Jordanien & Israel_2018

  • Yes EyReisebüro-Reise „Jordanien und Israel. Ewiger Zauber des Morgenlands-Rundreise von Amman bis Nazareth“ vom 28.04.-07.05.2018
  • Veranstalter: Berge & Meer
  • Flug: nonstop mit Airbus A321 von Lufthansa
  • Flugdauer Frankfurt/M.—>Amman: 4h (ca. 3050km)
  • Zeitverschiebung(MEZ) Deutschland—>Amman: +1h

Unsere Reiseeindrücke und -Erlebnisse sind auch als Israel/Jordanien-Blogbeitrag bei LinkedIn veröffentlicht.


Es ist unser zweiter Anlauf nach den militärischen Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Hamas und israelischen Truppen im Frühsommer 2016. Erneut gebucht ist also eine Reise in das „gelobte Land“ mit dem Lufthansaflug LH692 von Frankfurt/M. nach Amman/Jordanien. Nach einem hoffentlich erfolgreichen Reiseverlauf der Rückflug dann ab dem Ben Gurion-Flughafen in Tel Aviv/Israel. So ist der Plan. Nein, keine Pilgerreise in das Gebiet des einstigen Palästina, dafür jedoch uneingeschränktes Interesse an Entwicklung sowie Geschichte und Religion zweier völlig unterschiedlicher Nachbarstaaten westlich und östlich des Jordanflusses.

Wir haben uns leidlich vorbereitet, wobei wir zu keinem Zeitpunkt Angst hatten. Auch nicht in Israel, das seit seiner Staatsgründung 1948 sowohl mit den arabischen Palästinensern als auch mit den meisten seiner Nachbarstaaten im mörderischen Dauerclinch liegt. Allenfalls Beklemmung, da seit Generationen Willkür und Gewalt, Attentate und Terrorismus das Zusammenleben zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerungsgruppe prägen.

Das geplante Reiseprogramm ist mehr als anspruchsvoll. Dabei ist die größte Nord-Süd-Entfernung (Jerash—>Aquaba in Jordanien bzw. Eilat—>Nazareth in Israel) mit ca. 400km km nicht allzu groß. Von den Bergen des Nordens bis zum Roten Meer gilt es jedoch extreme Regionen zu überwinden: Einer fast üppigen Vegetation mit Gemüseanbau, Oliven, Feigen und Granatäpfeln im Norden und im gesamten Jordantal folgen Steppengebiete und wasserlose Wüstenregionen mit nicht mehr als 10mm Niederschlag/Jahr(!). Die gigantische, 400km lange und 20km breite afrikanisch-asiatische Grabensenke, ausgetrocknete Flußtäler und staubtrockene Hochplateaus sind Gemeinsamkeiten in beiden Ländern.

Durch die erhebliche Veränderung der klimatischen Verhältnisse gibt es heute lebensfeindliche Regionen in Gebieten, die früher intensiv landwirtschaftlich genutzt und besiedelt waren. Auch das systematische Abholzen der Wälder für wirtschaftliche Zwecke hat die Bodenerosion im Süden und den Rückgang von Flora und Fauna zwangsläufig begleitet. Hinzu kommt ein veränderter Wasserhaushalt des Jordanflusses, der zu einer kritischen Wassersituation in beiden Ländern (Trink- und Nutzwasser) geführt hat. So fällt es bei einem weiten Blick in das palästinensische Westjordanland schwer, sich das Gebiet von Palästina bzw. das biblische Land Kanaan, in dem „Milch und Honig fließen“ und „Wein und Früchte zuhauf reifen“, bildlich vorzustellen. Glaube hin oder her. Doch greifen wir nicht vor…

1. Im Königreich Jordanien

Flaggen

Unser Exkursion beginnt in Jordanien, dem haschemitischen Königreich östlich des Jordan, in dem sich über mehrere Jahrtausende europäische und vorderasiatische Kulturen die Klinke in die Hand gegeben haben. Zeugnisse der griechischen, römischen, christlichen und islamischen Geschichte sowie beeindruckende Ziele und Landschaften liegen links und rechts unserer Route auf der Königsstraße, der ältesten Nord-Süd-Verbindung Jordaniens. Sie führt von Amman nach Aquaba durch das ostjordanische Bergland und die alttestamentarischen Gebiete Gilead, Moab und Edom. Kaum zu glauben, daß um 1300 v.Chr. Moses die israelitischen Stämme von Ägypten aus über eben diese Straße geführt haben soll. Auch Alexander der Große, römische Truppen, Byzantiner, Kreuzritter sowie Händler und Karawanen mit ihren Waren haben diese mehr als 4000 Jahre alte Verbindung vom Süden der arabischen Halbinsel bis zum Mittelmeer trefflich genutzt. Handel und Geschäfte, Expeditionen, kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch der know how-Transfer von Technik und Kultur zwischen unterschiedlichen Kulturen sind über diesen Weg abgewickelt worden…

Der arabische Nachbar: Vom einstigen Kriegsgegner zum Partnerstaat für Israel

Nach den Aufständen gegen das Osmanische Reich im 1. Weltkrieg wird durch Großbritannien im Jahre 1921 der Emir Abdullah zum Verwalter des Mandatsgebietes Transjordanien eingesetzt. In der Folge erlangt das heutige Jordanien im Jahre 1946 seine formale Unabhängigkeit. Nach der Staatsgründung Israels 1948 und dem unmittelbar danach beginnenden israelisch-arabischen Krieg (Jordanien annektiert die Westbank und Ostjerusalem) wird 1948 das Haschemitische Königreich ausgerufen (die haschemitische Erbdynastie führt seine Abstammung unmittelbar auf den Propheten Mohammed zurück).

