Musik und Theater gehören zu den wunderbarsten Schöpfungen des Menschen. Sie sind mehr als nur Träumen, Vergnügen, Hingabe oder Genuß. Denn: Sie geben dem Menschen all das Gute zurück, was in ihm ist und was auf dieser Erde zurückbleiben wird.
„Steigen Sie ein und begleiten Sie den Stadtchor Freiberg und seine Gäste auf eine musikalische Zugreise voller Fernweh, Humor und überraschender Begegnungen! Maria, frisch geschieden und bereit für einen Neuanfang, wagt ihre erste Urlaubsreise allein. Doch statt entspannter Erholung erwartet sie ein turbulentes Abenteuer mit der Bahn: Chaotische Bahnsteige, verspätete Züge und eine Reihe skurriler Mitreisender. In ihrem Abteil begegnet sie unter anderem einer reiselustigen Dame, einem vom Pech verfolgten Bankräuber und sogar einem echten YouTuber. Eine Reise, die anders verläuft als geplant! Und dies mit einem mitreißenden Mix aus bekannten Hits und zeitlosen Klassikern, einstudiert vom Stadtchor Freiberg, einer Live-Band und weiteren Gästen“. (1)
(1): Bearbeitete Textpassage aus dem Veranstaltungskalender der Silberstadt Freiberg
Am Mittwoch, den 25. März feierte im Freiberger Theater das Bühnenstück „Marianengraben“ seine Uraufführung. Das Schauspiel in der Fassung von Stephan Bestier und Catherina Jacobi greift auf den gleichnamigen Roman von Jasmin Schreiber zurück. Bravourös in den Hauptrollen: Nele Schweers und Michael Berger. Ein absolut sehenswertes, modernes Theaterstück!
„Die Inszenierung wagt etwas Ungewöhnliches: nämlich leicht zu erzählen vom Allerschwersten. Tieftraurig und voller skurrilem Humor agieren die beiden Akteure.
Die Geschichte erzählt von der Verzweiflung einer jungen Frau, die um ihren geliebten Bruder trauert. Und den Folgen einer zufälligen nächtlichen Begegnung auf dem Friedhof. Dort trifft Paula auf Helmut, der gerade dabei ist, eine Urne auszugraben. Er hatte seiner Frau eine Reise versprochen. Und auf die begeben sich nun diese beiden einander fremden Versehrten – der alte kranke Mann und die tief traurige Heldin“. (1)
(1): Foto und Textpassage aus dem Prorgrammheft 03/2026 des MiT
Mascha Kaleko (1907-1975), hier bei einer ihrer Buchlesungen
„Die bekannte deutsch-jüdische Dichterin Mascha Kaléko verfasste lyrische, aber auch politisch-satirische Gedichte, mit denen sie zur Förderung der Demokratie in Deutschland nach dem Holocaust beitragen wollte. Zum Tag der Demokratiegeschichte werden Gedichte und andere Texte von ihr rezitiert, musikalisch in Szene gesetzt und fachkundig kommentiert.
Der Abend bietet Gelegenheit, eine bisher noch unbekannte Seite der bekannten und damals wie heute sehr beliebten Dichterin kennenzulernen. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Julia Meyer erläutert anhand von historischem Bildmaterial das Leben und Werk der engagierten Demokratin Mascha Kaléko im Nachkriegsdeutschland, sodass Demokratiegeschichte in Wort, Bild und Musik vermittelt wird.
MiT-Schauspieler Boris Schwiebert rezitiert aus Gedichten und Briefen von Kaléko, der Pianist und Saxophonist Jörg Kandl sorgt für musikalische Beiträge“ (1).
(1): Rezension und oberes Foto aus dem Spielplan 03/2026 des Mittelsächsischen Theaters (MiT)
Ich habe eines ihrer schönsten Gedichte hier auf meiner Webseite verlinkt. Mascha Kaléko schreibt das „Letzte Lied“, in ihrer Spätzeit, d.h. lange nach ihren schaffens- und erfolgreichen Berliner Jahren im Literaturzirkel rund um das Romanische Cafe. Wahrscheinlich nach Übersiedlung ihrer Familie von New York nach Jerusalem im Jahre 1959. Wo sie wegen sprachlicher und kultureller Isolation sowie dem Tod ihres Sohnes und der Krankheit ihres Mannes unter ungewollten Enttäuschungen litt. Dazu auch der Buch-Lesetip.
