf Häusern, Schornsteinen oder ausgedienten Telefonmasten nicht zu übersehen sind.

Suchbild: Auf welchem Bild gibt es keine Boote bzw. Schiffe?

• Kurze Anmerkung zu den masurischen Fahrradwegen 

Angetreten mit unseren Rädern incl. Ausrüstung und verführt durch einschlägige Berichte zu tollen Fahrradtouren in den Masuren sind wir schnell eines Besseren belehrt worden: Die Markierungen für Fahrradwege sind zwar verlockende Empfehlungen, die bezeichneten Wege selbst sind aber nur schwer bis gar nicht zu bezwingen (ganz oben). Tiefer Sand ohne Ende, schade. Da wir uns keine Superbreitreifen zulegen wollten, bleibt nur der Ausweich auf die schmalen Gebietsstraßen mit ihren imposanten Baum-Alleen. Deren geschätzte Pflanzzeit: um 1900…  

• Zu Blaubeeren, Pilzen, Streuobstwiesen und geheimnisvollen Wäldern

Im August war der Gabentisch mit Blaubeeren und Pilzen für uns noch reichlich gedeckt. Auffallend in den Masuren: Streuobstwiesen, die keine Besitzer (mehr) kennen und ihre Früchte für Jedermann feilbieten…  

• Kanu-Tour(en) auf der Krutynia

Krutyn und Krutynia sind malerischer Ausgangsort und Fluß für Kajak- und Paddeltouren im Masurischen Landschaftspark. Die malerische Krutynia mäandert durch eine sehenswerte Naturlandschaft mit tunnelartigen Wald-Durchfahrten. Einzigartig: Ihr kristallklares Wasser, der Artenreichtum an Pflanzen und die dichten Uferwälder. Es gibt zwei wesentliche Routen flußabwärts, bei denen man jeweils 1/2 bis 1 Tag unterwegs ist:

  • von Krutyna nach Ukta (ca. 12km)
  • von Ukta nach Iznota (16km)

Wir haben beide Touren an zwei sonnigen Tagen genossen:

2. Städte und Sehenswürdigkeiten  

• Olstztyn/Allenstein (ca.180.000 Ew. incl. 20.000 Studenten)      

Olsztyn ist die größte Stadt im polnischen Teil des ehemaligen Ostpreußens und Hauptstadt von Ermland-Masuren. In der Stadt mit mittelalterlichem Flair und lebendiger Atmosphäre begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart. Das akademische Leben prägen ca. 20.000 Studenten, vor allem aus der Universität Ermland-Masuren  (Uniwersytet Warmińsko-Mazurski, UWM). Aus dem Mittelalter bewahrt Olsztyn Teile der alten Stadtmauer und das gotische Hohe Tor. Die dreischiffige Hallenkirche St. Jakobus ist ein Werk aus der Backsteingotik. Berühmt: Das Franziskanerkloster und die Ordensburg aus dem 14. Jhd., in der auch Nikolaus Kopernikus lebte und arbeitete.

 

• Gizycko/Lötzen: Stadt und Festung Boyen (ca. 27.000 Ew.)

Lötzen gilt als Polens Sommerhauptstadt und ist touristischer Mittelpunkt an Masurens Großen Seen. Im Jachthafen der Kleinstadt zwischen Kisainsee und Löwentinsee machen viele Segler fest, die den 105 km² großen Mauersee (Jezioro Mamry) erkunden wollen. Neben der Deutschordensburg etwas für Technik-Interessierte: Eine manuelle, per Hand betreibbare, 20m lange, 8m breite und 100 Tonnen (!) schwere Drehbrücke über den Kanal Luczanski. Der Lötzener Wasserturm bietet einen tollen Blick über die Seenlandschaft. 

Mitte des 19.Jhd. entstand westlich von Lötzen und auf Anordnung König Friedrich Wilhelms IV. an einer Enge zwischen Löwentin- und Kissainsee ein Festungswerk mit sternförmigem Grundriß und 6 Bastionen. Benannt wurde die Anlage nach dem preußischen Kriegsminister und Heeresreformer Generalfeldmarschall Hermann von Boyen (1771 – 1848). Die Festung spielte im ersten Weltkrieg eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die russischen Angriffe. Gut erhalten: Deren Wehranlagen mit ihren kilometerlangen Wällen und Armeegebäuden. im 2. Weltkrieg bezog die militärische Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht unter Admiral Wilhelm Canaris in der Feste Boyen Quartier:

• Mragowo/Sensburg (ca. 20.000Ew.)