Seine jetzige Rolle als Pufferstaat zwischen Israel/Palästina und dem Irak, nach mehreren Kriegen gegen Israel und die im Lande agierende PLO-Guerilla (Schwarzer September 1970/71) ist mehr als kompliziert. Insbesondere durch die instabile politische Lage in der gesamten Region, die Verbindlichkeiten zur Arabischen Liga, den Zusammenbruch des Handels mit dem Irak und die Belastungen durch Aufnahme von ca. 2Mio palästinensischen und syrischen Flüchtlingen. Nach dem Verlust seiner annektierten Gebiete im Sechs-Tage-Krieg 1967 und einem allmählichen Arrangement mit der Existenz Israels unterzeichnen 1994 der jordanische Premier und Yitzhak Rabin einen Friedensvertrag. Endlich. Verbunden damit ist die Sicherung der lebenswichtigen (!) Wasserrechte am Jordan. 1999 stirbt der auch international hoch geachtete jordanische König Hussein II. Die danach unter seinem Sohn Abdulla II fortgeführte pro-westliche Politik incl. der Versuch, auch den Palästinensern in Amman eine Stimme zu geben, sind ermutigend.

Jordanien

In der größten und eindruckvollsten Wüstenlandschaft des Landes, dem Wadi Rum

Angespannt schwierig sind auch die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Jordanien: Zusammengefaßt: Wenig Wasser, kaum Bodenschätze und kein Öl! Zur Ressourcenarmut (nutzbare Rohstoffe: Pottasche und große Phosphatvorkommen) kommt es 1988 mit Abtretung aller Palästina-Ansprüche auch zum endgültigen Verlust der ertragsreichsten Ackerflächen. Danach sind nur noch ca. 5% des Landes für den Pflanzenanbau geeignet. Durch Anzapfung des Löwenanteils am Jordanwasser durch Israel muß der Wasserbedarf zu zwei Dritteln aus dem Grundwasser (!) erfolgen. Geplante bilaterale Projekte in Richtung grenzüberschreitender Nutzung der Wasserressourcen bzw. eines gemeinsamen Wassermanagements liegen seit Jahren auf Eis.

Das Durchschnittsalter der heutigen Bevölkerung (ca. 7 Mio Einwohner) liegt bei 23 Jahren. Einem starken Bevölkerungszuwachs stehen zu wenig Jobs gegenüber. Viele junge Leute wandern ab- und dies trotz gutem Bildungsniveau und anerkannt moderner ärztlicher Versorgung. Der Islam ist Staatsreligion (95% Muslime, 2.5% Christen), laut Verfassung wird den Bürgern Religionsfreiheit zugebilligt.

Doch genug der Vorrede, auf geht`s, der klimatisierte Reisebus setzt sich schaukelnd in Bewegung. Nach einem Heimspiel heut in Amman und morgen in Jerash geht es auf der Königsstraße nur noch „abwärts“ in Richtung Süden:

Die Hauptstadt Amman: Umayyadische Zitadelle und Amphitheater

Mit ca. 3.5 Mio Einwohnern lebt in Amman die Hälfte der jordanischen Bevölkerung. Die Hauptstadt ist eine der saubersten und auch ältesten Städte der Welt (menschliche Ansiedlungen seit dem 8.Jahrtausend v.Chr. nachgewiesen). Ammans Highlights sind der Zitadellenhügel und das Römische Amphietheater. Im nationalen Archäologischen Museum für uns nicht mehr als ein schwarzer Stein: Die berühmte Mesha-Stele in phönizischer Alphabetschrift.

Amman

Herkulestempel des Marc Aurel und Torbau zum Umayyadenpalast (oben) sowie Platz für mehr als 6000 Zuschauer: das römische Theater um 700 n. Chr.

In der Römerstadt Jerash

Jerash, das historische Antiochia am goldenen Fluß, ist eine der besterhaltenen römischen Städte des Ostens ca. 40 km nördlich von Amman. Von der einst römischen Provinzstadt (Gilead/Gerasa) kündet heut ein riesiges Ruinenfeld. Es ist Ausgrabungsstätte und wichtigstes baugeschichtliches Denkmal Jordaniens und wird jährlich von ca. 1Mio Touristen besucht. Die historische Stadt verfiel nach einem schweren Erdbeben im Jahre 747 n.Chr.

Jordanien

In der antiken Stadt Gerasa: Zwischen ovalem Forum und Südtor zum Zeus-Tempel

Zwischen Berg und tiefem Tal: Der Berg Nebo, Madaba und das Wadi Mujib

Eine Erhebung des sanften jordanischen Berglandes verbirgt eine atemberaubende Szenerie: Vom Berg Nebo (802m ü.d.M.) soll Mose zum ersten Mal auf das Heilige Land geschaut haben, das er jedoch nicht betreten durfte. Im Gegensatz zu uns, die eine diesige Fernsicht auf das Westjordanland, das grüne Jordantal und das Tote Meer erwartet. Die auf dem höchsten Punkt errichtete Gedächtniskirche ist auf den Mauern eines alten römischen Mausoleums und später einer dreischiffigen Basilika erbaut und heute- neben einem Kloster- in der Hand von Franziskaner-Mönchen. Der Ort ist ein Wallfahrtsort, auch wegen der freigelegten frühchristlichen Mosaiken aus dem 5. Jhd. unserer Zeitrechnung.