Klein, aber mehr als fein und nicht zu übersehen: Das Tom Pauls Teater am Pirnaischen Markt. Auf dem heutigen Programm steht „Rettet uns den Gogelmosch“:
„Viele betrachten Säggs’sch eher als Mundfäule statt als Mundart. Doch die Sachsen lassen sich das nicht gefallen. Sie retten ihre Sprache, denn Sprache ist Heimat. Im Gogelmosch sind die Wörter gesammelt, übersetzt und erklärt. Amüsant, hilfreich und wissenswert für alle Sachsen und all jene, die sie verstehen wollen. Der ursächsische Schauspieler Tom Pauls erzählt breed, weech und lässch, was es mit dem Gogelmosch auf sich hat, wo Sächsisch entstand, wie man es am besten spricht und wer es besser sein lässt. Säggs’sch ist jedoch nicht nur eine Sprache, sondern eine Weltanschauung. Wer sie verstehen will, horchd eefach ma droff. (1)“
Wissenswertes zum Theatergebäude: Nachstehend die beeindruckende Historie vom Neuaufbau des ehemaligen Peter-Ulrich-Hauses (frühes 16. Jhd.) zur beeindruckenden Spielstätte von heute:
„Ein gutes Konzert ist wie ein Rausch. Und das ganz ohne Nebenwirkungen. Es besteht nur die Gefahr, zum Wiederholungshörer zu werden. Wenn man jedoch die Solisten des DRESDNER RESIDENZ ORCHESTERS hört, geht man das Risiko gern ein. Den Musikern gelingt es mit Stücken von Mozart, Verdi, Puccini oder Vivaldi klangvoll zu begeistern. Prof. Igor Malinovsky bringt seine internationalen Erfahrungwen als großen Schatz in die musikalische Arbeit mit den jungen Solisten ein. So entsteht der Reiz dieses Ensembles, das mit großem Charme und großer Profession überzeugt.
Das Kammerorchester des Dresdner Residenz Orchesters verzaubert im Wallpavillon des Dresdner Zwingers mit hinreißenden kammermusikalischen Werken, beeindruckenden Violinsolisten und bezaubernden Sopranisten. So werden die Konzerte bei jedem Auftritt zu einem einmaligen Erlebnis nicht nur für die Musiker, sondern vor allem für das Publikum: Ein wunderbarer musikalischer Rausch“ (1)
Die Abendmusik vom 03.07. im Freiberger Dom ist eine Rekonstruktion der Musikalischen Abendfeier, die vor 80 Jahren genau am 7. Juni 1945 stattgefunden hat. Sie war die erste Abendmusik nach dem Ende des 2. Weltkrieges für mehr als 3.000 Freiberger Bürger, die auf Bitte der Stadtverwaltung und der sowjetischen Militäradministratur an den damaligen Domkantor, Arthur Eger, zustandegekommen war. Obwohl erst im Frühjahr 1945 von der Front zurückgekommen und noch im Krankenhaus bahandelt, war Arthur Eger maßgeblich beteiligt an den Proben und am Zustandekommen dieses Konzertes. Genau so wie damals dabei: Der Freiberger Domchor.
Nach dem Konzert: Der Freiberger Domchor unter der Leitung von Clemens Lucke (oben links), die Violin-Solistin und Konzertmeisterin des Dresdener Barockorchesters Margret Baumgartl und der Organist und Dirigent Albrecht Koch (oben rechts) im Dom zu Freiberg
Auch an diesem Abend emotional und ergreifend: Der Choralsatz nach dem BWV431: „Wenn wir in höchsten Nöten sein“…
Am Samstag, den 26. Oktober um 19.30 Uhr feierte im Freiberger Theater das Musical „Dr. Schiwago“ seine Premiere. Das Musical von Lucy Simon, Michael Weller, Michael Korie und Amy Powers greift auf den gleichnamigen Roman von Boris Pasternak (1890-1960) zurück.