Sehenswert in der gut erhaltenen Altstadt: Die evangelische St.-Trinitatis-Kirche (18. Jh.), die St.-Adalbert-Kirche (19. Jh.), das Rathaus (1825).

• Ryn/Rhein (ca. 2.5000 Ew.)

Hoch über der Stadt erhebt sich die mächtige Ordensburg Ryn aus dem 14. Jahrhundert. Im Jahre 1377 ließ der Hochmeister des Deutschen Ordens, Winrich von Kniprode an der Stelle einer früheren prußischen Wallanlage eine feste Burg zur Ryne errichten. Nach der Marienburg war sie einst die zweitgrößte Festung des Ordens im Osten.


• Mikolayki/Nikolaiken (ca. 3.5000 Ew.)

Das Fischerdorf Mikolajki ist eine der beliebesten Ferienorte der Masuren am größten See der Region, dem Spirdingsee (Jezero Sniardwy). Immer ein Hingucker: Seine fast übervolle Marina und die moderne  Fußgängerbrücke, die beide Teile von Mikolayki verbindet.

• Wojnowo/Eckertsdorf: Das Kloster der Altgläubigen 

Das Dorf ist geprägt durch die Glaubensgemeinschaft der Altgläubigen, die im 17. Jhd. und im Streit mit der russisch-orthodoxen Kirche von Rußland nach Masuren flohen. Das Drama der Altgläubigen begann 1667, als der Moskauer Patriarch Nikon eine Liturgiereform durchführte, um die Riten der russisch-orthodoxen Kirche den griechischen Bräuchen anzupassen. Alte, typisch russische Bräuche wurden für Ketzerei erklärt. Nicht alle Gläubigen wollten die neue Verordnung akzeptieren. So auch die Altgläubigen, die unnachgiebig auf den alten Grundsätzen ihrer Religion beharrten. Es begannen grausame Verfogungen samt Folter und Scheiterhaufen. Die Altorthodoxen mußten in Gebiete mit größerer Religionstoleranz, so auch nach Ostpreußen fliehen, siehe (2).

Das Dorf Wojnowo selbst wurde 1831 von den Altgläubigen gegründet, die wegen der Nichtanerkennung von Reformen in der russisch-orthodoxen Kirche auch vom Zaren verfolgt wurden.

• Ruciane Nida/Niedersee: In der Johannisburger Heide (ca. 4.000 Ew.)

Eine moderne Stadt, die erst nach dem 2. Weltkrieg entstanden ist. Von hier aus sind es nur wenige Schritte in die Johannisburger Heide.

• Das Kloster Swieta Lipka/Heiligelinde

Der Legende nach entstand die erste Wallfahrtskirche um eine Linde, an der eine wundertätige Marienfigur hing. Das heutige Marienheiligtum, eine Basilika von 1730, gehört zu den prunkvollsten spätbarocken Bauten in Polen. Sie gehört zu einem von Jesuiten geleiteten Klosterkomplex, zu dem auch der Kreuzgang und das Ordenshaus der Jesuiten gehören.

• Reszel/Rössel 

Neben der gotischen Peter- und- Pauls Kirche fällt die backsteinrote Ordensburg aus dem 13. Jhd. mit ihren wuchtigen Türmen auf. Beeindruckend: Der Hexenprozess gegen eine junge Frau, ihr vierjähriges Martyrium in der Burg Reszel und ihre Verbrennung auf dem Scheiterhaufen noch im 19.(!) Jahrhundert.