Jordanien

Vom Berg Nebo sind es noch 30km bis Jericho unten im Tal…

Madaba ist insbesondere wegen seines Fußbodens in der griechisch-orthodoxen Georgskirche weltberühmt. Er zeigt eine Mosaik-Landkarte aus dem 6. Jhd. n.Chr.: Eine 16x6m große Karte des Gebietes von Palästina, dargestellt aus 2 Mio Steinen! Die erste geographische Darstellung dieser Region. Einschließlich der davonschwimmenden Fische, die dem Salzwasser des Toten Meeres ade sagen und ihm die Schwanzflosse zeigen. Bitte nicht anfassen und natürlich nicht betreten…

Etwa auf der Höhe des Toten Meeres erreichen wir das Wadi al-Mujib, den Grand Canyon Jordaniens. Der riesige Afrikanische Grabenbruch ist eine tektonische Hinterlassenschaft aus der Zeit, in der der Jordangraben entstand: Der Berührungs- und Reibungspunkt von Arabischer und Afrikanische Erdscholle bildet hier eine gigantische Schlucht, die in Serpentinen von der Königsstraße bezwungen wird. Im Tal zu sehen: Große Regenwasser-Rückhaltebecken und dazugehörige Kraftwerke.

Jordanien

Im Talkessel des Wadi al-Mujib

In den Kreuzritterburgen Kerak und Shawbak (Montreal)

Wenn die Königsstraße im Ort Kerak in Serpentinen steil ansteigt, tront in ca. 950 m über einem tief eingeschnittenen Talkessel die Kreuzfahrerburg Kerak. Sie bildet mit weiteren Burgen im jordanischen Bergland (Kreuzfahrerburg Shawbak) und in Syrien (Burg Krak) eine Festungskette der ehemaligen Kreuzritter. Ihre Linie verläuft vom Mittelmeer zum Roten Meer und dient während der Kreuzzüge der Kontrolle zweier wichtiger Handelsrouten und des militärischen Nachschubs. Kerak wird im Jahre 1142 durch Payen Le Bouteiller, Shawbak anno 1115 durch Balduin I von Jerusalem angelegt. Nach der Schlacht von Hattin 1187 in Galiläa/Israel und der vernichtenden Niederlage des christlichen Heeres werden beide Burgen 1188 bzw. 1189 durch Saladin erobert.

Petra-antike Stadt der Nabatäer

Die Besichtigung der Nabatäer-Stadt aus rosarotem Sandstein ist das unbestrittene Highlight jeder Jordanien-Reise. Und Weltkulturerbe und Naturschönheit und Jordaniens meistbesuchtes Reiseziel. Der Baubeginn von Petra ist nicht „verbrieft“, die legendäre Stadt aus Stein beginnt jedoch ab dem 1. Jhd. v.Chr. zu florieren. Ihre Bewohner sind anfangs Nomaden, die sich zu einer beeindruckenden Handelsmacht in der Region entwickeln (die Nabatäer handeln mit Weihrauch, Myrrhe und Gewürzen). Petra ist damit eine wichtige Station auf der Handelsroute, die das alte Mesopotamien mit Ägypten verbindet. Die Fassaden der Felsenstadt, Gräber, Kultstätten, Tempel, Theater und technische Bauten sind aus dem Sandstein einer bizarren Bergwelt herausgearbeitet und erhalten. Nach Annexion durch die Römer und Zerstörungen durch ein großes Erdbeben 363 n.Chr. wird Petra als Hauptstadt aufgegeben.

Jordanien

Motive aus der antiken Stadt Petra

Im roten Wüstensand des Wadi Rum

Unser Kings Highway mündet südlich von Petra und ca. 40km östlich der Hafenstadt Aquaba in den Desert Highway ein. Eine Wüstenstraße, die uns direkt in das Wadi Rum Visitor Center führt. Bereits in der Ferne auszumachen die Sandsteinwüste mit bis zu 400m hohen Felsmassiven und bizarren Felsformationen im roten Wüstensand. Als UNESCO-Weltkulturerbestätte auch die größte und eindrucksvollste Wüstenlandschaft Jordaniens! In den Granit/Sandsteinformationen wurden im Wadi Rum 1962 Szenen des Monumentalfilms Lawrence von Arabien gedreht, in dessen Mittelpunkt der Kampf der arabischen Stämme gegen das Osmanische Reich im 1. Weltrkrieg steht.

Der Hafen von Aquaba am nördlichen Zipfel des Roten Meeres ist ausgewiesene Freihandelszone, mit der wir allerdings wenig anfangen können. Die Stadt liegt am einzigen Hafen und Meereszugang Jordaniens und schlummert noch, als wir am frühen Morgen den Grenzübergang nach Israel passieren. Mit uns ebenfalls mehrere Gruppen junger Jordanier, die offensichtlich im benachbarten israelischen Badeort Eilat ihrer Arbeit nachgehen. Die Kontrollen sind unaufgeregt routiniert, aber extrem gründlich. Das Militär ist allgegenwärtig, dabei sind die Soldatinnen und Soldaten mit automatischen Waffen oft noch Teenager in Unform.