„Das Musical Doktor Schiwago handelt von einem Mann, Jurij Schiwago, der sich zu zwei Frauen hingezogen fühlt: Zu seiner Ehefrau Tonia und der geheimnisvollen Lara, welche viele weitere Verehrer hat. Um ihr Herz kämpfen ihr Jugendfreund Viktor Komarovskij und ihr Ehemann Pascha Antipov, Führer der Roten Armee. In den Wirren der russischen Geschichte in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gerät Jurij Schiwago zwischen die Fronten des Krieges und der Revolution. Lucy Simon erweckt Pasternaks Werk mit ihrem Broadway-Musical erneut zum Leben und entwirft dafür einen zeitgemäßen Sound mit russischer Klangsprache und vielen gefühlsbetonten Balladen. Barbara Schönes Inszenierung des Antikriegsdramas verdeutlicht anhand der Einzelschicksale der Protagonisten, dass es im Krieg nur Verlierer gibt.
PS: Die bewegte Lebensgeschichte des Arztes und Dichters Schiwago vor dem Hintergrund der Russischen Revolution wurde 1965 erstmalig mit Julie Christie, Omar Sharif, Geraldin Chaplin und Rod Steiger in den USA verfilmt.
(1): Textpassage aus der Website der Silberstadt Freiberg/Kultur & Tourismus:
„Es steht außer Frage: In der ‚Schöpfung‘ steckt alles. Die ganze Welt. Sie ist ein Blick zurück und weit in die Zukunft dessen, was Musik alles sein kann. Sie ist Gleichgewicht und Revolution zur selben Zeit, ein Stück Aufklärung eben. Prachtvolle Chöre, anmutige Melodien, feinste Polyphonie, all das fest verankert in einem optimistischen Menschenbild: Wer sich nach diesem Stück nicht automatisch besser fühlt, braucht wirklich Hilfe. Die ‚Schöpfung‘ ist auf so ehrliche Weise gesund. Zur Gesundheit gehört aber auch eine gute Prise Humor, und der kommt bei Haydn selbst in einem so weihevollen Umfeld wie der Schöpfungsgeschichte nicht zu kurz.
Zugleich wirft das lichtdurchflutete Werk einige Schatten auf unsere eigene Gegenwart. Was ist geblieben vom Geist der Aufklärung? Und was haben wir gemacht mit der Welt, so groß, so wunderbar?“ (Textpassage aus (1))
Haydns Oratorium über die Erschaffung der Welt ist sein wichtigstes musikalisches Vermächtnis. Die heutige Aufführung im Freiberger Dom wurde mit den Solisten Isabel Schickedanz (Sopran), Thomas Kiechle (Tenor) und Daniel Ochoa (Bass) sowie mit dem Philharmonischen Kammerorchester Dresden und dem Freiberger Domchor unter der Leitung seines Kantors Albrecht Koch gestaltet.
Anmerkung: Die parallel gestaltete Multimediale Projektion trägt nach meiner Ansicht nicht zum Verständnis dieses großartigen Oratoriums bei. Leider lenkt sie vom musikalischen Geschehen ab und ist daher weder erforderlich noch sinnstiftend.
Bei allen schwerwiegenden Problemen dieses Landes, eines ist heut offenbar genau oder ähnlich wie vor 10 Jahren: Mit ihrer Musik scheinen sich für viele Kubaner als begnadete Lebenskünstler die täglichen Probleme ihres Landes in Luft aufzulösen. Die vitale Lebensfreude hat neben Zigarren made in Kuba, Coctails, Mojito und Cuba Libre auch einen bestimmten Namen: Buena Vista Social Club!
Die einstigen Musiker des legendären Social Clubs (1) leben schon längst nicht mehr, doch deren Vermächtnis wird verehrt und in unsere Zeit weitergetragen. Ihre Musik als Quell von Virtuosität und Einfühlung, Körperlichkeit und Erotik ist noch heute legendär und aktuell. Beweis gefällig?
