Der Klosterpark Altzella: Grablege der Wettiner

10. August, 2018

Altzella

„Altzella war im Mittelalter das bedeutendste Kloster im mitteldeutschen Raum. 1162 durch Markgraf Otto den Reichen gestiftet, diente die Zisterzienserabtei als Hauskloster der wettinischen Markgrafen von Meißen, die hier auch ihre Grablege hatten. Die Abtei wurde 1540 im Zuge der Reformation aufgelöst, doch erinnern bis heute eindrucksvolle Bauwerke und Ruinen an das Erbe der Zisterzienser. Um 1800 legte der Kunstgärtner Johann Gottfried Hübler einen romantischen Landschaftspark an und bezog die verfallenen Gebäude und Mauern ein. Von dem bezaubernden Gartenreich ließ sich auch der Maler Caspar David Friedrich inspirieren.

Altzella

Das frühere Klostergelände ist mit seinen Ruinen und Mauern, den alten Bäumen und Parkanlagen scheinbar von der hektischen Betriebsamkeit des 21. Jahrhunderts entrückt. Die idyllische Abgeschiedenheit des Ortes erinnert nur wenig an den lebhaften Alltag im vormals bedeutendsten und reichsten Kloster Sachsens. Wer heute dieses Gelände besucht, findet die Spuren einer wechselvollen 800-jährigen Geschichte: Das romanische Klostertor, das in der Zeit versunken scheint, das ehemalige Konversenhaus mit seinem beeindruckenden Bibliothekssaal, das klassische Mausoleum der Markgrafen von Meißen und grandios inszenierte  Vergänglichkeit im romantischen Landschaftspark“ (aus: Mathias Donath, Andre Thieme: „Kloster Altzella“, Edition Leipzig, 2011).

Altzella

Das Kloster Altzella liegt im Tal der Freiberger Mulde bei Nossen. Das Gelände für den Bau der Klosteranlage erwarb der Zisterzienser-Orden im Tausch für ein Gebiet in Freiberg, in dem im Jahre 1168 Silber gefunden wurde. Aus dem Orden der Benedektiner hervorgegangen, galt für die Zisterzienser deren Regelwerk im wesentlichen weiter. So auch die bekannte Mönchsregel  „Ora et labora“ (bete und arbeite), mit der beide Orden als Orte der Frömmigkeit, der Arbeit und des Handwerks bekannt geworden sind.

Noch ein Satz zur Vergänglichkeit: Das Kloster Altzella ist seit dem frühen Mittelalter Erbbegräbnisstätte der Wettiner. Die Dynastie dieses Fürstengeschlechts hat ihren Namen von der Burg Wettin am Ufer der Saale übernommen. Es soll gemäß der „Altceller Annalen“ vom Sachsenkönig Widukind abstammen und herrscht über 800 Jahre lang im mitteldeutschen Raum. Als gesichert gilt Konrad der Große  als Stammvater der Wettiner.

Ab dem frühen 12. Jahrhundert stellen die Wettiner die Markgrafen, Fürsten, Kurfürsten, Herzöge und Könige von Sachsen und Polen. Ein Teil von ihnen- die Stifter des Klosters- sind im Mausoleum von Altzella begraben. Es sind dies die Markgrafen von Meißen, der am weitesten östlichen Provinz/Mark des deutschen Reiches aus der Zeit von 1190 bis 1381. Die Gebeine der Stifter ruhen in Sandsteinsärgen in einem Gewölbe unterhalb des Grabdenkmals des klassizistische Mausoleums:

Altzella

Wettiner der nachfolgenden Generationen (1428-1500) sind im Dom zu Meißen bestattet. Im Hohen Chor des Freiberger Doms befindet sich die Grablege Wettiner Landesfürsten (lutherisch) aus der Nachfolgezeit (1541-1694). Chronologisch schließt sich die Grablege in der Hofkirche Dresden (1733-1932) an. Neben den sächsischen Grablegen existieren Begräbnisstätten der Wettiner auch in anderen deutschen Ländern und im Ausland.

(v.k.)

mausoleum-images:  de.wikipedia.org

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