Wer noch restliche jordanische Dinar (JD) im Portemonnaie hat, nimmt sie als Andenken mit nach Hause, denn für den zweiten Teil unserer Reise gilt nun der Neue Israelische Shekel (NIS). Neben dem Bus werden auch die Guides getauscht: Wir sind nun mit einem israelischen Reiseführer „auf der anderen Seite“ und der Bus schaukelt los in Richtung Norden.

2. Israel

Flaggen

Wichtige Israel-Daten:

Einwohner: 8.3 Mio, Fläche: 21.000 qkm (470km N-S und max. 135km O-W, entspricht in etwa der Größe des Bundeslandes Hessen); Amtssprachen: Hebräisch und Arabisch; Bevölkerung: ca. 75% religiöse Juden, ca. 17%Muslime (1.5Mio), ca. 2% Christen; Politik: parlamentarische Demokratie

Technologiepark Negev-Wüste

Nach kurzer Zeit ist die Anspannung der letzten Stunde bei den meisten von uns abgefallen. Wir sind wieder im Tal des afrikanischen Grabenbruchs (hier in Israel: Arava-Senke). Immer in Sichtweite zur jordanischen Grenzbefestigung geht es auf dem Highway Nr. 90 durch die in Negev-Wüste in Richtung Totes Meer. Die Sand- und Steinwüste nimmt ca. 50% des israelischen Territoriums ein und ist eine der trockensten Wüsten der Welt. In vielen Gebieten liegt die Niederschlagsmenge unter 10mm pro Jahr(!), in 6 Monaten des Jahres herrschen Temperaturen von mehr als 40°C. Trotzdem ist der Negev Lebensraum von ca. 50 bewohnten Orten und 240.000 Beduinen. Trotz dieser lebensfeindlichen Umgebung fahren wir bald an den ersten künstlichen Oasen vorbei: Großflächige Obst- und Gemüseanbaugebiete (Avocados, Datteln, Zitrusfrüchte, Tomaten und Kartoffeln, Oliven, Wein u.a.) unter Zelten und mit künstlicher Bewässerung. Die Bewässerung basiert auf den gereinigten Ab- und Brauchwässern der in der Nähe liegenden „Entwicklungsstädte“ und Kibbuze! Auch über Tiefenbohrungen bis in eine Teufe von 400m wird der Wüste das Wasser abgezapft. Pioniergeist und Einfallsreichtum in diesen Gebieten sind für die Landwirtschaft Israels seit seinen Anfängen offensichtlich überlebenswichtige Notwendigkeit. Auch wenn sich uns der Sinn von kilometerlangen Bananenplantagen (und ihrem enormen Wasserverbrauch!) nicht erschließt: Negev heißt zwangsläufig auch High-Tech in Sachen Bewässerung, Agrarforschung, Düngemitteltechnologie sowie bio- und pflanzentechnische Verfahrenentwicklung. Respekt!

Israel

…schnell vorbei, aber kein Märchen: Bananenplantagen im nördlichen Negev

Große Teile des Negev sind militärisches Sperrgebiet. Vor dem Toten Meer biegt der Highway 25 in Richtung Dimona ab. Hier befindet sich der der Atomkomplex, in dem Israel mit französischer Nukleartechnologie (Reaktor und Wiederaufbereitungsanlage) ab 1957 Plutonium für Atombomben herstellt. Bisher sind alle Versuche der internationalen Atomenergiebehörde zur Inspektion dieser Anlage gescheitert, auch der 1970 in Kraft getretene Atomwaffensperrvertrag wurde durch Israel nicht unterzeichnet. Nach Aufdeckung der Geheimniskrämerei (Vanunu-Report in der Londoner „Sunday Times“ 1986) besitzt Israel damals bereits den Stoff für mehrere hundert Atombomben.

Am Toten Meer: „Badevergnügen“ auf einem gewaltigen Salzstock

Wir sind kaum fühlbar bergab gefahren und stehen nun am tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erde, konkret ca. 400m unter Normal-Null. Wellenloses blaugraues Wasser, das sich anfühlt, wie sich Wasser normalerweise nicht anfühlt: Eine fast 30% gesättigte, ölige Salzsole, die einen wie ein Korken an der Oberfläche treiben läßt. Schweben in Rückenlage am Toten Meer geht, das Brustschwimmen durch den enormen Auftrieb jedoch nicht: Er läßt die Beine nach oben und damit das Gesicht nach unten drücken, das Bemühen um Balance sieht mehr als komisch aus. Nach spätestens 15 Minuten sollte man den „Spaß“ ohne Spritzen und Planschen ohnehin beenden. Schon wer unbeabsichtigt diese Salzlake in die Lunge bekommt, lebt gefährlich. Ein eher meditatives Erlebnis also in dem ca. 80km langen und bis zu 18km breiten Gewässer. Der abflußlose Binnensee, eingerahmt durch die moabitische Bergwelt Jordaniens und die judäischen Bergwelt im Westen, ist ohne jegliches Leben. Ursache ist ein riesiger Salzstock, der sich mit mehr als 40% Salzgehalt 700m unter dem Meer befindet.