Am 16. August 2024, bei karibischen Temperaturen und eisgekühlten Mojitos, schafften es über 250 Fans der Kubanischen Musik in den Freiberger Schloßhof zu Ecos de Siboney, den offiziellen Nachfolgern der durch den Wim Wenders Film weltberühmten „Buena Vista Social Club“ mit seiner Musikerlegende Company Segundo. Dessen Enkel Leonardo, Alejandro und Ernesto halten das Erbe des mit 96 Jahren verstorbenen Company am Leben. „Wir geben ca. 25 Konzerte in Europa, sagt Sänger Alejandro. Für Musiker ist die Situation in Kuba sehr schwierig, man muß absolute Weltklasse sein, um dort überleben zu können. Daher lebe man in Mexiko, bestreite dort den Lebensunterhalt, teils auch mit Musik“ (2).
Im Freiberger Schloßhof
Mehr als zwei Stunden Lebensfreude, Spaß an Improvisation und ihrer kubanischen Musik: „Ecos de Siboney“
Quellen:
(1): Youtube: „Chan-Chan-Buena Vista Social Club“, aus dem Film von Wim Wenders, 1999
(2): „Klassik im Schloßhof“: Freie Presse, 19.08.2024
Mit dem Palmsonntag vor Ostern, dem bibelgeschichtlichen Einzug von Jesus Christus in Jerusalem, beginnt für die Christen der ganzen Welt die Karwoche. Der Beginn dieser Feiertage in diesem Jahr hat mit einem eindrucksvollen Konzert im Freiberger Dom seinen Anfang genommen: Der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. In der musikalischen Interpretation dargestellt sind Jesus` Gefangennahme und Tod. *).
Vor dem verhüllten Altar des Doms ein unvergeßlicher Musikabend mit den fünf Solisten, dem Dresdener Barockorchester und dem Freiberger Domchor unter der Leitung seines Kantors Albrecht Koch.
Die ca. 2 Stunden dauerende Johannes-Passion wurde vor genau 300 Jahren erstmalig in der Nikolaikirche Leipzig uraufgeführt. Seitdem gehört sie zu den eindrucksvollsten Musikstücken der Karwoche.
*) Warum Passion nach Johannes?
Der durch den Evangelisten Johannes überlieferte Bericht ist eines der vier christlichen Erzählungen (Evangelien) zum Leben, Wirken und Sterben Jesu Christi. Er steht, wie auch die vergleichbaren Texte des Markus, Matthäus und Lukas, im Neuen Testament, also dem zweiten Teil der Bibel. Nach mehrheitlichem Kenntnisstand entstanden diese Evangelien zu unterschiedlichen Zeiten: 70 n.Chr. (Markus), 90 n.Chr. (Matthäus und Lukas) bzw. 100 n.Chr. (Johannes). Allerdings sind -auch ansatzweise- deren wirkliche Verfasser und ihre Vita nicht verifizierbar („Verfasser unbekannt“). Sie sind damit mit hoher Wahrscheinlichkeit anonym übermittelte Berichte. Nicht nachweisbar ist ebenfalls, daß einer dieser Evangelisten Jesus persönlich kannte. Vermutlich zufällig ist auch deren Namensgleichheit mit den Aposteln Matthäus und Johannes, zweier Jünger des Messias. Allerdings steht fest, daß in allen Texten auf mündliche Erzählungen zurückgriffen wurde, die man sich in den frühchristlichen Gemeinden von Palästina, Syrien, Griechenland und Kleinasien über den „Nazarener“ erzählt hat.
Das Johannes- Evangelium entstand also etwa um 100 n.Chr, also ca. 70 Jahre nach Gefangenschaft und Kreuzigung Jesu und ist damit die jüngste Version der Lebensgeschichte des Messias. Wer dieser Johannes wirklich war, ist nicht verifizierbar und verliert sich im Dunklen. Genau so wie seine rätselhafte, verklausulierte Sprache bleibt sie ein Bericht über einen Heiligen. Voller Mythos und Geheimnisse…