• Sztynort/Steinort

Im Zentrum des Ortes steht der Palast der Familie von Lehndorff, eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter in Ostpreußen. Während der Kriegswirren des 2. Weltkrieges blieb Steinort unzerstört. In einer Hälfte des Gebäudes wurde 1941 das Feldquartier von Reichsaußenminister Ribbentrop eingerichtet. Bis zu seiner Verhaftung am 21. Juli lebte hier Heinrich Graf Lehndorff, der aktiv an der Verschwörung gegen Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war. Bis zu Beginn des Jahres 1947 befanden sich in Steinort sowjetische Armee-Quartiere. Darüberhinaus mehrere Sammelpunkte für zusammengetragenes Gut, das nach Osten transportiert werden sollte. 

Apropos Neuaufbau in den Masuren: Heute wird der verfallene Gebäudekomplex-übrigens auch mit deutschen Fördergeldern- aufwendig saniert. Die Restaurierung erfolgt länderübergreifend, wobei von deutscher Seite Hilfe und Unterstützung von der Städtischen Fachschule für Bautechnik und Meisterschule für das Bauhandwerk München gewährt wird:

• Hitlers Wofsschanze in Gierloz/Görlitz

Die Wolfsschanze, ein Komplex aus 200 Gebäuden und baulichen Anlagen für ca. 2.000 Personen, wurde als Führerhauptquartier für den Angriff Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion 1940-44 angelegt. 50 bis 80 davon waren massive Stahlbetonbunker und Splitterschutzzellen. Die schweren Schutzbunker bestanden aus Füllbeton, deren Wände bis zu 8m und deren Decken bis zu 10m Dicke erreichten. Das Terrain war umzäunt, vermint und gut versteckt.  Der Versuch deutscher Pioniere, die Bunker im Januar 1945 zu sprengen, mißlang, wie die im Wald verstreuten Reste bezeugen. Die Anlage ist m.E. sehr gut dokumentiert. 

• Im ehemaligen OKH Mamerki/Mauerwald

„Quelle“, „Fritz“ und „Brigittenstadt“ sind die Kürzel für drei Zonen ehemaliger Bunkerkomplexe im Mauerwald, in denen von 1941 bis 1945 das Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres (OKH) und das Quartier des Heereshauptversorgungsdienstes ihren Sitz hatten. Mamerki liegt am nordwestlichen Ufer des Mamry-Sees, ca. 20km von der Wolfsschanze entfernt. Es wurde vom Wachbataillon der deutschen Wehrmacht geschützt.

• Die Kopie des Bernsteinzimmers in Mamerki/Mauerwald

Das echte Bernsteinzimmer wurde 1941 von der deutschen Wehrmacht aus dem Katharinenpalast in St. Petersburg nach Königsberg transportiert. Dort ist es seit 1945 verschollen und wird in der ganzen Welt- auch in Mamerki- gesucht.

Um so überraschter waren wir, hier vor Ort auf dieses Kleinod zu treffen, das uns eine Vorstellung über dessen originale Schönheit und Eleganz versprach. Denn das im Ausstellungspavillon in Mamerki gezeigte Bernsteinzimmer ist originalgetreu und 1:1 maßstabsgerecht nachgebildet. Es  besteht allerdings nicht aus echtem Bernstein, sondern aus speziellen Kunststoffen. Eine zweite originalgetreue Rekonstruktion steht heute wieder im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg.

• Himmlers Feldquartier in Großgarten/Pozezdre

Das Feldquartier Heinrich Himmlers taucht unter dem Decknamen „Hochwald“ bzw. „Schwarze Schanze“ auf. Das im Wald versteckte Quartier besteht aus 9 Objekten, davon 5 Schutzbunkern mit 2m dicken Decken und Wänden. Alle Bunker wurden durch die sich zurückziehenden deutschen Einheiten zerstört.

Die Schleusen des (unvollendeten) Masuren-Wasserkanals in Lesniewo/Fürstenau

Der Masurische Ostsee-Kanal ist baulich unvollendet. Er sollte den Wasserweg und die Verbindung zwischen den Großen Masurischen Seen mit der Ostsee herstellen. Zwei Schleusen der geplanten Gesamtstrecke befinden sich in Fürstenau/Leśniewo:  

• Resumee 

Manchmal merkt man erst, wie schön es war, wenn man nicht mehr vor Ort ist….