Die Situation des gesamten Gebietes gibt jedoch Anlaß zur Besorgnis: Durch die Abzapfung des Jordanwassers in Israel und Jordanien fallen zunehmend Pegel und damit Seeoberfläche. Uns fallen die riesigen Industrieanlagen auf, die die Ressourcen des Toten Meeres ausbeuten: Salz, Magnesium, Kalium (Pottasche), Chlor und Bromide für Bau, -Düngemittel-, Pharmazeutische und Kosmetikindustrie. Die Chemische Industrie ist Israels Exportartikel Nr. 3, größter Anteilseigner ist die kandische Potash Corporation of Saskatchewan, die auch Wasser vom Nordteil in den südlichen Teil des Dead See pumpt. Staat, Unternehmen und Umweltschützer wehren sich bisher erfolgreich gegen ein Kanal-Projekt von 2006, das zu seinem Auffüllen und für seinen Erhalt das Zupumpen von (Salz-)Wasser aus dem Roten Meer vorsieht.

Die Festung Massada und ihr Mythos

Die Fahrt verläuft nun unmittelbar am Wasser entlang. Große, ausgetrocknete Zufluß-Täler vergangener Regengüsse begleiten uns. Wie in den Wadis Jordaniens hat das Wasser tiefe Höhlen ausgewaschen und ein Schluchtensystem hinterlassen, das bei Regengüssen sofort volläuft und zur tödlichen Gefahr werden kann. Eine gefühlte Autostunde vor Einfahrt in das Westjordanland biegt der klimatisierte Bus ab in den Massada-Nationalpark. Mitten in der jüdischen Wüste tront der 450 hohe Tafelberg mit der eindrucksvollen, ehemaligen jüdischen Festung Massada.

Durch König Herodes I zwischen 37 und 4 v.Chr. erbaut, spielt sie eine bedeutende Rolle im Kampf gegen die Römer: Nach der Zerstörung Jerusalems im Jüdischen Krieg (70 n.Chr) gelingt einer Gruppe von ca. 1000 jüdischen radikalen Nationalisten (Zeloten) ein waghalsiges Unternehmen: Sie besetzen die Bergfestung und halten sie zwei Jahre lang gegen 4000 Soldaten der 10. römischen Legion. Das belagerte Massada wird damit zum letzten Ort des Widerstandes der aufständischen Juden in Judäa. Unter Flavius Silva errichten die Römer am Fuße des Tafelberges acht noch heute sichtbare Feldlager und einen Ringwall. Über eine in mehreren Monaten künstlich angelegte Gesteinsrampe und einen transportablen Belagerungsturm wird die Erstürmung vorbereitet. Am Tage vor dem Sturm im Jahre 73 n.Chr. begehen die Verteidiger kollektiven Selbstmord.

Israel

Römisches Kastell, Nordpalast des Herodes, Festungsplateau und Breaching Point

Fanatismus, Verzweiflung, Selbstüberschätzung, Terrorismus? Unabhängig von der Deutungshoheit liegt im Geschehen um Massada eine sehr, sehr starke Botschaft. Die Festung wird ab der 1940-iger Jahre zu einem nationalen Symbol für die zionistische Jugend und die gesamte jüdische Gemeinschaft. Der alljährliche Treueeid der neu einberufenen israelischen Soldaten auf dem Festungsgelände („Massada darf nie wieder fallen“) wird jedoch -auch wegen der Idee des kollektiven Selbstmordes- im Jahre 1991 aufgegeben.

Jerusalem-Ungeteilte Hauptstadt der Erinnerungen?

Wir passieren den Kontrollbereich in die Westbank und gelangen fast am Ende unserer Fahrt an der Westseite des Toten Meeres nach Qumran. In den Höhlen dieses Gebietes wurden 1947 durch einen Hirtenjungen Bibel-Schriftrollen entdeckt, die aus dem 1. Jhd. v.Chr. stammen. Die Dokumente, die auf Papyrus, Pergament und auf Kupfer geschrieben wurden, waren über 2000 Jahre in Tongefäßen versteckt und haben so dem trockenen Wüstenklima trotzen können. Der außergewöhnliche Fund lagert heut (zum größten Teil) im Shrine of the Book in Jerusalem.

O.K.. einen Tag vor Sabbat-Beginn sind wir planmäßig in Jerusalem angekommen. Natürlich haben wir Fragen an unseren jüdischen Reiseführer im Gepäck, Reisezeit ist auch Zeit für Gedankenaustausch und Diskussionen. Aber: Im kategorischen Imperativ nehmen wir durch ihn zur Kenntnis, daß das ungeteilte (!) Jerusalem die Hauptstadt Israels ist. Seit dem Knesseth-Beschluß 1980 über ein „vereintes Jerusalem“ im übrigen auch Israelische Staatsdoktrin und damit basta. Vom UN-Teilungsplan 1947, der Jerusalem als „corpus separatum“ unter internationale Kontrolle stellt bzw. einem vertraglich zugesicherten Anspruch der Palästinenser auf den Ostteil der Stadt ist keine Rede. Die nicht zu übersehenden Grenzmauern zur Abriegelung der Westbank seien provisorisch und einzig den terroristischen Angriffen der Palästinenser geschuldet. Wie auch die Siedlungen in der Westbank, die als „Faustpfand“ dienen und nach erfolgreichen Verhandlungen mit den Palästinensern ohnehin geräumt würden… Nein, Zweifel sind nicht angebracht. 

Peinliches Schweigen und Kopfschütteln in der Reisegruppe.  Wir sind ob dieser Breitseite -und dies vor dem Gebäude der Knesseth- einigermaßen entwaffnet, gleichwohl dieses Statement absolut staatskonform ist. Israel hat seine Botschafter gut vorbereitet…  

Nachsatz: Am Abend beginnt die Sperrung von Jerusalems Straßen, da der Giro d`Italia ab morgen (4.Mai 2018) für 3 Etappen in die Haupstadt Israels eingeladen hat. Erstmalig. Weil jedoch in offiziellen Giro-Dokumenten von West-Jerusalem die Rede war, drohte die israelische Regierung, den Organisatoren die Unterstützung zu entziehen, s.u. So einfach geht israelische Politik…

Jerusalemeine Stadt, zwei Völker, drei Religionen

  • Für die Israelis ist sie hebräisch Yerushalayim, der „Ort des Friedens“. Für die Palästinenser arabisch El Kuds, „die Heilige“. Ort des Friedens war Jerusalem allerdings niemals, die Stadt wurde 36-mal von Kriegen heimgesucht und mehr als ein Dutzend Mal zerstört. Bis zum heutigen Tag schwelt der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern auch um den Anspruch auf den Ostteil der Stadt.
  • Für drei Weltreligionen und ihre Gläubigen bewahrt die Stadt heilige Stätten: für die Juden die Reste des 2.Großen Tempels, für die Christen Wirkungs,- Leidens- und Sterbestätten Jesu und für alle Muslime Felsendom und Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg. Dabei verbindet die goldene Kuppel des Felsendoms alle Religionen durch den Felsen, von dem man annimmt, er sei der Grundstein der Welt: für den Schöpfungsakt des Menschen, als Opfer-Altar Abrahams und für den Himmelsritt Mohammeds. Und wem das noch nicht genügt, auch das Jüngste Gericht soll hier stattfinden…
  • Hier und Jetzt: Für Touristen aus aller Welt bewahren beide Teile Jerusalems (fast) alle Rätsel dieser Welt: Sowohl die im Westen gelegene, von Israel ausgebaute Neustadt mit ihrer jüdischen Bevölkerung. Und auch der Ostteil mit der historischen Altstadt und weitgehend arabischer Bevölkerung…

Jerusalem liegt ca. 800m hoch in den Bergen Judäas. Die „Abenteuerplätze“ der alten Dame auf dem Berg sind ungeheuer groß an Zahl und Inhalt. Den wissenschaftlichen Dokumentationen und Abhandlungen, Reiseberichten, journalistischen Erörterungen und Essays über diese einzigartige Stadt kann man schwer Neues hinzufügen und nur auf die angegebene Literatur verweisen. Die wichtigsten Ziele unseres 1 1/2 tägigen Jerusalem-Aufenthaltes seien jedoch genannt: Yad Vashem, Knesseth und Menora-Bronzestatue, Israel-Museum (mit Qumran-Schriftrollen und Jerusalem-Modell), Ölberg, Garten Gethsemane, Kirche der Nationen (Todesangst-Basilika), Kidron-Tal, Via Dolorosa und Leidensstationen Jesu, Grabes- und Erlöserkirche, Altstadt mit (im Uhrzeigersinn) muslimischem, jüdischem, armenischem und christlichem Viertel, Klagemauer und Zionsberg mit Davidsgrab:

Israel

Farbiges Jerusalem: Die goldene Kuppel des Felsendoms, Kommunikation an der Klagemauer, im Garten Gethsemane, Menora, Giro d`Italia und Grabeskirche

70 Jahre Israel, 70 Jahre Krieg und Gewalt in Palästina

Zum 70. Geburtstag Israels ist die Frage aufgekommen, ob Israel seine Existenz nicht dem schlechten Gewissen der Weltgemeinschaft zu verdanken hat, als es 1947 Palästina in einen jüdischen und arabischen Staat zerlegte(?).

Fakt ist, dass die am 14.Mai 1948 erfolgte Unabhängigkeitserklärung kurze Zeit später auf der weiteren gewaltsamen Landnahme vom arabischen Volk basieren wird. Aber: Kann man die neue Heimat der Juden in die alte Heimat eines anderen Volkes hineinmogeln? Sind Gewalt und Landnahme eine belastbare Rechtsgrundlage für eine Staatsgründung? Ist die Gründung eines Staates ohne Klarheit über sein Staatsgebiet überhaupt möglich? Und welchen Vorschub hat die UN-Resulution Nr.181 bei diesem Konflikt geleistet?

Die Erklärung vom 14.Mai durch Ben Gurion bedeutet Krieg und Vertreibung. Der schon am nächsten Tag beginnende Unabhängigkeitskrieg Israels gegen die arabischen Staaten mündet 1948/49 zwangsläufig in die Nakba, die Flucht von mehr als 750.000 Palästinensern. Der Traum Israel wird zum immerwährenden Albtraum.