Wir waren 16 Tage in unserem Nachbarland Polen unterwegs und haben uns in dieser Zeit pudelwohl gefühlt. Da die jungen Leute Englisch und viele Ältere gut Deutsch sprechen, war man unterwegs gut aufgehoben. Dem „Tante Emma-Laden“, den wir kaum noch kennen, und bei dem es (fast) alles auf kleinstem Raum zu kaufen gibt, begegnet man jedoch in den meisten Dörfern und Gemeinden Masuriens.

Das „flache Land Ostpreußen“, von dem Klaus Bednarz in seinem Filmbericht sprach, ist im Aufbruch. Wenig erinnert an die Stagnation der 90-iger Jahre. Wer sehen will, kann es nicht übersehen: Allerorts wird gebaut und -auch mit ausländischen Investoren- modernisiert. Die Einkommen und der allgemeine Wohlstand sind seit den 1990er-Jahren kontinuierlich gewachsen. Polens Wirtschaft boomt im Vergleich zu vielen anderen EU-Ländern: Während Deutschland konjunkturell stagniert, wächst Polens Wirtschaft um etwa drei Prozent im Jahr. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2025 um 3,6 Prozent, die Arbeitslosenquote zeigt mit 3,2 Prozent eines der niedrigsten Werte in der Europäischen Union. Auch das Ausmaß extremerer Formen von Armut im Land hat sich verringert und die Lage vieler Haushalte verbessert. Nicht zu vergessen: Es gab im Vergleich zur Wiedervereinigung Deutschlands keinen polnischen „Marshall-Plan“ zum Aufbau des Landes…

Und noch etwas: Es ist erstaunlich, wie das einstige Leben im damaligen Ostpreußen aufgearbeitet und mit Stolz hergezeigt wird. Mit Bildern und Dokumenten in den Orten oder an den Straßen. Das betrifft übrigens auch die Pflege der Soldatenfriedhöfe aus dem 1. Weltkrieg, die noch heute auf die erbitterten deutsch-russischen Kämpfe vom August 1914 bis Februar 1915 hinweisen:

   

Last not least:

Hier das Zeitdokument von 1995: Klaus Bednarz` emotionale Filmreportage mit seinen (etwas nostalgischen) Bildern und dem melancholischen Grundton: 

Bildnachweise:

-Beitragskarte (oben): Unsere Ziele in den Masuren: © OpenStreetMap-Mitwirkende

-Collage: Ostpreußen im Wandel der Geschichte:

  • Karte1: Ostpreußen zwischen 1871 und 1920:  wikimedia-Public Domain
  • Karte2: Ostpreußennach dem 1.Weltkrieg: Public Domain/wikipedia/Mehlauge/File: Insel Ostpreußen 1926.jpg
  • Karte3: Ostpreußennach dem 2.Weltkrieg: Public Domain/wikipedia.org CC BY-SA 3.0/Der Eberswalder/; File: Orienta Prusio.png
  • Bild4: Wappen des Ostpreußischen Adlers: Public Domain/wikimedia.commons CC BY-SA4.0/Glasshouse; File: Arms of East Prussia

-Luftaufnahme der Ordensburg Ryn:

  • Burg Ryn:    Public doman/wikimedia.commons CC BY-SA 4.0/Dakorps/ File: Zamek w Rynie z lotu ptaka.jpg

Zum Lesen/Anschauen:

  1. Stanislaw Siemeinski: „Masuren-Bekanntes und doch unbekanntes Land“, Verlag „Stes“-Ketrzyn
  2. Die Geschichte der Altgläubigen in Wojnowo, Museum Ikon i Kultury
  3. Neumärker/Conrad/Woywodt: „Wolfsschanze“, Verlag Weltbild GmbH, 1999
  4. Hanna Tarasewicz: „Heiligelinde“, ZUP Olsztyn
  5. Comfort!map: Mapa turystyczna: „Mazury“, Doppelkarte Nord- und Südmasuren,  1:60.000
  6. ADAC Kartenmaterial-Nordpolen 2026
  7. Touristenlandkarte: Auf der Route des ersten Weltkrieges, Poland-Russia, 2020

Im Internet:

flag: pixabay.com

(v.k.)