Fazit: Krieg und Vertreibung und ein beginnender mörderischer Bürgerkrieg begleiten die Staatsgründung Israels bis zum heutigen Tag und sind zugleich ihr größter Geburtsfehler. Zugleich der Nährboden für eine ungebremste Gewaltspirale, den bewaffneten Kampf der Hamas und der Fatah-Milizen, Attentate, Intifadas und den palästinensischen Terror in Verhangenheit und Neuzeit (Hamas). Essentielle Verhandlungsangebote (Camp David 2000, Taba 2001 u.a.) sind in der Vergangenheit durch die Führung der PLO durch das Festhalten an Maximalforderiungen abgelehnt worden. Und: Die durch israelische Besatzung und ungebremsten Siedlungsbau im Westjordanland erneut gedemütigte arabische Bevölkerung ist nicht einfach verschwunden. Freiheit ist ein Instinkt. Und es ist anzunehmen, dass auch die Zeit ihr Recht auf die angestammte Heimat nicht verblassen lässt. Ich bin überzeugt, daß es keine Lösung außer der Zwei-Staaten-Lösung geben wird.

Israel

Bewaffnete Demokratie (?)

Es sind schwere Vorwürfe, die als Hypothek auf dem 1948 gegründeten Staat Israel lasten und kritisch angesprochen werden müssen:

  • Das Westjordanland steht seit seiner Eroberung 1967 unter israelischer Militärverwaltung und wird seit 1973 illegal besiedelt
  • Der Siedlungsbau dort ist gemäß der Roadmap von 2002/03 (UN, EU, USA, Russland) nicht eingefroren worden. Er steht -auch nach Einschätzung des ehemaligen israelischen Premiers Ehud Olmert im Jahre 2008- im Widerspruch zu den Versprechen Israels
  • Israelische Sperranlagen im Westjordanland und Bethlehem zerschneiden Verkehrswege und führen zu Landraub und vorübergehender Enteignung seiner Anwohner. Die Sperranlagen sind gemäß Entscheid des internationalen Gerichtshofes in Den Haag von 2004 illegal
  • Ostjerusalem wurde 1967 von Israel annektiert, seine Annexion 1980 nochmals durch die Knesseth bestätigt: „Das vereinte Jerusalem ist in seiner Gesamtheit Hauptstadt Israels.“ Die Annexion ist gemäß UN-Resolution 478 des Sicherheitsrates völkerrechtswidrig und wird von der Staatengemeinschaft nicht anerkannt
  • Ähnliches gilt für die ehemals syrischen Golanhöhen, die nach dem Sechstagekrieg 1967 besetzt und 1980 durch formale Annexion zu israelischem Gebiet erklärt wurde. Die Annexion ist gemäß Entscheid des internationalen Gerichtshofes illegal

Im Westjordanland

Welches Radsportteam der Giro d`Italia nach dem Zeitfahren in Jerusalem führt, wissen wir heut (noch) nicht genau. Dafür kennen wir die genaue Funktion des Schabbat-Fahrstuhls in den Hotels: Er hält nach dem Einsteigen und ohne Knopfdruck (!) auf jeder Etage. Knopf drücken ist für strenggläubige und orthodoxe Juden halt Arbeit… Und wir kennen inzwischen auch den Hauptfeind der Ultra-Orthodoxen: Das Internet! Insgesamt schwer nachzuvollziehen die krude Gedankenwelt dieser religiösen Ultras, für die zu bestimmten Feiertagen in ihrem Stadtteil Mea Schearim getrennte Bürgersteige für Männer und Frauen eingeführt wurden. Die keiner Frau die Hand geben, die Spielplätze mit gemeinsam spielenden Mädchen und Jungen mit der Verletzung ihrer religiösen Gefühle ablehnen u.s.w. Durch den Einfluß dieser religiösen Minderheit (ca. 10% der israelischen Juden) auch in der Knesseth gibt es in Israel im Jahre 2018 keine Trennung von Staat und Religion. Den säkularen Juden durch die Orthodoxen inzwischen abgetrotzt: Fahrverbot für öffentliche Busse, Flugverbot für die El Al am Schabbat und: Wehrdienstbefreiung!

Heut geht es weiter nach Norden, nach Galiläa. Auf der Weiterfahrt über die Westbank passieren wir als erstes die Sicherheitsanlage und die acht Meter hohe Mauer aus Stahlbeton. „AntiTerror Fence“ nennen ihn die Israelis, „Apartheidsmauer“ die Palästinenser. Kaum eine israelische Maßnahme hat bisher einen so weit hörbaren Sturm der Entrüstung hervorgerufen wie der Bau des Trennungswalls um Westbank und palästinensische Städte. Wir besuchen Bethlehem und die älteste Oasen-Stadt der Welt: Jericho. Der aufgeschüttete Hügel der antiken Stadt (Tel Jericho) besteht aus mehreren Schichten von Städten, die bis auf mehr als zehntausend Jahre zurückführen.

Jordanien

Gold und Mosaiken sowie heißer Sand: In der Geburtskirche von Bethlehem und am Berg der Versuchung in Jericho

An den den stillen Wassern Galiläas: Jordanfluß und See Genezereth

Die letzte Etappe unserer Reise in den Nahen Osten führt uns in den Norden Galiläas: zum See Genezereth und bekannten geistlichen Wirkungsstätten Jesu. Das „Galiläische Meer“ wird vom Jordan gespeist. Seine Quelle liegt am Mount Hermon (2800m) in den Golan-Höhen, nach Durchfluß des Sees endet er mit einer Gesamtlänge von ca. 250km am Toten Meer.

Der See Genezareth (Kinneret) ist mit einer Ausdehnung von ca. 20x10km der größte Süßwassersee das Landes, er liegt 200m unter dem Meeresspiegel und versorgt über Pipelines Städte und den Negev. Ein riesiges Süßwasserreservoir! Rundherum fruchtbare, grüne Täler, die vom galiläischen Bergland im Norden und den Golanhöhen im Osten begrenzt werden. In dieser Gegend soll Jesus einen Großteil seines Lebens verbracht haben. Dünn besiedelt, strahlt die gesamte Seenlandschaft mit seiner üppigen Vegetation auf uns eine bedingungslose Ruhe und Gelassenheit aus.

Israel

Abendstimmung am See Genezareth

Vorbei an Tiberias erreichen wir Tabgha am Nordufer des Sees. Der Ort wird mit der Bergpredigt und dem Wunder der Brotvermehrung in Verbindung gebracht. Im Inneren der Brotvermehrungskirche erwarten uns Mosaiken von seltener Schönheit. Die Freilegung von Ruinen aus dem 1. Jhd. v.Chr. im Nachbarort Kapernaum sind spektakulär: Eine antike Synagoge und ein Privathaus verweisen auf das Wohnhaus des Apostel Petrus.

Die Stelle, an der der Jordan aus dem südlichen Ende des Sees Genezareth austritt, ist das Jardenit. Ein heiliger Ort, da hier nach Überlieferung Jesus durch Johannes getauft worden sein soll. Auch bei unserem Kurzbesuch waren mehrere Pilgergruppen in weißen Gewändern hier versammelt, um sich taufen zu lassen.

Wir überqueren den Jordanfluß und gelangen über die Hörner von Hattin, das Kreuzritterschlachtfeld von 1187, nach Nazareth. Die Stadt (ca. 65.000 Einwohner) ist heute größte arabische Stadt Israels mit ca. 35% palästinensischer Christen. Nach Vertreibung der Kreuzfahrer aus dem Gebiet durften bis zum 17. Jhd. jedoch keine Christen mehr in der Stadt wohnen. Die Verkündigungskirche (Basilica of Annunciation) ist der größte christliche Bau im Nahen Osten, Symbol und bekannteste Sehenswürdigkeit von Nazareth.

Jordanien

Tabgha-Mosaiken und Bergpredikt-Kirche (li), sowie Kapernaum, Jardenit und Verkündigungskirche in Nazareth (re)

Wie in Israel alles begann -in einem Kibbuz

Es sind nicht die ersten Juden, die Anfang des 20.Jahrhunderts in das unter britischem Mandat stehenden Palästina strömten. Es ist die x-te Einwanderungswelle, wer weiß das genau. Einfache Leute, Bauern und Landwirte, die die Äcker und Böden von arabischen Großgrundbesitzern erwerben. Oder über die Agenten des Bankiers Baron Rothschild. Früher hatten palästinensische Bauern sie bewirtschaftet, heute entstehen darauf erste jüdische Modellfarmen und Siedlungen. Kibbuze eben. Gemeinschaftsarbeit und vor allem Pioniergeist sind die gefragten Tugenden dieser Leute, als alles beginnt.

Wir haben einen Nachmittag und eine Nacht in einem galiläischen Kibbuz verbracht, uns erzählen lassen vom Anfang und dem, was geblieben ist. Es war eine Art Sozialismus: Land und Maschinen gehörten allen, es gab absolute Gleichberechtigung und gerechte Verteilung, gute Arbeit für gutes Geld. Im Jahr 2018 sind die Organisationsformen andere, sie entsprechen denen eines kapitalistischen (Klein-)Betriebs. Also Arbeitgeber und -nehmer, natürlich auch einen Chef. Und bäuerliche Gewerkschaften, eine Anteilsverwaltung und einen Rentenanspruch für die ausscheidenden Kibbuzime. Gut geführte Kibbuze in den ertragreichen Gegenden des Landes machen viel Geld, doch eine große Zahl hat inzwischen das Handtuch geworfen.

Ohne ein Sightseeing im modernen Tel Aviv nehmen wir damit Abschied von Jordanien und Israel. Es war eine spannende und mehr als interessante Reise, ma`a s-salama und schalom!

Mehr zum Thema

Zum Lesen/Anschauen:

  • Martina Sabra: „Jordanien/Marco Polo“, Mairdumont GmbH Ostfildern, 8.Auflage 2017
  • Baedeker: „Jordanien“, Karl Baedeker-Verlag, 9.Auflage 2014
  • K.Schmidt-Hirschfelder, T.Stankiewicz: „Israel-Zeit für das Beste“, Bruckmann Verlag GmbH, München, 2.Auflage 2018
  • Gerhard Heck: „Israel/Marco Polo“, Mairdumont GmbH Ostfildern, 12.Auflage 2016
  • Sylke Tempel: „Israel-Reise durch ein altes neues Land“, Rowohlt-Verlag Berlin, 2008
  • Etty Boochny Mendelbaum: „Das heilige Land-den Schritten von Jesus folgend“, Victory Production & Distribution, Modiin Israel, 2012
  • Der Spiegel-Geschichte: „Israel-Land der Hoffnung, Land des Leids“, Ausgabe 02/2015
  • Lion Feuchtwanger: „Der jüdische Krieg“, Aufbau-Verlag Berlin, 4. Auflage 1983
  • DVD: „Gelobtes Land/The Promise“, ein Winkler-Film von Peter Kosminsky aus der Reihe „DVD-Zeitgeschichte“ . Eine fesselnde Odyssee durch den Nahostkonflikt

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